Corona-Panedmie

Erkältet in Corona-Zeiten: Redakteurin berichtet von ihren Zweifeln und Erfahrungen

Bitte mal „A“ sagen: Der Rachenabstrich ist nicht unbedingt angenehm, muss aber sein, wenn man sicher sein will, ob man an Corona erkrankt ist oder nicht.
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Bitte mal „A“ sagen: Der Rachenabstrich ist nicht unbedingt angenehm, muss aber sein, wenn man sicher sein will, ob man an Corona erkrankt ist oder nicht.

Schnupfen, Halsweh, leichte Kopfschmerzen. Alles Anzeichen einer Erkältung, wie sie normal ist für die Jahreszeit. Doch normal ist gerade nichts mehr zu Zeiten, da sich keiner mehr seiner bisher üblichen Verhaltensweisen und Umgangsformen sicher ist. Was früher als leichte Erkältung abgetan werden konnte, trägt heute den Stempel „Achtung, könnte Corona sein“. Kein Wunder, dass mir ein Stein vom Herzen fällt, als ich gestern mein Testergebnis in Händen halte: „negativ“.

Hanau – Meine Geschichte könnte die von unzähligen Menschen sein, die sich eine Erkältung eingefangen haben. Und die in der Folge nicht mehr sicher sind, wie sie damit umgehen sollen. Vorsichtshalber testen lassen? Das brächte Gesundheitsämter und Testzentren an den Rand des Kollapses. Ignorieren? Geht auch nicht. Schon deshalb, weil die Kollegen ebenfalls verunsichert sind.

Tags zuvor, an einem Montag, saß ich noch in der August-Schärttner-Halle bei der Stadtverordnetenversammlung. Am Tag, nachdem die Kollegen ihr „bleib uns bloß vom Leib“ ausgesprochen haben,, gehe ich ins Home Office. Der Hausarzt rät telefonisch, erst einmal abzuwarten. Wer fieberfrei sei, bei dem könnten sich die Symptome binnen einer Woche gelegt haben. Das heißt im Klartext, Außenkontakte vorsorglich meiden, auch dem Ehepartner nicht zu nah kommen, beim Kochen nicht immer wieder abschmecken (mit demselben Löffel) und möglichst nacheinander das Bad nutzen.

HA-Redakteurin fragte sich, ob es doch Corona sei

Das Krankheitsgefühl hält sich in Grenzen, aber die Halsschmerzen nehmen zu, nachts wache ich mit Schluckbeschwerden auf. Am Wochenende beginnt die Nase zu laufen, ab und zu kommt ein Hustenreiz dazu. Alles kein Grund, sich krankzumelden. Aber Grund genug, sich zu beunruhigen. Was, wenn es nun doch Corona ist? Vorsorglich lasse ich die Begegnungen und Termine er vergangenen Tage Revue passieren. Müssten im Falle einer Corona-Erkrankung alle Hanauer Stadtverordneten mitsamt dem Magistrat und Oberbürgermeister in Quarantäne oder getestet werden? Und was ist mit dem Treffen mit einer Freundin, bei dem wir auf Abstand in einer Eisdiele saßen? Oder mit dem Besuch beim Optiker vor zehn Tagen (mit Maske, versteht sich).

Das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die relevanten Kontakte vom Gesundheitsamt im direkten Austausch mit jedem Infizierten geklärt würden: „In der Regel gelten die 48 Stunden vor Symptombeginn als besonders relevanter Zeitraum.“

Als am Montag früh immer noch keine Besserung eingetreten ist, beschließe ich, mich testen zu lassen, und rufe beim Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises an. Das verweist mich an meinen Hausarzt, ob mit Symptomen oder ohne.

Kurzfristiger Termin zur Corona-Sprechstunde

Über die Corona-Warnapp muss man seinen QR- Code einscannen.

