Blick ins Hanauer Rathaus

HA-Adventskalender: In Hanaus guter Stube geht’s voran

Die Handwerker haben im Inneren des Rathauses alle Hände voll zu tun.
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Die Handwerker haben im Inneren des Rathauses alle Hände voll zu tun.

Die grüne Tür ist seit Langem zugesperrt. Dahinter ist nichts mehr, wie es war. Denn im Inneren des Rathauses wird derzeit nahezu jeder Stein umgedreht. Das historische Gebäude wird bekanntlich für über neun Millionen Euro komplett saniert. Das Mammutprojekt hat die Stadt Hanau im Frühjahr letzten Jahres begonnen. Es war notwendig geworden, weil der Brandschutz im barocken Gebäude unzureichend war. Aber auch die mangelnde Barrierefreiheit war der Stadt schon lange ein Dorn im Auge. 2013 wurde die Nutzung der oberen Etagen von der Bauaufsicht untersagt. Danach wurde nur noch das Erdgeschoss sporadisch für Ausstellungen genutzt.

Hanau - Spätestens seit die Bauarbeiten laufen, ist das Rathaus für die Öffentlichkeit komplett dicht. Für unsere Zeitung hat sich die grüne Tür, durch die jahrelang auch die Hanauer Stadtverordneten geschritten sind, aber wieder einmal geöffnet. Heute blicken wir im Rahmen unseres Adventskalenders dahinter. Bei einem Rundgang durch das entkernte Gebäude erläutert Michael Mießler vom Eigenbetrieb Hanau Immobilien- und Baumanagement, wie die Arbeiten voranschreiten. Der Architekt ist in der Bauoberleitung städtischerseits für das Projekt zuständig, bei ihm laufen alle Fäden zusammen.

Hinter der Eingangstür wird fleißig gewerkelt.

Die Decken kommen raus

„Momentan werden gerade die Decken neu gemacht“, erläutert er, während im Hintergrund Handwerker kräftig zupacken. Die Betonrippendecken werden um dicke Brettsperrholzdecken ergänzt. „Als zusätzliche Stabilisierung“, wie Mießler erklärt. Die alten Decken seien nicht mehr geeignet, die Lasten zu tragen. Zwischen dem ersten und zweiten Geschoss werde die Decke komplett ersetzt, um mehr Raumhöhe im späteren (und früheren) Sitzungssaal zu erreichen. Der erhöhte Aufwand im Zuge der Schneidearbeiten habe für Verzögerungen beim Rückbau der Stahlbetonrippendecken gesorgt.

Die Arbeiten an den Decken erfolgen abschnittsweise. „Ein Drittel der Decke kommt raus und wird vom Zimmermann ersetzt. Dann kommt das nächste Drittel dran.“ Parallel müssten alle Geschosse abgestützt und gesichert werden – eine zeitintensive Arbeit, die immer wieder vom Statiker überprüft werde, erklärt der Architekt.

Auch im Foyer tut sich etwas

Auf die Brettsperrholzdecken folgen abgehängte Gipskartondecken, über denen technische Versorgungsleitungen für die Haustechnik verlegt werden. Im Februar soll mit dem Innenausbau begonnen werden. Unter anderem werden im Sitzungssaal im ersten Stock neue Fenster eingebaut. „Die werden während der Weihnachtszeit produziert“, sagt Mießler. Die Sprossenfenster, wie im barocken Urzustand des 1723 erbauten und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder hergestellten Gebäudes, werden extra angefertigt. Im zweiten Stock, wo es künftig Büros für die Fraktionen und Sitzungsräume geben soll, seien bereits Fenster eingebaut. „Dort wurde das wegen der Gauben vorgezogen“, so Mießler.

Nicht nur in den oberen Geschossen geht die Arbeit voran. Auch im Erdgeschoss tut sich etwas. Dort laufen die Vorbereitungen für den Einbau des abgeschlossenen Treppenhauses, das die markante, offene Treppe ersetzt. Zudem wird ein Aufzug eingebaut, der bis ins Dachgeschoss fährt – und so endlich auch gehandicapten Menschen einen ungehinderten Zugang zum gesamten Gebäude ermöglicht. Das Foyer selbst soll künftig wie bisher für Ausstellungen und Vorträge genutzt werden.

Der Sitzungssaal: Hier wird künftig wieder getagt.

Fertigstellung spätestens Anfang 2022

Einen Stock tiefer ist ebenso viel los. Im Keller wird fleißig gemauert. „Die WC-Anlagen entstehen“, erläutert Mießler. Im Januar sollen die Innenputzarbeiten beginnen. Denn im Keller sollen Technikräume geschaffen werden, in denen große Lüftungsgeräte platziert werden. Diese sollen im Brandfall für die Druckbelüftung des Treppenhauses sorgen. „Es entsteht ein leichter Überdruck, der entstehenden Rauch nach oben hinausdrückt“, so Mießler. Damit die Geräte platziert werden könnten, müssen zuerst die Wände fertig sein, erklärt Mießler.

Die gute Stube der Brüder-Grimm-Stadt soll seiner Auskunft nach Ende 2021, spätestens Anfang 2022 fertig sein. Daran habe bisher auch Corona nichts geändert. „Es ist immer weiter gearbeitet worden“, so Mießler. Dies gelte auch für die Weihnachtsferien. Nur an den Feiertagen und zwischen den Jahren kehre auf der Baustelle etwas Ruhe ein. An normalen Tagen seien stets zehn bis zwölf Menschen dort zugange.

Projekt wird nochmals teurer

Mießler selbst schaut etwa einmal die Woche vorbei. Regelmäßig gibt es Treffen mit der Bauleitung des Architekturbüros Schrammel aus Augsburg, dessen Konzept zur Rathaus-Sanierung sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt hatte. „Für mich ist es die erste Baustelle in dieser Größenordnung“, sagt Mießler. Sie sei in ihrer Art fast etwas Einmaliges. „Aber ich stelle mich der Herausforderung und nehme diese gerne an.“.

Eine Herausforderung sind auch die Kosten des Projekts, und zwar für den städtischen Haushalt. Zwischenzeitlich hatte sich das Projekt auf 9,3 Millionen Euro verteuert. Dabei wird es nicht bleiben: Laut Mießler sind aufgrund der während des Rückbaus neu gewonnenen statischen Erfordernissen und der daraus resultierenden Änderungen im Bauablauf zusätzliche Arbeiten notwendig geworden, welche den Bauablauf verzögert hätten. Dadurch seien erneut Mehrkosten im sechsstelligen Bereich entstanden. Wie hoch diese genau ausfallen, könne erst nach Abschluss der Arbeiten genau beziffert werden.

Von Christian Dauber

Der Kran am Rathaus zeigt: Hier ist Baustelle.

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