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Er steht wegen versuchtem Totschlags vor Gericht: 18-Jähriger hat bereits zehn Vorstrafen – Jetzt zeigt er Reue

26 Ermittlungsverfahren und zehn Vorstrafen hat der 18-Jährige in vier Jahren gesammelt.  
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26 Ermittlungsverfahren und zehn Vorstrafen hat der 18-Jährige in vier Jahren gesammelt. Archiv

Hanau – Das eigene Verbrechen auf Video zu sehen, hinterlässt offensichtlich einen bleibenden Eindruck. Der 18-Jährige, der einem wehrlos am Boden liegenden Mann nach einem Streit mit „voller Wucht“ gegen den Kopf getreten haben soll, bereut seine Tat. „Es tut mir wirklich von Herzen leid“, sagt K. am Mittwoch auf der Anklagebank der 2. Jugendkammer.

Künftig wolle er versuchen, nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Dabei weiß K. genau, wovon er spricht, denn mit seinen 18 Jahren ist er kein unbeschriebenes Blatt: Innerhalb von vier Jahren liefen bereits 26 Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten – eine bunte Mischung aus Diebstählen, Sachbeschädigung, Fahren ohne Führerschein bis hin zur gefährlichen Körperverletzung. Zehn Vorstrafen sind bereits im Bundeszentralregister vermerkt.

Schon im Kindergartenalter sei er verhaltensauffällig geworden, habe in der Schule mit Steinen auf Mitschüler geworfen haben – später auch mit dem Messer gedroht. Der von der Staatsanwaltschaft gegen ihn erhobene Vorwurf der versuchten Tötung habe ihn jedoch nachdenklich werden lassen.

Tat ereignete sich auf dem Freiheitsplatz in Hanau

Ereignet hatte sich die Tat in der Nacht zum 1. Februar auf dem Freiheitsplatz inmitten einer Gruppe feiernder Jugendlicher. Auf dem Überwachungsvideo, das vergangene Woche den sechs geladenen Augenzeugen wieder und wieder vorgespielt wurde, ist zu sehen, wie der Streit nach einer Party eskaliert. Nach einer kurzen Rangelei fliegen die Fäuste. Der erste Schlag geht von K.s Kontrahenten aus, verfehlt den 18-Jährigen. K. holt aus und schlägt seinem Kontrahenten ins Gesicht. Daraufhin wird der 32-Jährige bewusstlos und fällt zu Boden. Viermal schlägt K. mit der Faust weiter. Dann soll er – wie Zeugen berichten – dem wehrlos am Boden Liegenden gegen den Kopf getreten haben.

Noch in derselben Nacht habe sich K. bei Zeugen erkundigt, ob er den 32-Jährigen getötet habe. Wenig später wird er von der Polizei festgenommen und kommt wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Sein Kontrahent wird mit einer Gehirnerschütterung und mehreren Brüchen im Gesicht ins Krankenhaus eingeliefert. „Ich war selbst erschrocken über das, was ich da getan habe und habe in der Haft viel nachgedacht“, sagt der 18-Jährige. „Es war nie meine Absicht, eine Person so schwer zu verletzen oder zu töten.“

Hanau: Für Opfer bestand keine direkte Lebensgefahr

Am dritten Verhandlungstag bestätigt ein medizinisches Gutachten, dass für K.s Opfer zwar keine akute Lebensgefahr bestand, diese aber durch die Gewalteinwirkung auf den am Boden Liegenden durchaus in Kauf genommen worden sei.

Ob und inwiefern dem Angeklagten die möglichen Konsequenzen seines Handelns bewusst waren, ist die zentrale Frage am dritten Verhandlungstag. K., der sich bislang noch nicht selbst zur Tat geäußert hat, bestreitet eine Tötungsabsicht. Als sein Konkurrent nach ihm schlagen wollte, habe in seinem Kopf alles ausgesetzt. „In dem Moment hab ich nur noch schwarz gesehen“, sagt K. Er habe nur mit seinem Kontrahenten reden wollen.

Dass der 32-Jährige gleich gewalttätig wird, habe K. in seinem Stolz gekränkt. Für ihn sei es eine Frage des Respekts gewesen. Die Vorsitzende Richterin Dr. Katharina Jost hakt kritisch nach, vor allem, ob aufgrund der schweren Verletzungen des Opfers die Reue des Angeklagten glaubhaft ist. Doch der Angeklagte beteuert: „Diesmal habe ich wirklich gemerkt, dass Gewalt keine Lösung ist und ich mich aus diesen Sachen raushalten werde.“

Hanau: Angeklagter soll im Jugendgefängnis auffällig geworden sein

Der hinzugezogene psychologische Gutachter befürchtet jedoch, dass diese Beteuerung in der Realität nicht standhalten könnte. Denn erst kürzlich habe es einen weiteren Vorfall im Jugendgefängnis gegeben: Dort soll K. einem Mithäftling offen Gewalt angedroht haben. Mehrfach habe er zudem in der JVA gegen die Hausordnung verstoßen.

Um das Aussageverhalten der Augenzeugen einzuordnen, wird zum dritten Verhandlungstag der leitende Ermittler gehört.

Da mehrere Zeugen berichtet hatten, dass sie vor ihren Aussagen beeinflusst worden seien, wurde der Kriminalbeamte auch dazu befragt. Er hatte die Zeugen wenige Tage nach der Tat vernommen. In Bezug auf das Tatgeschehen hätten einzelne zwar zögerlich geantwortet – das habe er aber auf andere Ursachen zurückgeführt.

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