Terror in Hanau

Gedenkfeier mit 50 geladenen Gästen im CPH: Planung für Jahrestag des Anschlags am 19. Februar steht fest

Die Gedenkfeier wird wie die zentrale Trauerfeier im vergangenen Jahr wieder im CPH stattfinden. Zu Gast sein werden erneut Ministerpräsident Volker Bouffier (Bild) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. ARCHIV
+
Die Gedenkfeier wird wie die zentrale Trauerfeier im vergangenen Jahr wieder im CPH stattfinden. Zu Gast sein werden erneut Ministerpräsident Volker Bouffier (Bild) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. ARCHIV

Zum ersten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Hanaus OB Claus Kaminsky gemeinsam in einer Gedenkfeier des Landes Hessen und der Stadt Hanau an die neun Opfer der Tat erinnern. An der Veranstaltung, die am 19. Februar 2021 in Hanau stattfinden wird, wird außerdem Rudi Völler als Ehrenbürger der Stadt Hanau teilnehmen, heißt es weiter in einer Mitteilung der Stadt Hanau.

Hanau - „Unser oberstes Ziel ist es, gemeinsam fortwährend gegen Hass und Hetze zu kämpfen und uns den Feinden unserer Demokratie entschieden entgegenzustellen. In unserer Gesellschaft darf kein Platz für Menschen sein, die Gewalt und Rassismus verbreiten – der schreckliche Anschlag von Hanau wird uns immer Mahnung dafür sein. Ein Jahr nach der Tat wollen wir gemeinsam der Opfer gedenken. Sie sind und werden niemals vergessen“, werden Bouffier und Kaminsky in der Mitteilung zitiert. „Die Erinnerung an die Opfer lebt in den Herzen ihrer Familien und Freunde. Deren Schmerz um ihren Verlust ist heute so groß wie am ersten Tag und wird niemals vorübergehen. Wir stehen an der Seite der Angehörigen und zeigen, dass es immer unsere oberste Priorität ist, sie zu unterstützen und nicht alleine zu lassen“, so Bouffier. „Wir wissen, dass gerade die Familien noch offene Fragen haben. Es ist uns eine Verpflichtung zu helfen, und diese Fragen – soweit es uns möglich ist – zu beantworten.“

„Den 19. Februar als Gedenktag zu verankern, ist meine Pflicht, ist aus wichtigen Gründen die Pflicht der Stadt Hanau. An diesem Tag gilt es in erster Linie und in besonderer Weise, gemeinsam mit den Familien der Opfer des rassistischen Anschlags innezuhalten und ihnen an diesem dramatisch-traurigen Datum in Nächstenliebe zur Seite zu stehen. Wir als Stadt und ich ganz persönlich tun dies seit nun einem Jahr täglich. Ich unterstütze die Familien auch in ihrer mehr als berechtigten Forderung nach Aufklärung“, so Kaminsky laut Mitteilung.

Videoansprachen der Opferfamilien geplant

Die Antworten seien für die Hanauer von großer Bedeutung. Man wisse, dass am 19. Februar Menschen aus Hessen, Deutschland und der ganzen Welt wieder nach und auf Hanau schauen werden. „An dieser Stelle bedanke ich mich ausdrücklich für die Anteilnahme, die uns aus der ganzen Welt erreicht hat. Ich ganz persönlich und wir Hanauerinnen und Hanauer wollen und werden zeigen, dass wir uns der Verantwortung stellen. Für die Familienangehörigen der Opfer und für alle Hanauerinnen und Hanauer. Denn auf die Fragen, wie wir in Zukunft gemeinsam in Frieden miteinander leben wollen und können, braucht es Antworten und Angebote für Dialog, Diskussion, Beratung und Betreuung“, erklärt der OB. So habe die Stadt Hanau ein halbes Jahr nach dem rassistischen Attentat das Zentrum für Demokratie und Vielfalt gegründet. Dieses sei ein offener Raum für die Bürger - nicht nur, aber vor allem aus Hanau –, der der Demokratieförderung diene.

Die Gedenkfeier wird laut Mitteilung unter Beachtung aller Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie mit rund 50 geladenen Gästen im Congress Park Hanau stattfinden. Neben einem kurzen Film, der sich den Ereignissen des 19. Februar 2020 widmet, sind auch persönliche Videoansprachen der Opferfamilien geplant. Symbolisch und in Erinnerung an jedes der neun Opfer werde eine frei stehende und beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen. Zum Ende der Gedenkfeier werden um 19.02 Uhr alle Glocken der Stadt läuten.

