Biber legt Flugverkehr lahm

Große Überschwemmungen im Hellental

Kein Durchkommen: Wie ein Kanal mutet der seit vielen Wochen überflutete Fußgänger- und Radweg im Steinheimer Hellental an.
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Kein Durchkommen: Wie ein Kanal mutet der seit vielen Wochen überflutete Fußgänger- und Radweg im Steinheimer Hellental an.

Das Hellental in Hanau ist überschwemmt. Dem Biber und starken Regenfällen ist’s geschuldet.

Steinheim - Wer auf den schmalen Pfaden im Wäldchen oberhalb des Hellentals unterwegs ist, muss dieser Tage mit unerwarteten Begegnungen rechnen. Mitunter tauchen unvermittelt Radler auf, die auf dem kleinen Weg ihre Velos steil bergan scheiben. Sie suchen im Wortsinne einen Ausweg, weil das Hellental in großen Abschnitten seit Wochen nicht passierbar ist. Der Fuß- und Radweg ist überschwemmt. Wieder einmal. Dem Biber und starken Regenfällen ist’s geschuldet.

Von Steinheim kommend wurde der Weg Richtung Klein-Auheim beziehungsweise Wildpark bereits voriges Jahr auf rund 75 Metern Länge um etwa 40 Zentimeter angehoben, weil er immer wieder überflutet war. 25 000 Euro hat das gekostet. Nun ist der weitere Verlauf betroffen – noch stärker und in einem noch längeren Bereich. Das Wasser kann nicht mehr ablaufen. Es steht auch auf Wiesen, der Entwässerungsgraben am Weg kann das Nass längst nicht mehr fassen. Mittlerweile tut sich im Hellental beiderseits des Bachlaufs eine kleine Seenlandschaft auf.

Biber in Hanau sind besonders aktiv

Die Steinheimer Biberfamilie im Hellenbach sorgt seit 2019 immer wieder für Schlagzeilen. Die hiesigen Nager gehören nach Einschätzung von Fachleuten zu den aktivsten der etwa 100 Biberpopulationen in Hessen. Damit der Eingang zu ihrer Wohnburg stets unter Wasser bleibt, bauen die Biber Dämme. Im Bereich des Hellenbachs sollen es um die fünf sein. Die Folge: Hochwasser in der Umgebung.

Kein Land in Sicht: Fünf Dämme haben die Steinheimer Biber mittlerweile im Hellenbach gebaut.

Nicht nur der Weg im Hellental ist überschwemmt. Die Biber legen gewissermaßen auch den Flugverkehr lahm. Der 50 Mitglieder zählende Modellflugklub Moenus nutzt neben dem Hellenbach eine 100 mal 30 Meter große, kurz gemähte Wiesenfläche als Start- und Landeplatz für seine Elektroflieger „Der Hellenbach hat unsere Wiese komplett geflutet“, beklagt der Moenus-Vorsitzende Markus Keller. Das  Areal ist nur noch mit Gummistiefeln zu betreten. „Und nach den regenreichen Tagen wird es für uns sicher nicht besser aussehen.“

Die Stadt Hanau habe im Februar am Bachlauf eine Höhenvermessung vorgenommen, berichtet Keller. Dieser Tage soll es nochmals einen Ortstermin geben. Neben der städtischen Naturschutzbehörde und dem für den Weg zuständigen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) sowie dem Biberschutzmanager des Regierungspräsidiums sollen weitere Betroffene teilnehmen: Vertreter des Modellflugklubs, Schafhalter, aber auch Pferdelandwirt Ralph Eger. Er bewirtschaftet eine der Hellenwiesen, verwendet den Schnitt als Futter für seine Tiere. Dass Mähen angesichts der Überschwemmungen noch drin ist, bezweifelt Eger. „Auf den Wiesen, die ich in Kürze im ersten Schnitt mähen müsste, steht das Wasser fünf Zentimeter hoch, an manchen Stellen sogar bis zu acht Zentimeter“, sagt Eger. „Die Zufahrt zu den von mir gepachteten Wiesen von Klein-Auheim aus ist nicht mehr möglich.“ Rund 50 Prozent der Wiesen auf beiden Seiten des Hellenbachs stünden mittlerweile unter Wasser. „Bleibt das Wasser auf der Wiese so wie derzeit, wächst nächstes Jahr deutlich mehr Schilf. Wir mähen die Wiesen ja nicht zum Spaß, sondern weil wir das Futter für unsere Pferde brauchen“, unterstreicht Eger.

Keine Starts: Der Modellflugplatz am Hellenbach ist derzeit unbenutzbar, zeigt Vorsitzender Markus Keller.

Drainage an Biberdämmen im Hellental in Steinheim gefordert

Seit Anfang des Jahres seien die Untere und auch die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium auf die sich verschärfende Problematik und die zunehmend kritischer werdenden Wasserstände hingewiesen worden, sagt er. Geschehen sei zur Verbesserung der Situation nichts. Die Obere Naturschutzbehörde wird nach Auskunft eines Sprechers der Stadt prüfen, „ob eine vorsichtige Wasserspiegelabsenkung als möglich betrachtet wird“. Will heißen: Ob eine Drainage an den Biberdämmen eingebaut werden kann, um den Wasserpegel abzusenken. „Der Pegel des Biberdamm-Rückstaus müsste nur um 20 bis 30 Zentimeter sinken“, meint Keller. Das sei andernorts an Bächen durch Drainage gelungen. „Der Biber kann auch mit einem 20 Zentimeter weniger hohen Wasserstand leben. Und wir auch“, so Keller und Eger, die hoffen, dass möglichst schnell für Abhilfe gesorgt wird. Darüber hinaus prüft HIS, ob der Hellental-Weg auch in den jetzt betroffenen Abschnitten höher gelegt werden kann. Dabei müssten aber „die noch zu ermittelnden Kosten in Relation zum Nutzen stehen“, sagt ein HIS-Sprecher. (Von Christian Spindler und Holger Hackendahl)

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