Nach tödlichem Unglück in Frankfurt

Gedenken an verstorbenen Helden: Hanau pflanzt Baum für Alptug Sözen

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Mit einem Ginkgo-Baum ehrt die Stadt Hanau postum Alptug Sözen. Gemeinsam mit Yasemin Sözen und Ejder Sözen pflanzte Hanaus Bürgermeister Claus Kaminsky den Baum im Bürgerpark Hochgericht.

Mit einem Ginkgo-Baum ehrt die Stadt Hanau postum Alptug Sözen. Er ist bei dem Versuch, einen Obdachlosen aus einem Gleisbett zu retten, gestorben. 

Update vom Freitag, 15.11.2019, 16:23 Uhr: Am 13. November 2018 kam der 17 Jahre alte Alptug Sözen aus Hanau beim Versuch, einen hilflosen Mann aus dem Gleisbett an der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt zu retten, ums Leben. Die Anteilnahme war und ist riesig. 

Ein Jahr nach dem tragischen Unglück hat die Stadt Hanau einen Ginkgo-Baum im Bürgerpark Freigericht – unweit der Wohnung der Eltern – pflanzen lassen, berichtet die Stadt in einer Mitteilung. 

"Er soll hier wachsen und gedeihen und an diesen mutigen und heldenhaften jungen Mann erinnern, sowie auch als Zeichen der Hoffnung für die Zukunft dienen", sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky demnach im Rahmen einer Zeremonie, bei der der engste Familien- und Freundeskreis von Alptug Sözen anwesend war. 

Hanau: Baum für Alptug Sözen wird mit Plakette ausgestattet

Eine Plakette, die auf einer Stele neben dem Baum installiert werden soll, sei bereits in Arbeit. "Es ist uns sehr wichtig, dass unser Sohn und seine Tat nicht vergessen wird", sagte Mutter Yasemin Sözen, "deshalb sind wir dankbar, für alles, was die Menschen an ihn erinnert." Auch sein Vater Ejder Sözen bedankte sich für die symbolische Pflanzung: "Ich werde jeden Tag hier vorbeigehen und diesen Baum wachsen sehen und an meinen Sohn denken. Das macht mich sehr froh!" 

Anfang des Jahres wurde Alptug Sözen von der Stadt Hanau für seine Zivilcourage posthum mit der Ehrenplakette in Gold ausgezeichnet. An der S-Bahn-Station Ostendstraße hängt eine Gedenktafel für den mutigen jungen Mann. Aaußerdem wurde über dem Schild "Ostendstraße" ein Stationsschild ergänzt, auf dem "Alptug-Sözen-Station" zu lesen ist. 

Nach tödlichem Rettungsversuch: Hanau enthüllt Gedenktafel für Alptug Sözen

Erstmeldung vom Freitag, 11. 10.2019: Hanau - Der Verlust ist unfassbar schmerzhaft, sagt Ejder Sözen in tiefer Trauer um seinen Mustafa Alptug. Gleichzeitig spürt er Stolz und Hoffnung: „Mein Sohn ist ein Vorbild.“ Der Vater hofft, dass die Hilfsbereitschaft des ums Leben gekommenen Jugendlichen sich positiv auf andere auswirkt. Deshalb freue er sich, dass jetzt eine Gedenktafel an der Ludwig-Geißler-Schule an seinen Jungen erinnert, so Sözen. Und dass die Stadt Hanau ihm als erstem Bürger überhaupt postum die Ehrenplakette in Gold verliehen hat.

Sözen war im November 2018 selbstlos ins Gleisbett der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße gesprungen, um einen betrunkenen Obdachlosen zu retten. Kurz darauf wurde der 17-Jährige von einem Zug erfasst und starb am Unfallort an seinen Verletzungen. Der 44-jährige, aus Kasachstan stammende Betrunkene überlebte schwer verletzt, ein zweiter 44-jähriger Obdachloser mit indischen Wurzeln, der auch helfen wollte, wurde leicht verletzt.

