Professor Dr. Anke Weidenkaff leitet nicht nur das Fraunhofer IWKS

Expertin aus Hanau nach Berlin berufen

Ist nun regelmäßig auch in Berlin: Professor Dr. Anke Weidenkaff, Leiterin des Fraunhofer IWKS in Hanau, wurde kürzlich in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung berufen.
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Ist nun regelmäßig auch in Berlin: Professor Dr. Anke Weidenkaff, Leiterin des Fraunhofer IWKS in Hanau, wurde kürzlich in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung berufen.

Sie ist Wissenschaftlerin durch und durch. Wo andere vor schwierigen Problemen zurückschrecken, fängt für Professor Doktor Anke Weidenkaff der Spaß erst an. „Ich suche die Herausforderung“, sagt sie ohne Umschweife. Und ambitionierte Aufgaben hat die Leiterin der Hanauer Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie (IWKS) in ihrer wissenschaftlichen Karriere bereits viele erfolgreich gemeistert. Jetzt folgt die nächste.

Hanau/Berlin – Das Know-how der Materialtechnik-Expertin wird nicht nur in Wissenschaftskreisen geschätzt und gesucht. Kürzlich wurde die 54-Jährige in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ und in das Kuratorium der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) nach Berlin berufen.

Diese Tätigkeit unter Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist zunächst für die Dauer von vier Jahren angelegt. „Das ist eine große Auszeichnung“, freut sich Weidenkaff über die Berufung, „und das Thema ist sehr wichtig.“ Hintergrund ist die Verabschiedung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und des Ressourceneffizienzprogramms durch die Bundesregierung, die damit eine Erhöhung der Rohstoff- und Materialeffizienz anstrebt. Im weitesten Sinne geht es also um Nachhaltigkeit.

Die globalen Veränderungen im Klima seien schließlich mittlerweile überall sichtbar, so Weidenkaff. Darum sei die interdisziplinäre Arbeit im Kuratorium ein guter Ansatz, um übergeordnete Ergebnisse zu erzielen und der Bundesregierung Maßnahmen vorschlagen zu können. Dazu wird sie regelmäßig, aber mindestens einmal jeden Monat für zwei Tage, in Berlin an Gremien und Ausschüssen teilnehmen.

„Die Transformation startet jetzt.“

Neben Weidenkaff, die das Fraunhofer IWKS seit 2018 leitet, wurden acht weitere Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in das Kuratorium berufen, jeder mit besonderen Schwerpunkten und Expertisen.

Weidenkaff ist Chemikerin und Materialwissenschaftlerin. Sie sagt, dass der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft eine immense Transformation bedeute. „Und diese Transformation bedarf der Materialwissenschaft.“ Ziel sei schließlich, im Jahr 2030 kohlenstoff-neutral zu wirtschaften. „Die Transformation startet jetzt.“ Es gelte nun, neue Technologien schnell in neue Produkte umzusetzen.

Weidenkaff kann auf eine große Erfahrung in herausragenden Positionen bauen, ihre wissenschaftliche Karriere hat die gebürtige Hannoveranerin schon an viele Stationen geführt. Bevor sie nach Hanau ans Fraunhofer IWKS kam, leitete sie an der Universität Stuttgart das Institut für Materialwissenschaft und hatte den Lehrstuhl für Chemische Materialsynthese am Institut für Materialwissenschaft inne.

Mit ihrem Gang nach Hanau wurde sie an die Technische Universität Darmstadt berufen. Dort entstand unter ihrer Leitung das neue Fachgebiet „Materialchemie/Werkstofftechnik und Ressourcenmanagement“.

Sie hat unter anderem in Kiel Chemie studiert, im schweizerischen Zürich promoviert. Und schon immer hat sie an Recycling-Themen gearbeitet, beispielsweise dem Recycling von Autoreifen. An nachhaltiger Energiegewinnung forscht und arbeitet Weidenkaff ebenfalls seit vielen Jahren, etwa im Bereich der Solar-Chemie. „Auch Wasserstoff war schon damals eines meiner Themen“, sagt sie im Hinblick auf die aktuellen Forschungen und Projekte mit Wasserstoff als ressourcenschonendem Energieträger. Schließlich wechselt sie vom Chemiebereich zur Materialwissenschaft und sagt heute, dass ihr Fachwissen und diverse Forschungspreise in Festkörperchemie und nachhaltigen Energietechnologien hier sehr essenziell und komplementär im Fachbereich ist.

74 Fraunhofer-Institute, aber nur 6 mit weiblicher Leitung

Anke Weidenkaff strahlt ein natürliches, fast entspanntes Selbstbewusstsein aus. Dabei ist sie als erfolgreiche Frau im Wissenschaftsbereich immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Von den 74 Fraunhofer-Instituten werden nur sechs von Frauen geleitet. Frauen seien andere Teamplayer als Männer, sagt sie. Der weibliche Führungsstil sei anders, häufig stärker geprägt durch eine empathische Kommunikation und anderer Kollegialität, die zu mehr Miteinander als Gegeneinander führen könne.

Was der Schlüssel ihres Erfolges ist? „Man muss sich bewusst entscheiden, sehr viel Energie und Zeit einzusetzen“, sagt sie. Für sie ist die Wissenschaft mehr als ein Beruf, anders wäre ihre Arbeit an drei Standorten nicht denkbar. Als Leiterin des Fraunhofer IWKS in Hanau und Alzenau sowie an ihrem Lehrstuhl in Darmstadt hat sie von Montag bis Freitag alle Hände voll zu tun.

Ihren Rückzugsort findet sie auf einem über 150 Jahre alten Bauernhof in den Schweizer Bergen, wo sie mit ihrem Mann, einem Schweizer, lebt. Wenn sie freitags im ICE von Hanau nach Interlaken sitzt, freut sie sich auf die idyllische Natur inmitten von Kuhweiden, abseits von Technikum und Schreibtischarbeit.

Auch wenn Weidenkaff aufgrund ihrer Leitungsfunktionen nicht mehr viel selber forscht, die Arbeit im Labor fehlt ihr sehr. Umso wichtiger sind ihr die Gespräche mit ihren Doktoranden, die sie betreut. „Die Stunde null eines neuen Materials erleben zu können, das ist fantastisch, das treibt mich an.“ Ebenso wie das stetige Streben nach neuen Erkenntnissen. Die besten Momente in ihrer Karriere seien die gewesen, in denen sie etwas Neues verstanden hätte oder einen Durchbruch bei einem Problem hatte. „Als Forscher lernt man ständig dazu, jeden Tag gibt es eine Erkenntnis.“ Ihr Rat an junge Wissenschaftler lautet darum, sich ständig interdisziplinär weiterzubilden, sich nicht in einem Elfenbeinturm zu verschließen.

Genau diese interdisziplinäre Arbeit wird sie nun im Beirat leisten. Sie will sich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft einbringen und hofft, dass der Beirat dazu ein umfangreiches Gutachten erarbeiten kann. Die Wissenschaftlerin meint: „Die Themen Klimawandel und Kohlenstoffneutralität sind stark miteinander verknüpft und müssen gemeinsam betrachtet werden.“ Und die offene Professorin mit dem aufmerksamen Blick ist sich sicher, dass es technologische Lösungen geben wird. Die Herausforderung, bei der Suche nach diesen Lösungen zu helfen, nimmt sie gerne an. (Von Monica Bielesch)

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