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Erst desinfizieren, dann pumpen: So wird in Zeiten von Corona in Fitnessstudios trainiert

Fitnessstudios in Hessen dürfen nach den Corona-Lockerungen wieder öffnen. In einem Studio in Hanau (Main-Kinzig-Kreis) sind Betreiber und Trainierende erleichtert. Sie äußern aber auch Kritik.

  • Fitnessstudios in Hessen dürfen wieder öffnen
  • Betreiber und Trainierende in Hanau haben die Wiedereröffnung herbeigesehnt 
  • Die strengen Hygiene- und Abstandsregeln stoßen auf Kritik

Hanau – Viele Wochen waren die Fitnessstudios gesperrt. Corona hat auch hier eine beachtliche Schneise in den Alltag der Studios geschlagen und die Trainingseifrigen haben unter dem Entzug gelitten.

Nun dürfen sie wieder trainieren – natürlich unter strengen Auflagen, denn auch im Gym müssen Abstandsregeln und Desinfektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden.

Corona: Desinfektionsmittel überall im Fitnessstudio

Dass man auf den Handschlag mit dem Studio-Kumpel verzichten muss, sollte klar sein, auch, dass beim Training mindestens zwei Meter Abstand zwischen den Trainierenden sein sollte.

Wer an den Geräten trainiert, findet im Studio überall, auch im Hantelbereich, Desinfektionsmittel. Bei jedem Gerätewechsel sollten die Handgriffe und alle Flächen, die bei der jeweiligen Station mit den Händen berührt wurden, mit dem Desinfektionsmittel eingesprüht werden und einen Moment einwirken.

Eigenes Handtuch im Fitnessstudio ist Pflicht

Anschließend werden die zu berührenden Flächen mit den vorgesehenen Einmal-Papiertüchern abgewischt. Dass man sein eigenes, sauberes Handtuch dabei hat und es an allen Stationen im Studio benutzt, um den eigenen Schweiß aufzufangen, ist selbstverständlich.

Jetzt trägt es aber ebenfalls dazu bei, das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Duschen und Umziehen in den Umkleideräumen war vergangene Woche noch untersagt.

Fitnessstudio in Hanau: Kunden muss sich schriftlich eintragen

So gehen Betreiber und Trainierende in einem Hanauer Fitnessstudio mit der momentanen Situation um. Bereits am Eingang erwartet die Besucher ein großer Desinfektionsspender: „Wir achten peinlich darauf, dass die vorgegebenen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Auch müssen sich die Kunden beim Kommen ein- und beim Gehen wieder schriftlich austragen."

Aber nur Namen und Uhrzeit: „Wir haben ja die Adressen unserer Kunden, somit können wir gegebenenfalls reagieren“, so der Betreiber.

Fitnessstudio in Hanau hat Corona-Pause genutzt

Für ihn war es keine einfache Zeit, den Trainingsbetrieb rund acht Wochen ruhen lassen zu müssen, aber er hat die Zeit genutzt: „Wir haben Reparaturen im und am Gebäude vorgenommen, die Geräte alle in Ruhe gewartet. Das war der positive Effekt der trainingsfreien Zeit“. 

Der Betreiber ist schon lange im Geschäft. Sein Studio hat er bereits seit 25 Jahren und auch eine treue Stammkundschaft.

Nur wenige Kündigungen bei Fitnessstudio in Hanau

Seine Mitglieder waren größtenteils verständnisvoll, auch wenn es ein paar Kündigungen gab. „Die haben sich aber im Rahmen gehalten“, sagt er. Diejenigen, die gegangen sind, haben seiner Meinung nach auch nicht wirklich zum festen Stamm gehört und haben auch nicht wirklich in sein Studio gepasst.

Für ihn war es keine große Umstellung nach der Wiedereröffnung vor zwei Wochen. „Handtücher und Hygiene waren schon immer ein Muss bei uns. Neu ist die Tatsache, dass überall Desinfektionsspender stehen und die Geräte nach jedem Wechsel desinfiziert werden müssen."

Hanauer Fitnessstudio kämpft mit weniger Einnahmen wegen Corona-Maßnahmen

Für ihn ist eher eine andere Situation ärgerlich: „Wir durften zwar aufmachen, haben aber geminderte Einnahmen, da wir keine offenen Getränke wie Wasser, Shakes, Kaffee, Mineraldrinks oder Säfte ausschenken dürfen“, schildert er.

Das mache einen erheblichen Teil seiner Einnahmen aus. Die Ausgaben für Hygienemaßnahmen seien um rund 300 Euro im Monat gestiegen.

Fitnessstudio in Hanau: Zweifel an strengen Corona-Maßnahmen

Für den Studiobetreiber ist es fraglich, ob es eine sinnvolle Maßnahme ist, sich nicht umziehen oder duschen zu dürfen. Er habe in den Kabinen genug Platz, die Studiobesucher könnten seiner Ansicht nach den Abstand dort einhalten.

So geht’s auch: Durch ein Handtuch wird der direkte Hautkontakt zum Trainingsgerät vermieden.

