Jens Gottwald verlässt die Baugesellschaft Hanau

Geschäftsführer hat um Aufhebung seines Vertrags gebeten

Abschied von der Baugesellschaft: Jens Gottwald wird seinen Schreibtisch an der Heinrich-Bott-Straße räumen und will sich im Bereich Coaching und Consulting selbstständig machen.
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Abschied von der Baugesellschaft: Jens Gottwald wird seinen Schreibtisch an der Heinrich-Bott-Straße räumen und will sich im Bereich Coaching und Consulting selbstständig machen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat die Mitglieder des Aufsichtsrates der Baugesellschaft am Donnerstagabend darüber informiert, dass Geschäftsführer Jens Gottwald um die Aufhebung seines Vertrags bittet. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der 49-Jährige dies. Details würden noch besprochen, aber spätestens zum Jahresende wolle er seinen Schreibtisch an der Heinrich-Bott-Straße räumen, so Gottwald.

Hanau - „Ich gehe nicht im Groll“, sagt der Zwei-Meter-Mann, „die Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister war perfekt.“ Jetzt soll es einen „sauberen Übergang“ geben. Gottwald ist bei der Nachfolgersuche aktiv eingebunden. „So wünsche ich es mir auch.“

13 Jahre war Jens Gottwald Geschäftsführer der städtischen GmbH. „Ich habe viel erreicht und viele Erfahrungen gesammelt, jetzt ist es Zeit für etwas Neues“, erklärt der Hanauer im Gespräch. Neue Herausforderungen sucht er, will sich weiterentwickeln. Wer Jens Gottwald kennt, weiß, dass er nicht nur geradlinig, sondern auch zielstrebig ist. 2019 hat er das erste Mal darüber nachgedacht, sich selbstständig zu machen, 2020 seien die Pläne konkreter geworden. 2021 stand der Entschluss fest, sich im Bereich Coaching und Consulting selbstständig zu machen. Die Themen sollen vielfältig sein, sagt Gottwald. Im Sport will er seine Dienste genauso anbieten wie im Immobilienbereich und beim Thema Krisenbewältigung.

Gottwald ist studierter Jurist und Diplom-Sportmanager, seit 2002 ist er zugelassener Anwalt. Von 2002 bis 2008 war er Geschäftsführer der Turngemeinde Hanau (TGH), danach ehrenamtlich Vize-Präsident. 2008 übernahm er (bis 2017) die Geschäftsführung der Parkhaus GmbH, parallel die der Baugesellschaft. Zweimal wurde sein Vertrag verlängert, wäre eigentlich bis Ende September 2023 gelaufen. Bei der letzten Verlängerung lobte der Aufsichtsratsvorsitzende der Baugesellschaft, OB Claus Kaminsky, den Geschäftsführer. „Jens Gottwald hat in dem Jahrzehnt seines Wirkens die Baugesellschaft vorangebracht und damit an der positiven Stadtentwicklung entscheidend mitgewirkt.“ Die Baugesellschaft, sagt Gottwald, ist gut für die Zukunft aufgestellt. Er lobt sein 80-köpfiges Team.

Ein Mann mit Ecken und Kanten

4200 Wohnungen hat die städtische GmbH heute im Bestand, 400 weitere in der Verwaltung. Stolz ist Gottwald auf viele Projekte, die er und seine Kollegen in den vergangenen Jahren umgesetzt haben. Die Sanierung von 198 Wohnungen an der Dresdener Straße und Königsberger Straße in Kesselstadt nennt er ein wichtiges und zielführendes Projekt. „Wir haben im Bestand entwickelt. Das war für die Arbeiter und für die Anwohner eine große Belastung.“ Auch die Entwicklung rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche verbucht Gottwald als positiv genauso wie die Entwicklung der Hanauer Altstadt. „Das ist schön zu sehen, und es hat meistens Spaß gemacht, das alles umzusetzen.“

Dass es heute sehr viel weniger Beschwerden gebe als bei seinem Dienstantritt vor 13 Jahren freut den Noch-Chef genauso wie jedes Projekt, das – anders als manch andere in der Stadt – fristgerecht fertiggestellt werden konnte. Anwohner beruhigen, zwischen verschiedenen Interessengruppen vermitteln – Gottwald kann davon sicher ein Lied singen.

Wird er den Hanauer Filz vermissen? Gottwald lacht. Der 49-Jährige ist keiner von den Bequemen, eher einer mit Ecken und Kanten, ein streitbarer Geist, der sich, wie man es sprichwörtlich sagt, nie die Butter hat vom Brot nehmen lassen. Vielleicht haben ihn Kaminsky und Stadtentwickler Bieberle gerade deswegen geschätzt und dürften seinen Rückzug fachlich wie menschlich mehr als bedauern.

„Stehe für meinen Nachfolger als Ansprechpartner zur Verfügung“

Krise kennt Gottwald selbst auch. 2012 zum Beispiel, als die TGH in den Schlagzeilen stand, weil der größte Verein der Stadt, dessen Vize-Präsident Gottwald damals war, in finanzielle Schieflage geraten war. Der Hanauer hat sich auch anwaltlich zur Wehr gesetzt, wusste den OB dabei immer hinter sich. Die Ju-Jutsuka, die er damals bei der TGH trainiert hatte, traten daraufhin aus dem Verein aus und gründeten den Kampf- und Sportclub 2012 Hanau. Hier steht Gottwald bis heute als Cheftrainer der Leistungsgruppe an der Matte, trainiert auch seine 19-jährige Tochter Kim.

Nächstes Jahr will er seinen 5. DAN, den schwarzen Gürtel, machen. „Nachdem ich mich 20 Jahre lang für die Kämpfer aufgeopfert habe, ist es jetzt Zeit dafür“, sagt er und lacht. Ur-Hanauer sind die Gottwalds, wollen erst mal auch hier bleiben. „Aber wer weiß, was noch kommt und wo es mich und meine Frau Conny hin verschlägt.“

Langweilen wird sich sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin sicher nicht, denn es gibt einige Großprojekte, die noch umgesetzt werden wollen. Das Haus rund um das Erwerbsleben zum Beispiel. Die Baugesellschaft ist hier für die Mitplanung und den Bau verantwortlich. Am Schlossplatz, schätzt Gottwald, wird es 2022 losgehen. Die städtische GmbH hatte das Planungsverfahren 2019 für sich entschieden. Aufgabe hier: Das Fronhof-Areal mit einem Neubau zu entwickeln.

Macht er sich aus dem Staub? „Nein“, sagt Gottwald, „ich arbeite meinen Nachfolger ein und stehe auch danach weiter als Ansprechpartner zur Verfügung.“ (Von Yvonne Backhaus-Arnold)

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