Hanau: Gedenktafel für toten Helden - Oberbürgermeister enthüllt Tafel

Am Donnerstag hat Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) während einer Gedenkfeier mit zahlreichen Gästen die Tafel an der früheren Schule Sözens enthüllt und dessen Eltern die Ehrenplakette für Mustafa Alptug überreicht. Eine Hilfe suchende und eine helfende Hand zeigt die Tafel, die von Schülern der Zeichenakademie gestaltet wurde. Ideen der Sözens sind dabei eingeflossen.

Die Ehrenplakette Nur Bürgerund Institutionen, die sich in herausragender Weise um Hanau und die Allgemeinheit verdient gemacht haben, werden mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet. Die Plakette wird in Silber und in Gold verliehen und gilt hier als höchste Ehrung.

Zu den bislang Geehrtenzählen Hanaus langjähriger, mittlerweile verstorbener OB Hans Martin (SPD) und der Hanauer Geschichtsverein.

Alptug Sözenwird als Erster posthum geehrt. Der Magistrat hatte die Ehrung einstimmig beschlossen. gha

Unter den Besuchern waren viele Schüler, die Sözen kannten und ihn vermissen. Zwei junge Frauen, die früher mit ihm die Otto-Hahn-Schule besuchten, sagten, er sei „offen, fröhlich und hilfsbereit“ gewesen. So beschreiben ihn alle, auch die Jugendlichen, mit denen er die Freizeitangebote des Stadtteilzentrums Südost nutzte.

Gedenktafel an Hanauer Schule enthüllt

Kaminsky sagte, die Stadtgesellschaft werde Alptug Sözen nie vergessen: „Alptug hat eindeutig ein Denkmal in den Herzen vieler Mitmenschen.“ Er habe Nächstenliebe, Zivilcourage und Heldenmut bewiesen. „Ihm war völlig egal, welches Geschlecht, welche Nationalität oder welche Religion der Hilfebedürftige hatte“, so Kaminsky. 

Zu den Eltern des Hanauers mit türkischen Wurzeln sagte er: „Sie können unendlich stolz auf ihn sein. Ich weiß, dass das den Schmerz nicht mildert, aber Alptug hat seine Spuren hinterlassen.“ Die Gedenktafel solle „seine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die nachfolgenden Generationen an jungen Menschen wachrütteln“.

Hanau: Ehrung für verstorbenen Mustafa Alptug Sözen 

Der türkische Generalkonsul Burak Kararti ehrte Mustafa Alptug mit den Worten, dass der Jugendliche „ein großartiges Beispiel für Menschlichkeit“ sei, weltweit wohl ziemlich einzigartig. Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD) betonte: „Die Erinnerung an einen Menschen geht nie verloren, wenn man ihn in seinem Herzen trägt.“

Sözens Handeln und sein Tod haben eine riesige Anteilnahme ausgelöst: Viele Hundert Menschen trugen sich im Hanauer Rathaus ins Kondolenzbuch ein und nahmen an der Trauerfeier teil, Zehntausende unterschrieben innerhalb kurzer Zeit eine Petition und sorgten dafür, dass die S-Bahn-Station den Beinamen Alptug-Sözen-Station bekam. Unzählige Menschen teilten im Netz Sözens Geschichte und bezeugten ihren Respekt.

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In Hanau werden die Ehrenplakette und die Gedenktafel nicht die einzigen öffentlichen Zeichen der Erinnerung bleiben: Am 13. November, dem Todestag, wird ein Ginkgo gepflanzt, der als Symbol der Stärke gilt und vom Kuratorium Baum des Jahres zum Baum des Jahrtausends und Mahnmal des Friedens ernannt wurde.

Von Gregor Haschnik/ag/red

Auch an der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt erinnert eine Gedenktafel an den tödlich verunglückten Lebensretter Alptug Sözen aus Hanau.

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