Kesselstädter Gartenportal

Gartenbesitzer öffnen am Wochenende ihre Türen

„Bitte treten Sie ein“ heißt es am Samstag und Sonntag, wenn Meike und Julian Parsons die Pforte zu ihrer grünen Oase öffnen.
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„Bitte treten Sie ein“ heißt es am Samstag und Sonntag, wenn Meike und Julian Parsons die Pforte zu ihrer grünen Oase öffnen.

Schon der Vorgarten von Meike und Julian Parsons ist eine Augenweide. Die beiden haben sich Am Steinacker ein kleines Paradies erschaffen. Am Samstag und Sonntag, wenn das Kesselstädter Gartenportal zum vierten Mal stattfindet, öffnen auch der gebürtige Engländer und seine Frau die Tür zu ihrer kleinen Oase mitten in der Stadt.

Hanau - Das Gärtner-Gen ist Julian Parsons sozusagen in die Wiege gelegt worden. Nicht nur, dass er aus „dem“ Gartenland schlechthin kommt, nein, seine Mutter sei dazu auch noch eine fanatische Gärtnerin, erzählt der 56-Jährige und lacht. „Sie kennt alle Pflanzen mit lateinischem Namen. Da müsste ich passen.“ Auch seine Schwägerin habe den grünen Daumen und sogar einen kleinen Bachlauf in ihrem Garten in Cornwall.

Parsons, der südlich von London aufgewachsen ist, lebt seit 1991 in Hanau. 2008 hat er mit seiner Frau den verwilderten Strebergarten Am Steinacker 9 erstanden. Der studierte Architekt, der für Siemens Energy normalerweise Kraftwerke so groß wie Städte überall auf der Welt entwirft, hat sich hier im Kleinen austoben dürfen. Das Haus auf dem L-förmigen Grundstück hat er selbst entworfen, aber bauen lassen. „Den Garten“, sagt er stolz, „habe ich ganz allein entwickelt, angelegt, gepflanzt.“

Eine Gießkanne am Gartentor ist das Erkennungsmerkmal

Die Beete ziehen sich um die gesamte Rasenfläche herum. Im selbst angelegten Teich schwimmen dutzende Goldfische, manchmal kommt ein Waschbär zu Besuch. Die Gehwegplatten in diesem Cottage Garden sind schlicht, fast unauffällig. Julian Parsons hat sich ein eigenes Gewächshaus aus England liefern lassen. Es steht ganz am Ende des Gartens. Hier zieht er gerade Primeln; und Tithonia. Die Samen hat er von seiner Mutter bekommen. Im Spätsommer trage die Pflanze große orange farbene Blüten. Ein Traum sei das. Kurz vor der Blüte stehen die weißen Pfingstrosen, an einer roten Wand schlängelt sich Feuerdorn. „Jetzt“, sagt der 56-Jährige“, „ist es am schönsten hier. Es ist bunt, die Pflanzen explodieren.“

„Jetzt ist es am schönsten hier. Alles blüht“: Der gebürtige Engländer staunt über die Farbenpracht. In seinem Garten werkelt er jeden Tag.

Jeden Tag kümmern sich der Architekt und seine Frau, die in einem Steuerbüro arbeitet, um ihren Garten. Er ist, neben der Vereinsarbeit bei der Hanauer Ski- und Kanugesellschaft, das große Hobby der Parsons. Und deren Arbeitsteilung ist klar: Sie hat das Unkraut im Blick, er den Rest. Das sei gar nicht so schwer. „Man muss den Pflanzen nur geben, was sie wollen.“

Dass sie nun zum wiederholten Mal beim Gartenportal dabei sind, sei Ehrensache. Die englische und die Kesselstädter Fahne, die sonst zu an Geburtstagen gehisst werden, hängen schon fürs Wochenende.

Einmal füttern bitte! Meike Parsons erfreut sich jeden Tag an dem Teich, den ihr Mann angelegt hat. Aktuell blüht schon eine Seerose.

Aufgefordert, doch auf jeden Fall mitzumachen, wurden die beiden von Stephanie Wölk. Sie klingelte eines Tages, wurde erst mal weggeschickt, blieb aber am Ball - erfolgreich.

Es sei einfach wunderbar, in fremden Gärten zu wandeln, versteckte Paradiese zu entdecken, sagt die Initiatorin im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor einigen Jahren hat Wölk die Veranstaltungsidee in Erlensee aufgeschnappt. Der Verein „Allerlei“ hatte das Projekt dort auf die Beine gestellt. Wölk war begeistert davon und beschloss, das „Kesselstädter Gartenportal zu initiieren. Sie selbst ist seit der Premiere 2018 mit ihrem eigenen Garten dabei: Eine großzügige Grünlandschaft mit nachempfundenem Bachlauf, Teich, versteckten Ruhezonen und vielen Blütenpflanzen.

Die Idee kommt an. Trotz Corona sind am Wochenende wieder elf Gärten dabei. Die Besucher kommen aus der ganzen Umgebung; bei der letzten Auflage im September 2020 seien die Menschen sogar aus Frankfurt und Bad Homburg angereist, so Wölk.

Meike und Julian Parsons sind schon gespannt aufs Wochenende und die Besucher. „Viele, die unseren Vorgarten sehen, sind neugierig, wie’s hinter dem Tor aussieht“, erzählt der Wahl-Hanauer. Manche suchen Ideen, anderen wollen einfach mal schauen.“ (Von Yvonne Backhaus-Arnold)

Die Teilnehmer auf einen Blick

Verena und Focko Reelfs, Hertzstraße 2: Garten der vier Jahreszeiten

Katharina Horst, Mendelssohnstraße 4: Park and Pottery

Stephanie Wölk, An der großen Hufe 1: Hier blüht Euch was ...

Renate Vollrath-Rödiger, Theodor Fontane Straße 10: Skulpturengarten

Familie Eisermann, Philippsruher Allee 26a: Garten trifft Wald

Familie Nitzsche, Bachstraße 35: Stadtgarten mit Obstbäumen

Martina Jacobs, Gustav-Hoch-Straße 47: it’s a walnut tree (nur am Samstag dabei)

Julian und Meike Parsons, Am Steinacker 9: Parson’s Cottage, a little bit of England in Hanau

Dagmar Sticher, Bachstraße 36: Modern bis Vintage

Karin Kohl-Takke, Max Planck Straße 21: Kräuterforum

Ursula Michel, Hopfenstraße 34: Natürlicher Nutzgarten

Das Kesselstädter Gartenportal findet an diesem Wochenende statt. Geöffnet sind die Gärten jeweils von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der Corona-Situation werden in diesem Jahr keine Getränke oder Speisen angeboten. Erkennungszeichen ist eine geschmückte Gießkanne am Eingang.

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