Ein Selbstversuch

Bei Familienbildungsstätte wird Gehen auf hohen Absätzen geübt

Hanau - Das richtige und selbstbewusste Gehen auf High Heels will ein Kurs der katholischen Familienbildungsstätte Hanau vermitteln – „genau das Richtige für mich“, dachte sich unsere Mitarbeiterin Tatjana Döbert und startete einen Selbstversuch. Hier schildert sie, wie es ihr dabei ergangen ist. Von Tatjana Döbert 

Zwar habe ich fast für jeden Wochentag ein anderes Paar Sneaker im Schrank, doch die Schuhe mit hohem Absatz setzen Staub an. Denn das Gehen darin sieht bei mir eher wie stolpern aus. Dabei wären High Heels für mich doch so praktisch, denn ich bin nicht die Größte, da könnte man schon ein paar Zentimeter hinzu schummeln. Ich hoffe, dass der Kurs bei Modedesignerin Semiha Bähr mir da helfen kann. Die anderen Teilnehmerinnen und ich sind schon gespannt. Erste Lektion: Barfuß-Gehen. Denn beim Gehen in High Heels, so erfahren wir, ist eines besonders wichtig: Die richtige Haltung. Bauch einziehen, Schultern zurück, Kopf hoch, immer einen Fuß vor den anderen setzen, von der Ferse her abrollen und dabei ganz natürlich wirken – gar nicht so einfach.

„Mit der richtigen Haltung kann man auch noch mit 80 High Heels tragen“, versichert Semiha Bähr. Wenn man sich einmal an die Haltung gewöhnt habe, mache man das automatisch. Das scheint bei ihr der Fall zu sein, denn sie trägt von uns allen die mit Abstand höchsten Schuhe. „In flachen Schuhen kann ich schon gar nicht mehr laufen,“ versichert sie. Hohe Schuhe habe sie schon fast immer getragen. Als Modedesignerin sei das korrekte Gehen in High Heels schon fast Pflicht. Weil sie aber um die Probleme vieler Frauen mit hohen Absätze wisse, biete sie diesen Kurs an.

Nachdem wir alle eine Weile streng auf unsere Haltung achtend durch den Raum geschritten sind, bekommt jede von uns einen Tennisball. Den müssen wir uns zwischen die Oberschenkel klemmen und damit laufen. Das macht das Ganze noch schwieriger. Nun muss ich nicht nur auf meine Haltung achten, sondern auch darauf, dass der Ball nicht herunter fällt. Das erfordert echte Konzentrationsarbeit. Angestrengt setze ich einen Fuß vor den anderen und habe andauernd das Gefühl, den Ball zu verlieren. Hinweis der Kursleiterin: Ich laufe zu steif und soll die Arme mehr bewegen. Beim nächsten Mal klappt es schon besser.

Nun müssen wir mit den Zehen einen Stift vom Boden aufheben. Klingt simpel, ist aber gar nicht so einfach: Die Nylonstrumpfhose verhindern, dass ich den Stift richtig greifen kann. Aber das geht den anderen auch so. Die Beweglichkeit der Zehen sei beim Tragen hoher Schuhe besonders wichtig. „Wenn Ihr die Zehen überhaupt nicht bewegen könnt, ist der Schuh zu eng. Wenn Ihr sie zu viel bewegen könnt, ist er zu groß“, erklärt Bähr.

Die letzte schuhlose Übung besteht darin, noch einmal durch den Raum zu laufen – allerdings mit einem Buch auf dem Kopf. Das darf natürlich auch nicht herunterfallen. Endlich eine Aufgabe, die mir auf Anhieb gelingt. Anscheinend habe ich zumindest fürs Bücher balancieren auf dem Kopf Talent. Fragt sich nur, wozu das gut ist.

Zeigt her eure Beine! So lassen sich Leggins gut kombinieren

Jetzt erstmal Pause. Kursleiterin Bähr nutzt sie, um mich zu vermessen. Wie hoch dürfen die Schuhe maximal sein, die ich tragen kann? Dazu muss ich mich auf die Zehenspitzen stellen. „Wie beim Ballett“, sagt Bähr, während sie den Abstand vom Boden bis zu meiner Fußsohle misst. Elf Zentimeter sind es bei mir. In höheren Schuhen könne ich keinesfalls laufen, meint sie. Dabei tue ich mir schon in weitaus flacheren Schuhen schwer.

Nach der Pause ziehen wir unsere mitgebrachten Schuhe an und wiederholen das Training. Diesmal auf hohen Absätzen. Den Ball zwischen den Oberschenkeln zu halten und das Buch auf dem Kopf nicht zu verlieren, wird dadurch nicht gerade einfacher. Und dabei Haltung bewahren und nicht zu steif laufen. Wer hätte gedacht, dass Gehen so kompliziert sein kann? Wenigstens habe ich das Gefühl, mich ein wenig zu verbessern, auch wenn noch nicht alles perfekt aussieht.

Für heute ist der Kurs beendet. Doch mein Ehrgeiz ist geweckt. Die hohen Schuhe bleiben erstmal an – zumindest heute. Wie das Ganze nach dem ersten Muskelkater aussieht, steht auf einem anderen Blatt.

Rubriklistenbild: © p

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare