Prominente Gäste zum Jahrestag

Gedenken an Opfer des 19. Februar: Stadt liegen 117 Vorschläge für Mahnmal vor

Eine Frau lehnt sich am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt, einem der beiden Tatorte vom 19. Februar, an die Schulter eines Mannes, während im Hintergrund
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Eine Frau lehnt sich am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt, einem der beiden Tatorte vom 19. Februar, an die Schulter eines Mannes, während im Hintergrund

Gut neun Monate nach dem rassistisch motivierten Anschlag mit neun Toten in Hanau haben sich bei einem Gestaltungswettbewerb zahlreiche Künstler aus aller Welt mit ihren Entwürfen für das geplante Mahnmal beworben. Insgesamt seien 117 Vorschläge aus vielen Ländern eingegangen, sagte OB Claus Kaminsky der Deutschen Presse-Agentur.

Hanau - Darunter seien Vorschläge mit den unterschiedlichsten Gestaltungsformen, sagte Kaminsky, ohne Details zu nennen. Ein 43 Jahre alter Deutscher hatte am 19. Februar dieses Jahres in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Zuletzt war bekanntgeworden, dass der Mann nach einem posthum erstellten Experten-Gutachten psychisch krank war und an einer paranoiden Schizophrenie gelitten habe, gepaart mit einer rechtsradikalen Ideologie (siehe Kasten).

Voraussichtlich von April an werde man mit dem Auswahlprozess für das Mahnmal beginnen, wenn es das Corona-Infektionsgeschehen dann zulasse, sagte Kaminsky. An dem Auswahlverfahren solle sich neben Fachjuroren insbesondere auch die Hanauer Bürgerschaft beteiligen. Er begreife den Gestaltungswettbewerb und die gemeinsame Auswahl eines angemessenen Vorschlags als Teil der Aufarbeitung der Tat, sagte Kaminsky. „Wir werden mit ganz vielen Ideen und Vorschlägen in die Stadtgesellschaft hineingehen und dann eine öffentliche Debatte darüber führen, das wünsche ich mir.“

Hanaus OB: „Wollen Anspruch nach Kräften gerecht werden“

Es gehe darum, ein Gedenk- und Mahnmal nicht nur für die Angehörigen der Opfer zu schaffen, sondern die gesamte Stadtgesellschaft müsse auf diesem Weg mitgenommen werden. „Im besten Falle identifizieren sich nach diesem gemeinsamen Diskurs sowohl die Opferangehörigen als auch weite Teile der Hanauer Stadtbevölkerung mit der am Ende zu treffenden Entscheidung“, so der OB. „Wir sind uns in Hanau bewusst, dass sowohl der Weg zur Entscheidung als auch die Entscheidung selbst Beachtung in der gesamten Republik findet. Wir wollen diesem Anspruch nach Kräften gerecht werden.“

In Hanau richtet man bereits jetzt den Blick auf den Jahrestag des Anschlags am 19. Februar 2021. Nach Informationen des HANAUER ANZEIGER plant die Stadt Hanau anlässlich des Jahrestags verschiedene Aktionen.

Bundespräsident am 19. Februar 2021 in Hanau erwartet

Unter anderem soll auch die Industrie und Wirtschaft ein Zeichen setzten, wofür Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und diversen Unternehmen nun mit den Planungen beginnt. Eine der Ideen: Einzelhändler können eine Kerze vor ihr Geschäft stellen und ein entsprechendes Plakat aufhängen, das Verbindung ausdrückt.

Am Jahrestag des Anschlags, dem 19. Februar 2021, sollen nach HA-Informationen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sowie der Chef des Bundeskanzleramts Helge Braun nach Hanau kommen. Für den frühen Abend ist eine Abschlussveranstaltung im Congress Park geplant. Diese soll an jedem Jahrestag stattfinden. dpa/kb

Bundesanwaltschaft hält Gutachten über Hanau-Attentäter zurück

Der HANAUER darf das posthum erstellte Experten-Gutachten, das den Attentäter als psychisch krank darstellt, nicht einsehen. Mit diesem Wunsch hatte sich unsere Zeitung an die Bundesanwaltschaft gewendet. „In der Sache handelt es sich bei Ihrem Begehren um einen Antrag auf Akteneinsicht. Aus den einschlägigen Regelungen der StPO ergibt sich keine Möglichkeit, eine solche Akteneinsicht zu gewähren. Gleiches gilt für den presserechtlichen Auskunftsanspruch“, teilt Markus Schmitt, Pressesprecher des Generalbundesanwaltes mit. Auf die Frage, warum der „Spiegel“ aus dem Gutachten zitieren konnte und ob das Nachrichtenmagazin oder andere Medien das Gutachten erhalten haben oder einsehen konnten (und wenn ja, mit welcher Begründung), erklärt Schmitt: „Die von mir angeführten Anspruchsgrundlagen gelten für alle Anfragenden in gleichem Maße. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob und inwieweit Pressevertreter das Gutachten erhalten haben oder ihnen Einsicht gewährt worden ist.“ Der „Spiegel“ hatte aus der rund 140-seitigen Expertise zitiert. Auf die Geistesstörung – eine paranoide Schizophrenie – sei eine rechtsradikale Ideologie aufgesetzt gewesen, die fremdenfeindliche, rassistische und völkische Elemente enthalten habe. Die Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen leitet, hatte das Gutachten bei dem forensischen Psychiater Henning Saß in Auftrag gegeben. cd/dpa

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