Großauheimer Bibliothek hat 500 Leser

Berührende Momente

+
Rund 30 ehrenamtliche Helfer organisieren den Betrieb der Stadtteilbibliothek in Großauheim. Zu dem Team gehört auch Annette Rieche (rechts).

Grossauheim - Lange Zeit war unklar, wie es weitergehen würde: Die Zukunft der Stadtteilbibliothek Großauheim stand auf der Kippe, nachdem die Stadt angekündigt hatte, sich im Zuge des Schutzschirm-Vereinbarung mit dem Land aus dem Betrieb der Bibliothek zurückzuziehen. Von Laura Hombach und Christian Spindler 

Dass das dennoch nicht das Aus für die Bücherei bedeutete, ist einer Gruppe Engagierter zu verdanken. Sie gründeten vor ziemlich genau zwei Jahren einen Trägerverein, der die Bibliothek nun in Eigenregie betreibt. Mit Erfolg: Fast 500 Leseausweis wurden seit dem Neustart Anfang 2015 ausgestellt. Veranstaltungen wurden etabliert, die Öffnungszeiten erweitert, der Eingangsbereich und eine Jugendecke neu gestaltet.

Anfangs hatte der Verein Bibliothek Großauheim einige Hürden zu nehmen. Zwar hatte die Stadt dem Verein die Bücherei samt Bestand überlassen, doch es galt vor allem, ein neues Computerprogramm für Verwaltung und Ausleihe zu finden und zu installieren. Alles in Eigenregie. „Wir wussten damals nicht, wie sich das alles entwickeln würde“, blickt Monika Stepat zurück, die zum Vorstand des Trägervereins gehört und auch beim Dienst in der Bücherei tatkräftig zupackt.

Dass sich das Engagement der inzwischen knapp 100 Vereinsmitglieder sowie der 30 Ehrenamtlichen, die in der Bücherei Dienst tun, lohnt, steht heute außer Frage. Fast 500 Leser sind mittlerweile eingetragen. 1 400 waren es zwar am Ende der alten Bücherei, darunter seinen allerdings auch viele Karteileichen gewesen, heißt es.

Die Räume in der Alten Langgasse 9 sind mehr als eine Bibliothek, sie seien ein „Ort, an dem Menschen sich treffen“, sagt Annette Rieche vom ehrenamtlichen Bücherei-Team. Besonders hoch im Kurs steht die Bibliothek bei Familien mit Kita- und Grundschulkindern sowie älteren Stadtteilbewohnern. Und gerade die älteren Nutzer seien besonders dankbar, dass „ihre“ Bibliothek erhalten wurde. „Das berührt einfach“, schildert Rieche die Begegnung mit Senioren, die strahlend in die Bücherei kommen und sagen: „Ich freue mich so, dass ich noch hierher kommen kann“.

Viele der Nutzer kennt das Bibliotheksteam inzwischen mit Namen, die Kontakte gehen über bloße Ausleihe hinaus. Und auch die Begeisterung des Lesenachwuchses, für den das Team Führungen anbietet, ist den Ehrenamtlichen immer wieder Belohnung für ihr Engagement.

Insgesamt 26.000 Bücher, CDs, DVDs und Spiele (auch elektronische) stehen für die Nutzer zur Verfügung. Ein Bestand, der ständig ergänzt wird. „Das Team überlegt sich gemeinsam, was angeschafft wird“, schildert Stepat. Zur Orientierung dienen nicht nur Bestsellerlisten und Neuerscheinungen, sondern auch in der Bücherei ausliegende Listen, in die die Nutzer ihre Wünsche eintragen können.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Finanziert werden die Neuanschaffungen über die Beiträge der Vereinsmitglieder und Bibliotheksnutzer, Spenden sowie den Verkauf von Altbeständen. Der Trägerverein bekommt Räumlichkeiten von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch die Nebenkosten trägt die Stadt. Zudem gibt es von Stadt und Bistum Fulda insgesamt gut 5000 Euro Jahreszuschuss, vor allem deswegen, weil die Einrichtung auch als Schulbibliothek für die benachbarte Mädchenrealschule St. Josef dient.

Was vor zwei Jahren als zusammengewürfelte Gruppe von Ehrenamtlern angefangen hatte, ist mittlerweile zu einer guten Gemeinschaft mit großer Eigendynamik geworden, sagen Stepat und Rieche. Und das Team hat weitere Ideen: So will man die Kinderecke umgestalten. Sie soll „eine Art Kuschelecke in Form einer Burg“ werden, sagt Stefan Lanz vom Vorstand.

„Man muss schließlich schauen, dass man attraktiv bleibt“, meint Annette Rieche. Zum monatlichen Spieleabend für Erwachsene könnte sich ein Spielenachmittag für Kinder gesellen und auch das Angebot an Vorträgen könnte ausgebaut werden, hat das Team etliche Ideen für die Zukunft der Bibliothek. Die Bücherei ist dienstags von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12 und 15 bis 20 Uhr geöffnet.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare