Fertigstellung der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde

Moschee auf Ex-Aldi-Gelände: Bau als Ausdruck von Toleranz

+
Noch prägen Bauarbeiten das Bild der Bait-ul-Wahid-Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde. Dies soll sich bis zur Eröffnung ändern.

Hanau - Der Bau der Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde am Hafen steht kurz vor dem Abschluss. Am kommenden Mittwoch wird das Gotteshaus mit den zwei Minaretten eröffnet. Von Steffen Müller 

Der Weg der Fertigstellung zeigt beispielhaft, wie durch Toleranz, Zuhören und Miteinander Probleme beseitigt werden konnten. Noch prägen Baugerüste, Farbeimer und Staub das Bild rund um das ehemalige Aldi-Gelände an der Hafenstraße. Doch dies soll sich bis spätestens Mittwoch ändern. Dann eröffnet die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde Hanau feierlich ihre Moschee. „Wir gehen davon aus, dass bis dahin alles fertig ist“, hofft Mubarik Shahid, der stellvertretende Vorsitzende der Glaubensgemeinde.

Denn zu der Eröffnungsfeier haben sich nicht nur Mitglieder der Gemeinde angekündigt, sondern auch ranghohe Politiker aus der Stadt und dem Kreis. Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky wird kommen. Dass auf die Einladung so viele Zusagen erfolgten, freut Mubarik Shahid besonders. Dies zeige, dass die Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde in Hanau akzeptiert sei. Ohnehin sei Hanau eine „sehr tolerante Stadt mit offenen Herzen.“

Mittlerweile seien die Probleme ausgeräumt

Als die Baupläne für die Moschee im Juni 2013 bei der Stadt eingereicht wurden, regte sich in der Bevölkerung nur vereinzelt Widerstand. Mit zwei kritischen Bürgern, die mit einer Unterschriftenaktion gegen den Bau der Moschee vorgingen, setzten sich Vertreter der Stadt und der Ahmadiyya-Gemeinde an einen Tisch, um über Bedenken zu reden. Mittlerweile seien die Probleme ausgeräumt und stattdessen ein gegenseitiges Verständnis entstanden, so Shahid, der nachvollziehen konnte, dass es einige Zweifel gab.

Genauso tolerant wie die Stadt Hanau traten auch die Ahmadi-Muslime als Gesprächspartner auf und zeigten sich zu Kompromissen bereit. Zwar ist die Moschee die erste in Hanau mit Minaretten, doch die zwei zwölf Meter hohen Türme sind deutlich kleiner als bei anderen Moscheen. Auch auf Lautsprecher, die die Gebete des Imam nach draußen übertragen, wurde verzichtet.

Integration und friedliches Miteinander

Dafür wurde im Inneren der Moschee neben zwei Gebetsräumen, Büros und einer Bibliothek auch ein Multifunktionsraum eingerichtet, der für interreligiöse Veranstaltungen genutzt werden soll und als Kulturzentrum dient. Dass die Ahmadiyya-Gemeinde auf Integration und ein friedliches Miteinander setzt, wird durch einen Schriftzug and der Wand des Multifunktionsraum deutlich. „Liebe für alle, Hass für keinen“ steht dort auf Deutsch unübersehbar geschrieben. Auch mit den Freitagsgebeten, die auf Deutsch stattfinden sollen, liefern die Ahmadi-Muslime ein klares Bekenntnis zu ihrer Wahlheimat.

Rund 200 Mitglieder aus Hanau zählt die Ahmadiyya-Gemeinde, dazu kommen noch etwa 100 Gläubige aus der Region. Durch die neue Moschee mit Namen „Bait-ul-Wahid“ - übersetzt „Haus des Einzigartigen“ - vereinfacht sich das religiöse Leben der Muslime. „Bisher hatten wir in der Stresemannstraße nur einen Gebetsraum“, erklärt Shahid. Da Männer und Frauen getrennt beten, sei dies in organisatorischer Hinsicht nicht immer einfach gewesen. Dank der zwei getrennten Gebetsräume im ehemaligen Aldi-Supermarkt können Männer und Frauen nun zeitgleich zu ihrem Gott sprechen.

Lammert: Imame in Deutschland sollen Deutsch sprechen

Bis es soweit ist, könnte es aber noch etwas dauern. Noch fehlt die Nutzungsgenehmigung für die Räumlichkeiten. Für die Eröffnung wird dies aber kein Hindernis sein. Schließlich geht es bei den Feierlichkeiten am Mittwoch nicht nur um die Einweihung der Moschee, sondern auch um eine Veranstaltung für Toleranz und ein friedliches Miteinander. Der lange Prozess bis zur Fertigstellung der Bait-ul-Wahid-Moschee hat gezeigt, dass dies in Hanau bereits sehr gut gelingt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion