Corona-Pandemie

Fastnachter müssen zweite Absage verkraften: Sitzungen, Rathaussturm und Umzüge fallen aus

Auch der Pinguin des Carneval-Clubs Schwarz-Weiß Steinheim (CCSW) muss Corona Tribut zollen.
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Auch der Pinguin des Carneval-Clubs Schwarz-Weiß Steinheim (CCSW) muss Corona Tribut zollen.

Zum zweiten Mal in Folge werden die Hanauer Karnevalisten arg gebeutelt: Nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar war die Kampagne abgebrochen worden. Und nun ist das eingetreten, was schon seit geraumer Zeit erwartet wurde: Die großen Saalveranstaltungen, Sitzungen und die Fastnachtsumzüge in der Kampagne 2020/21 werden gestrichen – corona-bedingt.

Hanau – Zuletzt hatten bereits die Hanauer Geeleriebe und die 1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft ihre Sitzungen abgesagt. Gestern (15. September 2020) kam zunächst die Absage vom Carneval-Club Schwarz-Weiß (CCSW) Steinheim, ehe wenig später der städtische Pressedienst die allgemeine Absage meldete. Vorausgegangen war am Montagabend eine Zusammenkunft der Interessenvertretung der Hanauer Karnevalsvereine mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Im kommenden Jahr wird keinerlei Saalfasching stattfinden“, wird Heiko Lipke (1. Steinheimer Karnevalsgesellschaft) als Sprecher der Interessenvertretung zitiert.

Neben den Sitzungen sind aber auch der traditionelle Rathaussturm sowie die Fastnachtsumzüge in der Kernstadt und in den Stadtteilen gestrichen. Normalerweise gibt es in der Brüder-Grimm-Stadt fünf Umzüge: in der Kernstadt, in Klein-Auheim, Großauheim, im Tümpelgarten und in Mittelbuchen. Aber auch den Saalfasching für Kinder wird es nicht geben, wie beispielsweise die CCSW-Kinderfastnacht.

Die Karnevalsvereine aus Hanau hätten sich schnell auf eine Lösung verständigt

Die Karnevalsvereine hätten sich bei dem Treffen schnell auf die Regelung verständigt, berichtet OB Kaminsky und zeigte sich zugleich beeindruckt von dem Gemeinsinn und dem Willen, der Herausforderung solidarisch zu begegnen. „Natürlich hat jeder Verein auch die eigenen Interessen im Blick, aber unter diesen schwierigen Bedingungen überwog deutlich die Bereitschaft, eine gute Lösung für alle zu finden.“ Es sei ihm sehr wohl bewusst, dass es die Hanauer Karnevalsvereine nach dem abrupten Ende der Kampagne 2019/2020 durch das rassistische Attentat am 19. Februar jetzt besonders hart treffe, wenn wegen Corona eine weitere Saison abgesagt werden müsse. Deshalb setze die Stadt alles daran, bestmögliche Bedingungen im Rahmen des Möglichen zu schaffen, und die Vereine dabei zu unterstützen, diese zu nutzen.

Wie berichtet, wurde in Karnevalisten-Kreisen bereits Möglichkeiten erörtert, eine gemeinsame Sitzung aller Vereine zu veranstalten. Auch OB Kaminsky sagte bei der Zusammenkunft, dass über eine einmalige gemeinsame Sitzung nachgedacht werde, die im Amphitheater oder im Congress-Park unter Coronabedingungen mit 249 Zuschauern stattfinden könnte. Die Veranstaltung könnte nach Vorbild der Konzert-Reihe „Hanau daheim“ auch im Internet übertragen werden. Sollte das Infektionsgeschehen eine Live-Veranstaltung mit Publikum nicht zulassen, könnte die Sitzung im Comeodienhaus Wilhelmsbad stattfinden, um von dort aus gestreamt zu werden. Die Vereine wollen die Überlegungen nun vertiefen, so deren Sprecher Heiko Lipke. Auch Sascha Feldes vom Carneval-Verein (CV) Klein-Auheim sagte, man werde das „nun in die Vereine tragen.“

Der Ausfall der diesjährigen und der kommenden Kampagne trifft die Karnevalsvereine auch finanziell hart. Einnahmen aus den Veranstaltungen, aber auch aus andern Festen bleiben weiter aus, weil alles abgesagt werden musste. Allein den CV-Klein-Auheim muss laut Feldes einen Fehlbetrag von 20  000 Euro verkraften.

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