Blick ins Feuerwehrauto

HA-Adventskalender: Spannende Feuerwehrausstellung im Puppenmuseum

Puppenmuseumsleiterin Dr. Victoria Asschenfeldt öffnet das Tor zum Geräteschuppen der Wehr.
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Puppenmuseumsleiterin Dr. Victoria Asschenfeldt öffnet das Tor zum Geräteschuppen der Wehr.

Auch heute öffnen wir wieder ein Türchen unsere Adventskalenders. Kleine und große Jungs kommen hier garantiert auf ihre Kosten.

Hanau – Quietschend öffnet sich das Tor zur Garage. Heraus fährt mit lautem Motorengeräusch ein knallrotes Fahrzeug. Die Männer, die darauf sitzen, haben es eilig: Großbrand im Kurpark Wilhelmsbad, das Karussell, erbaut von Franz Ludwig von Cancrin, steht in Flammen.

Wer viel Fantasie hat, kann sich diese Szenerie ausmalen, wenn er vor dem historischen Feuerwehrzug in einer der Vitrinen des Puppenmuseums steht. Dort gibt es unter anderem einen kompletten Feuerlöschzug aus dem Jahr 1900. Und – noch viel abgefahrener – Feuerwehrmänner mit Pickelhauben von 1890. Einer Zeit, als zum Löschen von Feuern das Wasser noch in Ledereimern herbeigeschafft werden musste.

Dass sich für uns die Tore zu den Löschfahrzeugen an diesem Tage öffnen, verdanken wir der Leiterin des Spielzeug- und Puppenmuseums, Dr. Victoria Asschenfeldt, und ihrem ehrenamtlichen Mitarbeiter, Frank W. Blache. Beide haben sich dem Spielzeug wie der Historie gleichermaßen verschrieben und können begeistert davon erzählen, wie Spielzeug – wie eben die Feuerwehrlöschzüge, die Feuerwehrmänner und das Zubehör – detailgetreu Zeugnis von der Löschkunst ablegen und davon, wie vor über 130 Jahren mit der Erfindung der ersten motorenbetriebenen Fahrzeuge auch das Feuerwehrwesen schneller und effektiver wurde.

Corona hat allen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht

Eigentlich sind all diese Türen derzeit verschlossen. Denn die Corona-Pandemie sorgt auch im Puppenmuseum dafür, dass sich das Team zwar intensiv den Ausstellungsstücken widmen kann, nicht aber den Besuchern, für die die Ausstellungen ja eigentlich gedacht sind, es gibt nämlich keine.

Dabei hätte das Jahr für das Hessische Spielzeug- und Puppenmuseum ein Rekordjahr werden können: „Das Jahr fing super an“, schaut denn auch Victoria Asschenfeldt zurück. „Wir hatten richtig viele Buchungen, Kindergeburtstage, Führungen.“ Ab Juli war nach der vorübergehenden Schließung immer sonntags geöffnet. Und ab Oktober sorgten die Ehrenamtler, ohne die das Museum überhaupt nicht funktionieren würde, dafür, dass die Besucher kommen konnten.

Brennt für die Feuerwehr: Frank-W. Blache ist während der Phase des Ausstellungsaufbaus fast schon selbst zum Feuerwehr-Experten geworden.

Während die Leiterin des Museums von den Corona-Erschwernissen berichtet, nimmt Frank W. Blache die Feuerwehrgarage ganz genau unter die Lupe. „Ich hab mich durch die Ausstellung fast schon selbst zum Experten entwickelt“, sagt er und schmunzelt. Der 73-Jährige hat die ungewöhnliche Ausstellung für Hanau an Land gezogen. Er war es auch, dem das Museum seine Reihe „Sammlerkabinette“ verdankt, die es seit zwei Jahren in Wilhelmsbad gibt. Diese Reihe ermöglicht den Besuchern Einblicke in Sammlungen, die sie sonst so nie zu sehen bekämen.

Blache, der für die Kontakte zu den Sammlern zuständig ist, knüpft Verbindungen zwischen mehreren Spielzeugliebhabern, wodurch genügend Stücke zu einem Thema für eine Ausstellung zusammenkommen. Für viele ist das Spielzeugmuseum eine Adresse, der man als Leihgabe – bisweilen auch ohne den eigenen Namen veröffentlicht zu sehen – seine Stücke zur Verfügung stellt.

250 Ausstellungsstücke warten auf interessierte Besucher

„Wir verstehen uns als Knotenpunkt in Netzwerken“, sagt Asschenfeldt hierzu. Und das ist wichtig. Denn Aufgabe des Museums, das Gertrud Rosemann begründet und jahrzehntelang geleitet hat, ist es, Geschichte durch Geschichten zu erzählen.

Eine solche Geschichte ist die von Rainer Heisterkamp, der als Kommunikationschef bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt tätig ist. Als regelmäßiger Besucher der Spielzeugbörsen, die es bis letztes Jahr im Museum gab, berichtete er davon, dass er eine Ausstellung bei Hans-Peter Porsche in Achern mitbestückt habe. „Das kommt einem Ritterschlag gleich“, erklärt Asschenfeldt.

Schnell war die Idee geboren, im Puppenmuseum eine Feuerwehrausstellung auszurichten. Am ersten Freitag im November hätte sie eröffnet werden sollen: 250 Ausstellungsstücke, die die Entwicklung der Feuerbekämpfung mit Eimern über Leitern bis hin zu hochmodernen Hightech-Drehleitern dokumentieren. Die Ausstellung zeigt unter anderem, dass die Drehleiter das am weitesten verbreitete Spielzeug ist“, freut sich Blache. Kein Wunder, dass das Motto der Ausstellung „Von der Stehleiter zur Drehleiter“ heißt.

Wann sich die Türen für die Besucher aus Hanau und der Region wieder öffnen und den Blick auf die Feuerwehrgeschichte freigeben, ist ungewiss. „Wir stehen alle in den Startlöchern“, versichert Asschenfeldt. Bis Herbst nächsten Jahres soll die Ausstellung dann auf alle Fälle zu sehen sein.

Aus den 1920er-Jahren stammt dieses Feuerwehrauto mit Drehleiter. Das Blechspielzeug lässt sich am Schlüssel aufziehen.

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