Kinderbetreuung

Eltern bleiben draußen: Kita-Betrieb in Corona-Zeit ist Herausforderung für Personal

Von den Räumlichkeiten profitiert hat die Kindertagesstätte Alice-Salomon: Hier haben ein bis zwei Gruppen einzelne Häuser mit separatem Eingang.
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Von den Räumlichkeiten profitiert hat die Kindertagesstätte Alice-Salomon: Hier haben ein bis zwei Gruppen einzelne Häuser mit separatem Eingang.

Die Corona-Pandemie stellt auch die Kitas vor eine große Herausforderung. Wir haben mit den Leitern zweier Kitas gesprochen, um deren Vorgehen zu beleuchten.

Hanau – Rot-weiß gestreiftes Flatterband dominiert den Außenbereich der Margarethen-Kita. Zum Klettergerüst darf am Montagmorgen nur die Schmetterlingsgruppe, zur Schaukel die Mäuse. „Jede Gruppe hat ihren eigenen Spielbereich. Damit es nicht langweilig wird, wechseln die Kinder nach ein paar Tagen etwa von der Wippe zum Sandkasten“, erklärt Kita-Leiter Jürgen Matern.

Für Erwachsene gilt auf dem gesamten Gelände Maskenpflicht. Eltern dürfen die Kita derzeit – wie auch in allen anderen Kindertagesstätten in Hanau – dennoch nicht betreten. Bringen und abholen dürfen sie die Kinder nur an den Türen der jeweiligen Gruppenräume. Über Aushänge werden die Eltern über aktuelle Ereignisse, Verdachtsfälle und Quarantänemaßnahmen informiert. Zwischen Tür und Angel bekommen sie die Gelegenheit, mit den Erziehern zu sprechen.

Kontakt zwischen Kindern verschiedener Gruppen soll vermieden werden

„Wir mussten die Gruppen neu zusammenwürfeln“, erklärt Matern. Denn damit im Fall einer Corona-Infektion möglichst wenig Kinder und Jugendliche in Kontakt mit dem Infizierten kommen, werden sie strikt getrennt. Geschwister und Kinder, die in einem Haus wohnen und oft miteinander spielen, wurden in die gleiche Gruppe verteilt.

Auf den Fluren sowie in gemeinsamen Räumen wie dem Kreativ- oder Bauraum soll der Kontakt zwischen den Kindern aus verschiedenen Gruppen vermieden werden. „Das widerspricht eigentlich unserer pädagogischen Arbeit, bei der wir Autonomie und Selbstständigkeit fördern möchten.“

Die Gruppen mussten daher komplett neu aufgeteilt und im Alltag strikt getrennt werden. Daher können sich auch Erzieherinnen, die einer bestimmten Gruppe zugewiesen sind, im Krankheitsfall nicht in einer anderen vertreten. Ein anderer Grund für die Neueinteilung der Gruppen war die Angst mehrerer Eltern vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus. Bis zum Januar pausieren die Betreuungsplätze von über 20 der insgesamt 118 Kita-Kinder. Die Eltern haben sie aus Angst vor Ansteckung mit dem Virus vorerst aus der Kita genommen. „Die Gruppeneinteilung und Personalplanung war eine große organisatorische Schwierigkeit, die jede Kita für sich selbst lösen musste“, so Matern. „Wenn eine Erzieherin krank wird, wird’s eng.“

Seit März nur ein Kind mit Corona infiziert

Jürgen Matern, Leiter der Margarethen-Kita

Personal wird allerdings auch anderweitig gebunden, wenn in einer Gruppe Symptome auftreten, die auf eine Corona-Infektion hindeuten könnten. „Wenn sich beispielsweise ein Kind übergibt, muss es sofort isoliert und von einer Erzieherin so lange betreut werden, bis es abgeholt wird“, so Matern.

Am Montag hat ein Kind starken Husten – umgehend werden die Eltern informiert und eine Erzieherin zieht sich, mit FFP-2-Maske und Schutzkleidung ausgerüstet, mit dem Jungen und seinem Bruder in einen gesonderten Raum zurück. Auch wenn solche Fälle wöchentlich ein- bis zweimal vorkämen, gibt Matern Entwarnung. Seit März habe die Kita nur in einer Gruppe einen bestätigten Corona-Fall gehabt. Zwei Wochen lang mussten alle Kinder und Erzieherinnen der entsprechenden Gruppen in Quarantäne. Für alle anderen Kinder konnte das Betreuungsangebot aufrecht erhalten werden.

Kinder halten sich an die Vorgaben, wenn man gut mit ihnen kommuniziert

Ähnliche planerische Herausforderungen hat auch die Alice-Salomon-Kita zu bewältigen. „Wenn eine Kollegin krank wird, können wir nicht mehr spontan umverteilen“, sagt Kita-Leiterin Anja Mayer. „Wir sind derzeit oft mit Herausforderungen konfrontiert, die eine vielschichtige Lösung und Einzelfallabwägungen bedürfen.“ Durch die räumliche Aufteilung der Kita in mehrere Häuser mit separaten Eingängen habe sie anders als Matern die Gruppen größtenteils nicht neu einteilen müssen.

Jede Gruppe hat ihren eigenen Bereich: In der Margarethen-Kita trennt Flatterband den Spielplatz ab.

„Wir haben beobachtet, dass die Kinder sich sehr gut daran halten, wenn man ihnen gut kommuniziert, in welchem Bereich sie spielen dürfen“, so Mayer. „Die älteren Kinder passen dann auch immer gut mit auf, dass alle Corona-Regeln eingehalten werden“, sagt sie und lacht.

Gruppenübergreifende Projekte zurzeit nicht möglich

„Da wir Kinder von null bis zehn Jahren betreuen, verfügt jede Gruppe über eigene Schlafräume und Bäder“, so Mayer. Und auch auf dem Außengelände seien Spielbereiche klar definiert, sodass es keiner Absperrung bedürfe. Einzelne Geschwisterkinder seien zu ihrem Bruder oder ihrer Schwester in die Gruppe gekommen. „Darin müssen die Kinder natürlich gut begleitet werden.“

Auch hier seien gruppenübergreifende Projekte wie das Schuleinsteigerprogramm, das Sankt-Martins-Fest coronabedingt nicht möglich. Die Erzieherinnen zeigen laut Mayer jedoch sehr großes Engagement, um den Kindern andere, sehr kreative Lösungen in den einzelnen Gruppen anzubieten.

Kinder hätten sich schnell an die Situation gewöhnt

Anja Mayer, Leiterin der Alice-Salomon Kita

Obwohl auch in ihrer Kita wöchentlich einzelne Kinder wegen Krankheitssymptomen isoliert werden müssten, sei kein bestätigter Corona-Fall in den Gruppen aufgetreten. Für die Corona-Zeit hat die Alice-Salomon-Kita einen Informationstisch vor dem Haupteingang, E-Mail-Listen und einen Newsletter eingerichtet. Elterngespräche finden größtenteils telefonisch statt.

Mayer sei überrascht, wie gut und schnell sich die Kinder an die Situation gewöhnt hätten. Auch die Eingewöhnung von Neuzugängen habe gut geklappt – auch wenn die Eltern wegen des Betretungsverbots nicht mehr mit in die Kita gehen dürfen. Hier falle ein lang herausgezogener Trennungsschmerz durch Abschiedsrituale weg. Und die Kinder seien unter anderem dadurch, dass die Eltern nicht beim Schuhe- und Jacke-Anziehen helfen könnten, selbstständiger geworden. „Das sind Lernprozesse auf beiden Seiten, die nach der Corona-Pandemie gut ausgewertet werden müssten“, so Mayer. Damit die berufstätigen Eltern – obwohl sie derzeit persönlich keinen Einblick in den Kita-Alltag bekommen könnten, dennoch mit einem guten Gefühl auf die Arbeit gehen und dass sich die Kinder in ihren Gruppen wohlfühlten, sei ein wichtiger Teil ihrer Arbeit.

Von Jasmin Jakob

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