Wohltätigkeit

(Ex-)Pförtner mit Spendierhosen: Weshalb ein Klinikumangestellter dem Frauenhaus fast 20 000 Euro schenkt

Zum ersten Mal in seiner Geschichte erhält das Frauenhaus Hanau, hier vertreten durch Jutta Müller (rechts vorn) und Andrea Laus (hinten Mitte) einen so üppigen Betrag, wie ihn Bernd Emmrich gespendet hat (vorne). Im Hintergrund sind Geschäftsführer des Klinikums Hanau, Volkmar Bölke (links) zu sehen und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck.
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Zum ersten Mal in seiner Geschichte erhält das Frauenhaus Hanau, hier vertreten durch Jutta Müller (rechts vorn) und Andrea Laus (hinten Mitte) einen so üppigen Betrag, wie ihn Bernd Emmerich gespendet hat (vorne). Im Hintergrund sind Geschäftsführer des Klinikums Hanau, Volkmar Bölke (links) zu sehen und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck.

Dass Unternehmen größere Summen spenden, ist das Team des Frauenhauses schon gewöhnt. Jetzt aber fielen Jutta Müller, Andrea Laus und ihre Kolleginen aus allen Wolken: Zum ersten Mal in der Geschichte der Einrichtung lässt ein Privatmann dem Frauenhaus ein kleines Vermögen zukommen. Bernd Emmerich, die gute Seele des Klinikums Hanau, spendet den Betrag von 18 920,20 Euro.

Hanau – Mit einem verschmitzten Lachen im Gesicht erklärt er bei einem Termin im Frauenhaus, wie er auf diese krumme Zahl kam: Der auf den 18. September terminierte Hanauer Frauenlauf finde in diesem Jahr ebenso wenig in der gewohnten Form statt, wie viele andere Veranstaltungen, aus denen üblicherweise Spenden an das Frauenhaus flossen. „Da soll meine Spende ein kleiner Ausgleich sein“, sagt der 1,90-Mann.

Der Mann der Tat, der da im „Konferenzzimmer“ des Frauenhauses sitzt, wird am Hanauer Klinikum, so lässt Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck als Vertreterin der Stadt wissen, als „Kümmerer“ geschätzt. Und auch der Geschäftsführer des kommunalen Krankenhauses, Volkmar Bölke, lobt den 62-Jährigen als einen bemerkenswerten Menschen, der in der mittlerweile hochtechnisierten und schnellatmigen Welt für Menschlichkeit sorge.

Ehemaliger Pförtner des Klinikum Hanau kümmert sich um die Menschen

Emmerich, den viele noch als Pförtner des Klinikums kennen – denn als solcher hatte der Mitarbeiter im städtischen Fuhrpark nach einem schweren Unfall im November 1995 begonnen – ist heute als Teamleiter und Beauftragter für Service und Sicherheit in dem großen Krankenhaus beschäftigt. Und in dieser Funktion sieht er das, was „sonst keiner sieht“. Meist steht er im Eingangsbereich des Klinikums und begleitet Gehandicappte, prominente Besucher oder einfach Menschen, die Orientierung brauchen zu ihrem Ziel. Das, was einst die „Hauswirtschaftsdame“ in einem Krankenhaus tat, macht sich heute Emmerich zur Aufgabe. Wird jemand als Notfall eingeliefert und hat weder Kleidung dabei, noch Angehörige, die sich um ihn kümmern, kauft der Kümmerer schon mal auf eigene Rechnung Hose, Hemd und Unterwäsche, damit der Betroffene nicht in einem Hemd entlassen wird, „so was wäre wirklich unwürdig“.

Er kann großzügig sein, weil er bodenständig und bescheiden lebt – der Angestellte des Klinikums Hanau, Bernd Emmerich.

Man mag es kaum glauben, aber er versichert, dass ihm ein Dankeschön reicht, wenn er sich so für die Patienten einsetzt. „Für mich ist ein Mensch ein Mensch“, sagt Emmerich, der sich als überzeugten Sozialdemokraten bezeichnet. Da scheint nur folgerichtig, dass er anders als die, die in Steine investieren, sein Geld lieber für soziale Projekte weggeben will. Das Klinikum stand sonst auf der Spendenliste des alleinstehend lebenden Mannes, der sich als sehr sparsam, bodenständig und Menschen ohne große Ansprüche beschreibt. Seine Liebe zur Musik und zu Büchern koste kein Vermögen, auch wenn er zahlreiche Werke von Anselm Grün gelesen hat und sie als Kraft- und Inspirationsquelle bezeichnet.

Hanau: Emmrich wollte gezielt etwas für das Frauenhaus tun

Bisher hat Emmerich sein Geld gerne weggegeben für Projekte im Klinikum wie den Verein Sterntaler oder die Anschaffung von Bildern für die onkologische Station. Jetzt aber, nachdem er schon so häufig miterlebt habe, wie die Polizei nach Einsätzen wegen häuslicher Gewalt Frauen ins Frauenhaus brachte, habe er gezielt etwas für diese Zuflucht für die Frauen tun wollen, die eine so wichtige Aufgabe erfülle. Den letzten Anstoß habe ein Artikel in unserer Zeitung über einen Besuch der SPD Hanau im Frauenhaus gegeben.

Für die Einrichtung, die noch nie eine so große Summe von einem Privatmann erhielt, kommt die Spende genau richtig: Corona bedinge auch für ihr Team eine Ausnahmesituation. Damit sich die Zuflucht suchenden Frauen und Kinder nicht zu nah kämen, mussten zwei Notwohnungen angemietet werden, wobei die Baugesellschaft unterstützte.

Bernd Emmerich freut sich, dass er helfen kann. „Hanau ist eine tolle Stadt, die sich gut um ihre Menschen kümmert“, findet er. Er selbst ist noch in Kahl zu Hause und pendelt seit Jahren. „Ich halte schon immer Ausschau und hoffe, dass ich eines Tages etwas Bezahlbares finde, damit ich am Ende auch noch ein richtiger Hanauer werden kann!“

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