Geldwäsche im großen Stil?

Die Schwester hatte sie noch gewarnt: Frau soll eine Million Euro unterschlagen haben

Task Force gegen Geldwäsche
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Die Schwester hatte noch gewarnt: Frau soll eine Million Euro unterschlagen haben

Eine Frau aus Hanau soll fast eine Million Euro hinterzogen haben. Nun wird ihr der Prozess gemacht. 

Hanau – Im Prozess gegen eine 30-jährige Hanauerin, die als frühere Geschäftsführerin einer GmbH Umsatz-, Einkommens- und Gewerbesteuer von mehr als 930000 Euro hinterzogen haben soll, fand gestern der dritte Verhandlungstag vor der 5.

Prozess in Hanau: Es geht um Geldwäsche im großen Stil

Großen Strafkammer am Landgericht Hanau statt. Dabei kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass es sich bei der Angeklagten offenbar um eine „Strohfrau“ handelt, die von den eigentlichen Drahtziehern für deren dubiose Geschäfte gezielt ausgenutzt wurde.

Die 30-Jährige, inzwischen verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern, befand sich nach dem Unfalltod ihrer früheren Freundes, der 2011 mit seinem Motorrad verunglückt war, in einem seelischen Tief, als sie im Herbst 2015 Taifun C. kennengelernt habe, einen Mann mit weißem Porsche und Markenklamotten, der „gut“ zu ihr gewesen sei und mit dem sie schließlich eine Liebesbeziehung hatte. Von C. erhoffte sich die junge Frau offensichtlich das Leben, das sie sich immer gewünscht hatte. Und von ihm, so hatte sie bereits am ersten Prozesstag ausgesagt, habe sie sich schließlich auch dazu drängen lassen, eine GmbH zu gründen und als deren Geschäftsführerin zu fungieren.

Prozess in Hanau: Rechnungen fingiert

Über die Firma, die in den Bereichen Sicherheitsdienste, Gebäudereinigung, Garten- und Landschaftsbau und Kurierfahrten tätig gewesen sein soll, wurde laut Anklage mittels fingierter Rechnungen Vorsteuerbetrug im erheblichem Umfang begangen, außerdem wurden Einkommens- und Gewerbesteuern hinterzogen. Mit den operativen Geschäften will die 30-Jährige nie etwas zu tun gehabt haben. Ihre Aufgabe habe lediglich darin bestanden, regelmäßig größere Summen an Bargeld vom Geschäftskonto der Firma abzuheben und dieses Geld direkt an Taifun C. auszuhändigen. Dafür habe Taifun, dessen Aufenthalt unbekannt ist, die Miete ihrer Wohnung übernommen und ihr regelmäßig Bargeld gegeben.

Unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Mirko Schulte verschaffte sich die Kammer gestern einen Überblick über die umfangreichen Kontobewegungen der Firma. Zwischen Anfang April und Mitte Oktober 2016 wurde von der Angeklagten und Talat K., einem von ihr mit Kontovollmacht ausgestatteten ehemaligen Freund, Bargeld im Gesamtvolumen von annäherend zehn Millionen Euro in Tranchen von einigen tausend bis hin zu 302000 Euro abgehoben. Aus welchen Kanälen die riesigen Summen stammten, blieb unklar. Möglicherweise handelt es sich um Geldwäsche.

Zeuge macht von Aussageverweigerungsrecht gebrauch bei Prozess in Hanau

Talat K., den das Gericht gestern als Zeuge zur Sache vernehmen wollte, machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weil er befürchten musste, sich selbst zu belasten. Dass Talat K. und Taifun C. sich offensichtlich schon länger gekannt haben, wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jetzt ergaben, habe sie nicht gewusst, beteuerte die Angeklagte.

Deren Einlassung, dass sie sich als Geschäftsführerin der GmbH zwar habe eintragen lassen, aber mit den eigentlichen Geschäften nichts zu tun gehabt habe, wurde gestützt von einem weiteren Zeugen. Der selbstständige Buchhalter hatte für einige Zeit die Lohnbuchhaltung der GmbH übernommen. Zur Auftragserteilung und zwei weiteren Terminen sei die Angeklagte stets in Begleitung eines ihm unbekannten Mannes erschienen, der das Wort geführt habe. „Der Typ hat das koordiniert“, so der Zeuge. Mutmaßlich handelte es sich dabei um Taifun C.

Jenem Taifun C., vor dem die Schwester der Angeklagten sie nach eigener Aussage „mehrmals gewarnt hatte“. Die Schwester, die gestern ebenfalls als Zeugin gehört wurde, hatte die Angeklagte mehrfach zu verschiedenen Banken gefahren, wenn diese wieder Bargeld abheben musste. Sie habe immer gedacht, dass da etwas nicht stimmen könne und habe Taifun C. einmal auch zur Rede gestellt. Der habe sie aber barsch angefahren, sie solle sich nicht einmischen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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