Technologiepark Wolfgang

Google wird Eigentümer des neuen Rechenzentrums in Hanau

Prominenter Name im Technologiepark Wolfgang: Google Cloud wird das Rechenzentrum nach der Fertigstellung nutzen.
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Prominenter Name im Technologiepark Wolfgang: Google Cloud wird das Rechenzentrum nach der Fertigstellung nutzen.

In Hanau entsteht ein neues Rechenzentrum. Nun ist der künftige Nutzer bekannt gegeben worden.

Hanau - Auf dem Gelände im Technologiepark Wolfgang, wo bis vor einigen Jahren noch der Bunker des einstigen „Atomdorfes“ stand, baut der darauf spezialisierte Entwickler NDC-Garbe aus Hamburg ein neues Rechenzentrum – das war schon seit Längerem bekannt. Nicht offiziell bekannt war allerdings der zukünftige Nutzer. Nun ist klar: Eigentümer des neuen Rechenzentrums wird der Technologiekonzern und Internetriese Google.

Die neue Cloud-Anlage in der Marie-Curie-Straße beherbergt laut Mitteilung zukünftig auf vier Stockwerken und rund 10000 Quadratmetern Recheninfrastruktur. Der erste von drei Bauabschnitten stehe kurz vor der Fertigstellung und werde 2022 voll betriebsbereit sein. Diese Erweiterung der bestehenden Frankfurter Google-Cloud-Region soll die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten in Deutschland bedienen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Spyridon Linardakis, Geschäftsführer der NDC-Garbe Data Centers Europe GmbH, übergaben jetzt symbolisch die Schlüssel an Dr. Daniel Holz, Vice President (VP) North Region, Google Cloud, und Eva Schluppkotten, Head of Marketing DACH, Google Cloud.

Rechenzentrum Hanau: Hohe Standards in Sachen Nachhaltigkeit

„Wir freuen uns sehr über die Übergabe des Rechenzentrumsgebäudes hier in Hanau an Google Cloud“, wird OB Kaminsky zitiert. „Mit Google haben wir einen starken Partner an unserer Seite, der uns dabei unterstützt, Hanaus wirtschaftliche Zukunft digital und nachhaltig aufzustellen.“ Das Rechenzentrumsgebäude verkörpere diesen Wandel: „Wir bringen die Cloud zu uns nach Hanau und unterstützen damit die digitale Transformation von Unternehmen und Behörden. Nicht nur in unserer Stadt und Hessen, sondern in ganz Deutschland und Europa“, so der OB.

Das neue Rechenzentrumsgebäude entspreche hohen Standards in Sachen Nachhaltigkeit und die von Google vorgestellte Initiative für saubere Energie erfülle den Anspruch der Stadt Hanau an eine nachhaltige Digitalisierung, sind sich Kaminsky und Hanaus Wirtschaftsförderin Erika Schulte einig.

Nähe zu Internetknoten macht Hanau für Rechenzentren interessant

Die Stadt Hanau ist Teil einer Region, in der aufgrund der Nähe zum Internetknoten DE-CIX in Frankfurt eine besondere Standortgunst für die räumliche Konzentration von Rechenzentren besteht. Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt stetig und nachhaltig. Diese Nachfrage will auch Hanau bedienen, macht Kaminsky deutlich: „Wenn die Stadt auf ihrer eigenen Gemarkung sich gegen ein solches Großprojekt wenden würde, so entstünden in Kommunen im näheren Umfeld zahlreiche Anlagen, deren Auswirkungen auf Hanau ausstrahlen.“

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Die Stadt wäre von Wirkungen betroffen und könnte keinerlei Einfluss darauf nehmen – und das auch noch, ohne an den oben dargestellten Chancen zu partizipieren. „Wir wollen uns dieser Entwicklung nicht verschließen, sondern die Bereitstellung von Rechenleistung als einer wichtigen Infrastruktur für die grundlegende Daseinsvorsorge aktiv gestalten“, so der OB. Dabei gelte es natürlich, die unbestreitbar bestehenden Zielkonflikte zu moderieren, „weshalb wir uns sehr freuen, dass Google hier in Hanau mit einem eigenen Rechenzentrum solch ambitionierte Nachhaltigkeitsziele verfolgt“. Rechenzentren und Cloud-Dienste stehen vor allem aufgrund ihres enormen Stromverbrauchs, unter anderem für die notwendige Kühlung, immer wieder in der Kritik.

Hanau: Google will Rechenzentrum nutzen

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei laut Kaminsky die Entwicklung von Flächen, die anderen Nutzungen nur sehr schwer zuzuführen wären: Das Gebäude von Google steht an der Stelle eines früheren Hochbunkers, der für die Lagerung von Atommüll vorgesehen war, jedoch nie genutzt wurde. Insofern symbolisiere das neue Rechenzentrum den Wandel „von der Atomindustrie zur Digitalwirtschaft in besonders eindrucksvoller Weise.“

Im Technologiepark Wolfgang hat Google Cloud die gesamte Fläche von 20 000 Quadratmetern käuflich erworben. Somit gibt es weitere Expansionsfläche für zwei weitere Rechenzentren der gleichen Größe. „Dass Google Cloud hier Eigentum mit Expansionsmöglichkeit erworben hat, statt zu mieten, zeigt, dass sich das Unternehmen auch nachhaltig in der Region und der Hanauer Stadtgesellschaft einbringen möchte“, interpretiert Kaminsky den Schritt des US-Konzerns. Auch deute dieser Umstand auf ein langfristiges Engagement in der Brüder-Grimm-Stadt hin, glaubt der Rathauschef.

Rechenzentrum in Hanau: Google hat sich auch in Erlensee Flächen gesichert

„Das ist auch deshalb sehr erfreulich, weil es die Stadt weniger abhängig vom Export macht“, erläutert der Oberbürgermeister. Hanau sei dank seiner sehr innovativen Unternehmen, die unterschiedliche Branchen im Ausland beliefern, ein sehr wirtschaftsstarker Standort. Diese Exportstärke sei dabei gleichzeitig auch ein Risiko, wie sich in den Krisen der letzten Jahre gezeigt hat.

Auch auf dem Gewerbepark Fliegerhorst in Hanaus Nachbarstadt Erlensee hat Google im vergangenen Jahr ein rund 11,6 Hektar großes Gelände erworben, ebenfalls für ein Rechenzentrum. Konkrete Pläne dazu gebe es allerdings noch nicht, teilte der Unternehmenssprecher von Google Deutschland, Ralf Bremer, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Über die Details sei noch keine Entscheidung getroffen worden. (David Scheck)

Auch auf dem Kasernengelände in Hanau soll ein riesiges Rechenzentrum entstehen.

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