Botschaft für die Bürotür

Evangelische Kirche und Stadt verteilen einen Teil der ersten 300 Türschilder „Offen für Vielfalt“

Am Johanneskirchplatz wurden die ersten Türschilder für die Aktion „Offen für Vielfalt“ verteilt.
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Am Johanneskirchplatz wurden die ersten Türschilder für die Aktion „Offen für Vielfalt“ verteilt.

Bereits kurz vor halb elf kamen die ersten Interessenten zum Johanneskirchplatz, um sich eines der Türschilder „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ zu sichern. Geschützt unter dem Pavillon des Café „Ellis“ hatten die Pfarrerinnen der Stadtkirchengemeinde Hanau, Katrin Kautz und Heike Mause, zwei Tische in gebührendem Abstand aufgestellt.

Hanau. Hier wurden vergangenen Samstagvormittag die Schilder an alle Bürger, die bei der Kampagne (wir berichteten) mitmachen wollen, gegen eine Unterschrift kostenlos abgegeben.

Unterstützt wurde das Team von Dekan Dr. Martin Lückhoff und Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar, die vom 19. Januar bis zum 19. Februar die Aktivitäten mit einer Facebook-Kampagne begleitet. Auf Initiative des evangelischen Kirchenkreises Hanau hatte die Landessynode der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) Mitte Januar den Beitritt zu der nordhessischen Initiative beschlossen. Mit der Mitgliedschaft bezieht die EKKW ei-ne klare Position für Toleranz und gegen Ausgrenzung. Auch der Magistrat der Stadt Hanau hat die Kooperation mit der Initiative beschlossen und beteiligt sich an der Kampagne.

Als sichtbares Zeichen aufhängen

„Wenige Tage, bevor sich der Terroranschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau das erste Mal jährt, setzt die Stadt Hanau ein weiteres sichtbares Zeichen gegen Gewalt, Extremismus, Ausgrenzung und Intoleranz und für ein friedliches Miteinander, für Vielfalt, Respekt und Toleranz“, hatte die Stadt erklärt.

Am Samstagvormittag wollen bereits Bürger die Türschild-Kampagne unterstützen. Auch wenn aufgrund des Dauerregens nicht alle 300 Türschilder verteilt wurden, so fuhren die Hanauer den Johanneskirchplatz der Evangelischen Stadtkirchengemeinde doch gezielt an. Viele hatten die Meldung im HANAUER ANZEIGER gelesen. Besonders glücklich war die ehemalige SPD-Fraktionschefin Cornelia Gasche, die schon dabei war, die Schildern selbst zu basteln. Sie brauchte ein Türschild für Zuhause und fürs Büro und nahm noch eins mit für Freunde und Verwandte. Helga Trommer-Schmidt kam aus Erlensee, um an der gemeinsamen Aktion teilzunehmen. Zu Fuß aus Steinheim hatte sich Christof Richter auf den Weg gemacht. Er sei Hausmeister an der Elisabeth-Schmitz-Schule, habe immer ein offenes Ohr für die Schüler. Er will dieses Schild als sichtbares Zeichen an seine Bürotür hängen, damit alle Kinder wüssten, sie seien willkommen.

Initiative bereits 2008 gegründet

Auch an den Türen einer Schwangerschaftsberatung, eines Hanauer Ortsgerichts und der Stadtwerke Hanau werden die Türschilder wohl bald zu sehen sein. Eine gute Aktion sei dies und wichtig, sie zu unterstützen. Eine junge Frau aus Langenselbold, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte, sie hole das Schild für die Einrichtung, in der sie arbeite. Vielfalt und Toleranz seien dort oft ein Thema. Eben im Gespräch mit Pfarrerin Mause habe sie mehr über die Initiative erfahren. Sie findet es sehr positiv, dass man sich miteinander vernetze. Auch sie wolle gerne mitmachen und vor allen auch weitergeben.

Bereits 2018 gründeten hessische Unternehmer und Wirtschaftsverbände die Initiative. Sie wollten nach den Gewalttätigkeiten Rechtsextremer in Chemnitz öffentlich ein Zeichen setzen für Respekt und gegen Rassismus. Nach der Ermordung Walter Lübckes und den Anschlägen in Halle und Hanau traten weitere Organisationen der Initiative bei, deren Symbol das zweiseitige Türschild ist. Michael Sasse, Sprecher der Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ aus Kassel sagt: „Im Gedenken an die Opfer des kaltblütigen Anschlags von Hanau möchten wir als Initiative uns solidarisch zeigen. Mit den Türschildern kann jeder trotz der momentan notwendigen Kontaktbeschränkungen in der ganzen Stadt erkennbar machen: In Hanau und in unserer gesamten Gesellschaft ist kein Platz für rechte Hetze und Gewalt.“ Großformatige Banner, wie bereits an der Alten Johanneskirche zu sehen, sollen an Plätzen der Stadt angebracht werden. Auch weiterhin stehen für Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und Einrichtungen kostenlos die etwa DIN-A5-großen Schilder kostenlos zu Verfügung.

Schilder bestellen

Sobald die Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen dürfen, können Hanauer die Türschilder an zahlreichen Stellen kostenlos erhalten. Bereits vorab ist eine Bestellung per E-Mail an fachstelle.vielfalt@hanau.de oder kontakt@offenfuervielfalt.de möglich. Telefonisch ist eine Bestellung montags und mittwochs zwischen 9 und 16 Uhr unter 06181 295891 möglich. (Von Ulrike Pongratz)

Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“

Im Spätsommer 2018 wurden in Chemnitz Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder ihres Einsatzes für Demokratie zu Zielscheiben. Die Medien sprachen von „Hetzjagden“, schockierende Videos waren zu sehen. Gemeinsam wollten fünf in Kassel ansässige Unternehmen im Oktober 2018 mehr als sich empören und ein klares Zeichen für ein vielfältiges Miteinander setzen. Zeigen, dass sie sich Werten wie Respekt, Toleranz und Dialogbereitschaft verpflichtet fühlen – und dass Wirtschaftsunternehmen diese Vielfalt brauchen und davon profitieren. Gemeinsam starteten sie die Initiative „Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen Ausgrenzung“ in Nordhessen. Mit steigender Tendenz versammeln sich aktuell mehr als 30 Unternehmen und Organisationen, darunter wissenschaftliche Institutionen und Bundesligavereine, als Partner unter dem Dach der Initiative. Sie bündeln ihre Kräfte und nutzen gemeinsam Netzwerke. » offenfuervielfalt.de

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