Dort bekomme ich am selben Vormittag einen kurzfristigen Termin: in der Zeit der Corona-Sprechstunde zwischen 10 und 12 Uhr. Die mit Maske, Mundschutz und Plexiglasscheibe geschützten Sprechstundenhilfen lesen mein Krankenkärtchen ein und schicken mich zum Warten in den Hof. Dort bringt mich der Anblick von acht weit voneinander entfernt stehenden Frauen und Männern mit Mundschutz zum Schmunzeln. Aufgerufen wird der jeweils Nächste von oben aus dem Fenster der Praxis.

Meinen langjährigen Hausarzt sehe ich zum ersten Mal in voller Schutzkleidung: Mundschutz, Visier, Plastiküberzug von oben bis unten. Er fragt nach meinen Symptomen. Die Fragen nach Fieber und dem Verlust von Geschmacks- oder Geruchssinn kann ich verneinen. Dennoch entschließt er sich – mit Rücksicht auf meinen Beruf, der mich häufig mit anderen Menschen zusammenbringt – zu einem Rachenabstrich.

Der rosa Zettel mit dem abgebildeten QR-Code ist mein Schlüssel zum Ergebnis. Über die Corona-App kann ich diesen Code scannen und erhalte darüber die Information über den Ausgang des Tests – voraussichtlich im Laufe des Dienstag, spätestens Mittwoch, sagt der Arzt. Wie zu erwarten, funktioniert das mit dem Scannen erst einmal nicht. Aber wozu hat Frau denn erwachsene Kinder. Die Tochter, selbst schon Erfahrungen in Sachen negativer Coronatest, schimpft über die mangelhaften Erklärungen auf der Corona-App. Man müsse in der App das grüne Kästchen „Niedriges Risiko“ anklicken und dann darunter das Stichwort Test. Danach öffne sich ein ‘Scanner, mit dem ich meinen QR-Code abscannen kann..

Testergebnis über die Corona-App

Sobald das Ergebnis vorliegt, wird es im eingescannten Code der App sichtbar.

Dank Nachhilfe funktioniert das Verfahren. Am nächsten Morgen, also gestern (6.10.2020) um acht Uhr, schaue ich zum ersten Mal nach – und danach im Halbstundenrhythmus immer wieder. Um 11.45 Uhr ist endlich die erfreuliche Botschaft da: „Ihr Befund: SARS-CoV-2, Negativ“. Mir fällt ein Stein vom Herzen, auch wenn ich nicht wirklich an eine Corona-Erkrankung geglaubt habe.

Das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises erklärt übrigens die Frage, welche Kontakte im Falle einer Infektion als gefährdet gegolten hätten, so: „Masken sorgen für einen höheren Schutz, ausreichender Abstand ebenfalls: Für diese Situationen würde man voraussichtlich keine Kategorie-1-Kontakte -– also engste Kontakte über einen längeren Zeitraum – annehmen. Das ist aber individuell zwischen dem Gesundheitsamt und dem jeweils Betroffenen zu klären, da es auch von weiteren Faktoren abhängen kann, zum Beispiel ob und wie gut der Innenraum belüftet war.“ Dasberuhigt.. Die Stadtverordnetenversammlung wäre dann schon mal raus gewesen.

Das Erinnerungsvermögen der Betroffenen ist laut Gesundheitsamt in der Regel gut. Die Betroffenen gingen ihre Tagesabläufe durch, Familie, Beruf, Hobbys, Feiern. Daraus ergäben sich Kontaktlisten. Teils müssten Listen auch angefordert werden, etwa von Vereinen oder aus Gaststätten.

„Quarantänebrecher gebe es wenige, auch wenn die Zahlen den vergangenen Wochen angestiegen sei. Mit zehn Verfahren, die eingeleitet wurden oder eingeleitet werden, rede man hier derzeit nicht von einem Massenphänomen. Gleichwohl könne das für jeden teuer werden. Es gehe immerhin um eine Straftat, die mit bis zu einem Jahr Haft geahndet werden könne.

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