Ein Blick in die Backstube der Bäckerei Kolb

HA-Adventskalender: Tür auf zur Weihnachtsbäckerei

„Tierische“ Angelegenheit: Aus der „Stollenschlange“ werden durch gekonnte Schnitte viele leckere Stollenschnecken.
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„Tierische“ Angelegenheit: Aus der „Stollenschlange“ werden durch gekonnte Schnitte viele leckere Stollenschnecken.

Jeden Tag öffnet der HANAUER ANZEIGER eine Tür, ein Tor oder eine Pforte. Heute schauen wir in die Backstube der Bäckerei Kolb

Hanau – Wo findet man eigentlich in einem von einer Pandemie geprägten Dezember den Weihnachtszauber? Auf den Adventsmärkten? Sicher nicht, sind alle abgesagt. In Disney-Filmen? Die sind meistens nur knallbunt und schrill, und die Werbung nervt. Nein, den echten Weihnachtszauber kann man zum Beispiel in einem Hinterhaus an der Bruchköbeler Landstraße erleben – besser gesagt, riechen: Hinter der Tür zur Backstube der Bäckerei Kolb.

In insgesamt vier großen Backöfen kann täglich gebacken werden.

Zugegeben, das weihnachtliche Flair entfaltet sich in erster Linie durch die Luft. Denn optisch sieht es so aus, wie es wohl in jeder Backstube aussieht: geschäftiges Treiben in allen Ecken. Aber nicht etwa Wichtel sind am Werk, sondern menschliche Mitarbeiter. Kein Glitzern, kein Funkeln, oder wie man sich die Weihnachtsbäckerei vielleicht vorstellt. Aber der Duft . . . den nimmt man glücklicherweise sogar durch eine Mund-Nasen-Schutzmaske wahr, wie wir beim Rundgang mit Bäckerei-Inhaber Jochen Kolb feststellen.

Stammhaus an der Bruchköbeler Landstraße

Bis zu zehn Mitarbeiter stehen in der großen Backstube verteilt und kreieren allerhand Weihnachtliches: Stollenschnecken, Elisenlebkuchen, Gewürzsterne, Plätzchen und gebackene Nikoläuse. Da gibt es „manche Leckerei“, um es mit Rolf Zuckowskis Worten zu sagen. Aber es gibt einen gehörigen Unterschied zu seinem Lied „In der Weihnachtsbäckerei“: „Eine riesengroße Kleckerei“ sucht man auf dem Boden vergebens. Spätestens da merkt man: Es sind eben Profis am Werk, die ihr Handwerk verstehen.

Nikoläuse, Plätzchen, Stollen, Kuchen, und, und, und: Tonnenweise wird in der Backstube Leckeres für die Weihnachtszeit produziert.

Und das müssen sie auch. Schließlich wird in den Wochen vor dem Fest einiges produziert. „5000 Plätzchentüten, 3500 Weihnachtssterne, drei Tonnen Stollen“, rechnet Jochen Kolb vor, während wir an den Blechen mit Apfel-Quarkrollen vorbeigehen. Die gebackenen Köstlichkeiten werden dann im Stammhaus an der Bruchköbeler Landstraße oder in einer der Filialen in der Stadt verkauft. Teilweise handelt es sich auch um Firmenaufträge. So wird ein Reinigungsunternehmen beispielsweise in diesem Jahr seine Kunden mit einem Dankeschön aus dem Hause Kolb beschenken.

Festgelegte Backtage zum traditionell Arbeiten

Im Dezember und in den zwei Wochen vor Ostern herrscht jedes Jahr in der Backstube Hochbetrieb – wen wundert’s. Schließlich sind die beiden christlichen Feste auch Hochtage für leckere Teigwaren.

Schnelligkeit ist gefragt: Die Schokoladenglasur für die Lebkuchen darf nicht zu fest werden.

Um angesichts der großen Mengen möglichst rationell zu arbeiten, gibt es festgelegte Backtage. Dienstags etwa werden Plunder gebacken, mittwochs Croissants. Darüber hinaus wird auch am Tag unseres Besuchs einiges vorbereitet.

Weihnachtsgebäck wird noch bis un die Woche vor Heiligabend gebacken

Die Stollenschnecken kommen als lang gezogene „Schlange“ auf einen Tisch, bevor ein Kolb-Mitarbeiter sie in gleich große Stücke teilt. Vier Teige werden an diesem Tag verarbeitet. Das reiche für eine Woche, sagt Jochen Kolb. Bäcker können Teiglinge im Voraus produzieren und tieffrieren oder im Gärunterbrecher lagern, in dem sie zwischen null bis zu 35 Grad Celsius langsam auf Temperatur gebracht und anschließend fertiggebacken werden. Bei der Frische gibt’s trotzdem keine Defizite. Brotteige dagegen müssen wegen der Enzyme immer tagesfrisch verarbeitet werden. Apropos Weihnachtsbäckerei: Unser Rundgang ist in diesem Dezember ein exklusiver. Normalerweise führt Jochen Kolb in den Tagen vor Weihnachten Kinder aus Kitas und Schulen durch die Backstube. Doch Corona verhindert diesmal die „Kleckereien“. Und natürlich hat sich die Pandemie auch auf den Umsatz der Bäckerei, die in der Innenstadt noch ein Café betreibt, ausgewirkt. Aber sie „wurschteln sich durch“, wie es Jochen Kolb beschreibt und damit in dieser Hinsicht das Schicksal so vieler Gastronomen teilt. Doch die Bäckerei-Filialen haben ja zum Glück auf. Bis in die Woche vor Heiligabend wird noch Weihnachtsgebäck gebacken.

Damit schließt sich unser heutiges Adventskalendertürchen. Die Tür der Hanauer Backstube bleibt natürlich auch nach dem 26. Dezember offen. Schließlich wollen die Kunden auch nach Weihnachten jeden Tag ihre Brote und Brötchen. Und auch Spezialitäten außerhalb des täglichen Regelangebots werden dann gebacken. Nur eben keine Christstollen oder Zimtsterne mehr, sondern Neujahrs- und, nur wenige Wochen später, Faschingsgebäck.

Jochen Kolb öffnet das Türchen, das eher eine Tür ist: Die Backstube befindet sich im Hinterhaus der Bäckerei.

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