Türchen Nr. 4

HA-Adventskalender: Zu Besuch im Kreißsaal im Klinikum

Auch zu Corona-Zeiten und mit Mundschutz werden Schwangere im Klinikum gut und intensiv betreut. Die Leitende Hebamme Vanessa Schwade heißt sie willkommen.
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Auch zu Corona-Zeiten und mit Mundschutz werden Schwangere im Klinikum gut und intensiv betreut. Die Leitende Hebamme Vanessa Schwade heißt sie willkommen.

In diesem Jahr haben wir uns für Sie etwas ganz besonderes ausgedacht: dem HA-Adventskalender. Jeden Tag schauen wir hinter eine andere Tür, die man vielleicht so nicht kennt.

Hanau – Ungeduldig sind sie alle, wenn sie vor dieser Tür stehen. Die einen unsicher und fast schon ängstlich, die anderen selbstbewusst und erfahren. Dabei ist die Tür als solche nicht unbedingt in architektonischem Sinne einladend. Denn sie ist nüchtern, ja fast schon steril mit ihren großen Milchglasfenstern, durch die man nicht hindurchschauen kann. Und doch werden alle, die hier klingeln, mit offenen Armen empfangen. Wir stehen schließlich vor dem Kreißsaal des Klinikums Hanau. Hier kommen Frauen her, bei denen die Wehen eingesetzt haben. Meist haben sie sich bereits längerfristig angemeldet und werden vom Team der Geburtshilfe betreut. Manchmal kommen sie auch spontan.

Vor der Tür zum Kreißsaal sitzen normalerweise viele Menschen und warten. Meist Männer, hin und wieder auch ganze Familien. Doch das „normalerweise“ hat durch Corona eine Zäsur erfahren. Zurzeit darf wegen der Pandemie niemand mehr ins Krankenhaus hinein, der dort nicht wirklich hin muss. Und das bedeutet auch für Schwangere und ihre Partner oder Angehörigen eine Umstellung. Die Ehemänner dürfen nämlich erst dann in den Kreißsaal, wenn die Geburt tatsächlich beginnt. Und auch die Schwangeren selbst müssen erst einmal durch das Schleusenzelt vor dem Krankenhaus, wo sie nach Symptomen befragt werden.

Bei besonders heftigen Wehen dürfen Frauen direkt in den Kreißsaal

Bei jedem Neuankömmling wird ein Covid-19-Abstrich gemacht, erklärt uns die leitende Hebamme, Vanessa Schwade. Bei den Schnelltests liegt binnen 20 Minuten das Ergebnis vor. Ist es positiv, kommt die werdende Mutter gleich auf die Covid-Station. Zusätzlich zum Schnelltest werde aber immer auch ein 24-Stunden-Test gemacht, der noch verlässlichere Aussagen trifft.

Aber nicht immer haben Schwangere so viel Zeit. Haben die Wehen schon zu heftig eingesetzt, dürfen die Frauen sofort zum Kreißsaal und werden vom 16 Kräfte umfassenden Hebammenteam betreut. Ist nach der Geburt klar, dass die Frau positiv ist, wird sie gleich auf die Covid-Station verlegt, wo sie genauso von den Geburtshelferinnen begleitet wird wie auf der normalen Neugeborenenstation – nur eben mit dem Unterschied, dass die Hebammen neben FFP-3-Masken auch noch die komplette Schutzausrüstung tragen. „Seit Oktober nehmen die Fälle zu“, sagt Schwade. Bis Oktober habe man ganze zwei Frauen mit Corona gehabt, jetzt werden es mehr. „Wir schulen uns mit jedem ‘Fall’ weiter“, gibt sich die Kreißsaalleiterin optimistisch.

Corona sorge dafür, dass Mütter und Väter enger zusammengewachsen seien

Und sie muss lachen bei der Frage, ob denn positiv getestete Frauen mit Maske hecheln müssten. „Nein, auf keinen Fall. Das kann man von keiner Schwangeren verlangen“, amüsiert sie sich. Aber so lange die Frauen auf der Station herumlaufen, sind sie schon zum Tragen einer Maske verpflichtet. Genauso wie die Ehepartner, die nach der Geburt entweder mit ins Familienzimmer einziehen dürfen (und dann dort bis zur Entlassung der jungen Mutter bleiben müssen) oder Mutter und Kind an den Tagen danach zwischen 15 und 18 Uhr maximal drei Stunden besuchen dürfen. Als einzige in der Familie. „Wer die Mutter in den Kreißsaal begleitet hat, darf sie als einziges dann auch besuchen“, klärt Schwade weiter auf.

Die 28-Jährige, die seit drei Jahren im Klinikum arbeitet und jetzt das Kreißsaal-Team leitet, hat beobachtet, dass Mütter und Väter durch Corona enger zusammengewachsen seien. „Ich finde, man spürt, dass sich beide durch das viele Zusammensein intensiver auf die Geburt und die neue Rolle vorbereitet haben“, sagt sie. „Das finde ich sehr schön.“

Die Fragen, die die Schwangeren haben, haben sich ihrer Meinung nach durch die Pandemie nicht verändert. „Habe ich schon Milch, wenn das Kind kommt?“, sei die am häufigsten gestellte Frage.

Die Zahl der Geburten hat sich durch Corona kaum verändert. Vom 1. Januar bis zum 17. November waren es in diesem Jahr 1217 Kinder, die geholt wurden. Im gesamten Jahr 2019 kamen insgesamt 1500 Kinder zur Welt. Aber das Jahr ist ja auch noch nicht vorbei. „Wir erwarten im Dezember ein bisschen mehr Aufruhr“, glaubt Schwade, „dann kommen die Corona-Kinder“.

Zu Corona-Zeiten hat sich die Anzahl der Geburten nicht groß verändert.

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