„Es ist für viele nicht toll, wenn sie in den Klamotten heimfahren müssen, in denen sie vorher schweißgebadet trainiert haben“, weiß er.

Mitglieder sind erleichtert über Öffnung von Fitnessstudio in Hanau

Froh indes sind seine Mitglieder, dass überhaupt wieder geöffnet ist. „Ich denke meine Kunden hätten auch strengere Maßnahmen in Kauf genommen, nur um wieder trainieren zu können“, mutmaßt er.

Das Training, sagt er, sei eine ganz wichtige Maßnahme, um dem Verfall des Körpers entgegenzuwirken. Einige müssten trainieren, damit der Körper stabil und funktional bleibt.

Fitnessstudiobetreiber in Hanau: Corona-Krise sorgt für körperliche Schäden

„Bei einigen waren schon wirklich gesundheitliche Schäden sichtbar. Menschen, die vorher agil waren, haben in den acht Wochen teilweise gewaltig an Substanz verloren und mussten ihren Körper erst wieder nach und nach in Form bringen."

Andrea Bayer (29) ist schon seit über zehn Jahren in dem Hanauer Studio. Für sie war die trainingsfreie Zeit auch nicht wirklich eine Gute. „Ich habe mich ziemlich träge, müde, antriebslos und ein wenig unmotiviert gefühlt“, beschreibt sie.

Fitnessstudio in Hanau: Ungewohntes Gefühl für Trainierende

Zwei Wochen nach dem Wiedereinstieg ins Training allerdings ist diese Antriebslosigkeit überwunden und sie geht mit Freude an die Maschinen – wenn auch mit einem anderen Gefühl.

„Es ist schon ungewohnt und manchmal auch etwas müßig, jedes Gerät intensiv zu reinigen, an dem man vorher trainiert hat. Das nimmt schon dem normalen Ablauf seine Intensität“, sagt die junge Frau.

Fitnessfreunde in Hanau müssen sich an andere Umstände gewöhnen

Auch, dass man sich in den Trainingsklamotten wieder nach Hause begeben muss und nicht duschen kann, ist für sie ein negativ Erlebnis.

„Man will ja manchmal auch schnell von der Arbeit mal ins Training, oder nach dem Training auf einen Termin. Das geht nun nicht mehr. Man muss vorher und nachher erst nach Hause fahren, sich umziehen und duschen."

Schade findet sie es auch, dass keine Eiweiß- oder Protein Shakes ausgegeben werden dürfen. „Nach einem intensiven Training braucht der Körper einfach Mineralstoffe und Energie“, sagt sie. Jetzt mixt sich Bayer ihren Shake eben zu Hause schon vor.

Mitglied von Fitnessstudio in Hanau: Lockdown war unnötig

Die acht Wochen Trainingspause empfand sie eigentlich als nicht notwendig. Im Studio, findet sie, hätte man auch ganz normal unter Beachtung der Maßnahmen und Regeln trainieren können. „Der Lockdown in den Studios war unnötig“, so ihre Meinung.

Ähnlich sieht es auch Jerome Koch (29) aus Kilianstädten. „Natürlich merkt man, dass man nach acht Wochen Zwangspause in seinem körperlichen Leistungsvermögen eingeschränkt ist, Muskelmasse verloren, dafür aber Corona-Speck angebaut hat“, erzählt er.

Mitgliedern von Hanauer Fitnessstudio fehlt das Training

Auch der tägliche Rhythmus sei ein anderer: „Wenn man das Training in seinen Wochenplan fest integriert hat und dieses dann wegbricht, fehlt einem schon was.“

Auch das Treffen und Austauschen mit anderen Trainierenden fehlt ihm. „Klar, denn da wurden auch persönliche Beziehungen unterbrochen“, schildert Koch.

Kritik an Corona-Lockdown aus dem Fitnessstudio in Hanau

Auch ihm fehlt das Verständnis für den Lockdown: „Man hätte bequem die Abstandsregeln einhalten können und man sieht ja, dass die Leute vernünftig mit der Situation umgehen, immer ihre Handtücher mitbringen, die Geräte und Hände desinfizieren. Warum also die Schließung?“, so der junge Mann.

Ohne Handdesinfektion geht nichts – vor dem Training führt der Weg von Sportlerin Andrea Bayer zum Pumpspender.

Der Kilianstädter nimmt auch gerne Wartezeiten an den Geräten in Kauf. Hauptsache er kann seinem Sport nachgehen.

Unverständnis über Corona-Regelungen in Fitnessstudios

Auch die Regelung, dass man keine offenen Getränke ausschenken darf, versteht Koch nicht. In jeder Gaststätte in jedem Kaffee, an jeder Frittenbude bekomme man offene Getränke – warum also nicht auch in einem Fitnessstudio?

„Wenn das alles in einem absehbaren Zeitraum geschieht und auch bald irgendwann wieder die Rückkehr zur Normalität kommt, dann kann man auch mit den gegebenen Corona-Regeln leben“, sagt Koch.

Rubriklistenbild: © Reinhard Paul

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