Kaminsky: „Hanau ist bunt und vielfältig“

Daneben gebe es am Gedenktag viele Aktionen gegen Rassismus in Hanau, an denen sich Vereine, Unternehmen, Schulen, Religionsgemeinschaften und andere beteiligen. „Wir ermöglichen trotz der schwierigen Umstände ein würdiges Gedenken“, betonten Bouffier und Kaminsky. „In dieser Form möchten wir gemeinsam an die Opfer der Tat erinnern und gleichzeitig ein Zeichen gegen Rassismus, Hass und Hetze setzen“, erklären beide laut Mitteilung.

Das Schicksal der neun Menschen, die am 19. Februar 2020 dem rassistischen Anschlag zum Opfer gefallen seien, sei mit der Stadt Hanau verbunden und werde es bleiben. Daher werde man am ersten Jahrestag der Gräueltaten als Stadt Hanau auf der Seite hanau-steht-zusammen.de ein digitales Denkmal eröffnen. Er sei allen Beteiligten, insbesondere den Familienangehörigen der Opfer und den Hanauern dankbar für das Mittun für eine friedliche Zukunft. „Hanau ist bunt und vielfältig“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Steinmeier und Bouffier kommen

Bundespräsident Steinmeier war unmittelbar nach dem Anschlag am 20. Februar 2020 nach Hanau gekommen. Dort hatte er sich mit den Angehörigen der Opfer getroffen und am Abend auf dem Marktplatz zu den Hanauerinnen und Hanauern gesprochen. Bei der zentralen Trauerfeier am 4. März 2020 hat der Bundespräsident in Hanau die Trauerrede gehalten. Am 23. September 2020 hatte er Angehörige aller Opfer ins Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen und sich dort mit jeder Familie zu einem persönlichen Gespräch getroffen.

„Seit dem ersten Tag nach der schrecklichen Tat ist es mir ein persönliches Anliegen, mit den Familien der Opfer in Kontakt und im persönlichen Dialog zu bleiben“, betont Ministerpräsident Bouffier in der Mitteilung. Er war mit den Angehörigen der Opfer unmittelbar nach dem Anschlag in Hanau und erneut am 26. August in Wiesbaden zusammengekommen, um sich aus erster Hand über ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse zu informieren. Mit den Interessengemeinschaften und Verbänden, die die Belange der Opferfamilien vertreten, fand am 5. März ebenfalls ein Treffen statt. „Es ist für mich von größter Bedeutung, an diesem Jahrestag mit den Angehörigen gemeinsam in stiller Trauer den Opfern zu gedenken“, erklärte Bouffier abschließend. „Wir werden auch weiterhin in engem Austausch mit den Familien stehen und sie voll unterstützen.“  cd

Live im Netz verfolgen

Die Gedenkveranstaltung wird live im HR-Fernsehen übertragen. Außerdem kann sie im Internet auf der Seite hanau-steht-zusammen.de/Gedenktag verfolgt werden. Die Übertragung beginnt um 17.30 Uhr.

Hilfen für die Opferfamilien

Bereits „unmittelbar nach dem Anschlag“ haben Landesregierung und Sicherheitsbehörden Hilfs- und Begleitangebote für die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Opfer angestoßen und bestehende Präventionsprogramme des Landes weiter ausgebaut, so die Mitteilung. Dazu zähle beispielsweise die Einrichtung eines Fonds des Landes Hessen für Opfer von Straftaten, der auch den Opferfamilien von Hanau zugutekommen werde. Dafür stünden zwei Millionen Euro bereit. Aus dem Fonds sollen Opfern von Straftaten Hilfen zur Bewältigung des erlittenen Unrechts und seiner Folgen gewährt werden. Der Fonds solle dort greifen, wo bereits vorhandene Leistungen beispielsweise aus dem Opferentschädigungsgesetz noch Lücken lassen und somit unbürokratische schnelle Hilfe leisten. Ein Opferbeauftragter des Landes sei zudem für die Angehörigen jederzeit ansprechbar. Er vermittele Kontakte zu Opferschutzorganisationen und steht den Familien bei der Geltendmachung von Ansprüchen aus dem Opferentschädigungsgesetz sowie gegenüber der Unfallkasse unterstützend zur Seite. Auch der maßgeblich vom Land getragene Opferhilfeverein Hanauer Hilfe stelle konkrete Hilfsangebote insbesondere in der Traumaverarbeitung zur Verfügung und unterstützt bei Anträgen und weiteren finanziellen Hilfen. Geschulte Polizeibeamte stünden den Opfern und Hinterbliebenen ebenfalls weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Gemeinsam mit der Stadt Hanau wurde laut Mitteilung außerdem ein Sonderförderprogramm mit einem Fördervolumen von 600 000 Euro (für die Jahre 2020 bis 2022) aufgelegt. Gefördert werden insbesondere Vereine oder andere Institutionen, die sich für die Bedarfe in der Opferbetreuung und in der Etablierung eines angemessenen Gedenkens engagieren, so die Mitteilung. 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare