Weltweit 2000 Städte

Hanau engagiert sich als „Fairtrade“-Stadt für gerechten Welthandel

Stolz auf die Auszeichnung Hanaus als Fairtrade Town sind (von links) Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, Stabsstellenleiterin Anja Zeller und Cliff Hollmann von der Steuerungsgruppe.
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Stolz auf die Auszeichnung Hanaus als Fairtrade Town sind (von links) Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, Stabsstellenleiterin Anja Zeller und Cliff Hollmann von der Steuerungsgruppe.

Eigentlich sollte es eine größere Feier im Kulturforum geben, doch die fiel Corona zum Opfer. Stattdessen wurde die erfreuliche Nachricht in Form einer Videobotschaft übermittelt: Hanau wurde in den Kreis der „Fairtrade Towns“, der Städte des fairen Handelns, aufgenommen.

Hanau - Als 712. bundesdeutsche Kommune hat sich die Brüder-Grimm-Stadt erfolgreich um das Siegel bemüht, das bescheinigt, dass Hanau den fairen Handel auf kommunaler Ebene fördert und damit einen Beitrag zu gerechteren Welthandelsbedingungen leistet. Weltweit gibt es bereits weit mehr als 2000 Städte, die sich den Zielen eines fairen Welthandels verschrieben haben.

Hanau will fairen Handel im Alltag sichtbar machen

Dieter Overath, Vorsitzender des Vereins Transfair Deutschland, der das Fairtrade-Siegel vergibt, lobt in seinem Videostatement, das auf der Website zu sehen ist, dass sich Hanau auf den Weg gemacht habe, das Thema fairer Handel im Alltag „sichtbarer zu machen“. Ebenso wie der Klimawandel sei globale Gerechtigkeit eine enorme Herausforderung für die gesamte Menschheit – und beides gehöre eng zusammen. „Denn“, so Overath, „unsere Partner im Süden können nur in Klimaanpassung investieren, wenn sie über den fairen Handel entsprechende Preise für ihre Produkte erzielen.“

Für Overath steht fest: „Wir können so nicht weitermachen.“ Junge Menschen in Afrika, Südamerika oder Asien könnten nicht weiter für einen Dollar Kaffeebohnen oder Bananen für die Menschen im reichen Norden ernten. Ausbeutung sei vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen ein „Auslaufmodell“.

Stadt Hanau muss für Fairtrade-Siegel bestimmte Kriterien erfüllen

Es bestehe eine „Schieflage“, wenn ein Kilo Bananen, das im 12 000 Kilometer entfernten Ecuador geerntet, per Schiff nach Deutschland transportiert wird und dann nach einem Reifeprozess in die Läden kommt, hier oft billiger sei als heimische Äpfel. Ähnliches könne man auch über Bekleidung sagen. Diese „Ausbeutung“ des globalen Südens in Bereichen wie Beschaffung, Handel und Gastronomie sichtbar zu machen, sei Aufgabe von Fairtrade-Städten wie Hanau.

Um das Siegel als „Fairtrade Town“ zu bekommen, musste Hanau mehrere Kriterien erfüllen. Neben dem politischen Bekenntnis zu den Zielen der Initiative in Form eines Stadtverordnetenbeschlusses, wurde eine Steuerungsgruppe gebildet, die den Bewerbungsprozess vorantrieb und lokale Aktivitäten organisiert. Darüber hinaus müssen in einer Stadt von der Größe Hanaus in mindestens 20 Einzelhandelsgeschäften und zehn Cafés jeweils mindestens zwei fair gehandelte Produkte angeboten werden.

Kirchengemeinden, Schulen und Vereine sollen an Aktionen teilnehmen

Darüber hinaus sollen auch Kirchengemeinden, Schulen, Vereine und andere Institutionen der Zivilgesellschaft in die Kampagne eingebunden werden. Und nicht zuletzt zählt eine offensive Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Anforderungen.

Hanau hat all diese Kriterien erfüllt. Unter www.faires.hanau.de kann man sich einen Überblick über die Angebote des fairen Handels in der Brüder-Grimm-Stadt verschaffen. Dabei geht es neben dem fairen Handel aber auch um Themen wie den plastikfreien Wochenmarkt, Repaircafés, Vermeidung von Plastikabfall im Alltag, Leihen statt Kaufen oder Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung.

Oberbürgermeister Kaminsky stolz auf Fairtrade-Siegel

Dass Hanau nun als 712. Kommune in Deutschland das Siegel als „Fairtrade Town“ bekommen hat, „macht uns stolz und fordert uns zugleich auf, in unseren Anstrengungen für die globale Gerechtigkeit nicht nachzulassen“, erklärte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Die entsprechende Urkunde werde gut sichtbar im Rathaus-Eingangsbereich aufgehängt, auch „als öffentliche Botschaft an Hanaus Bürgerinnen und Bürger, fair gehandelte Produkte zuweilen dem einen oder anderen Schnäppchen vorzuziehen“, appellierte Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck. Anja Zeller, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltige Strategien, dankte insbesondere der Steuerungsgruppe um Annette Gumbricht, Cliff Hollmann, Moritz Kühn und Dagmar Werth dafür, die Auszeichnung als Fairtrade-Stadt „mit viel Einsatz vorangetrieben zu haben“.

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