Frauenhaus wappnet sich für Anstieg der Fälle

Häusliche Gewalt: Mehr Hilferufe nach Corona-Lockerungen

Was tun? Etwa jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben sexuelle oder körperliche Gewalt.
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Was tun? Etwa jede vierte Frau erlebt in ihrem Leben sexuelle oder körperliche Gewalt.

Quarantäne, Kontaktbeschränkungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Sorgen: Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass die häusliche Gewalt in Deutschland vermutlich zunimmt. Auch in Hanau und Region.

Hanau - Rund drei Prozent der Frauen wurden laut einer Studie des Leibniz-Instituts in der Corona-Zeit Opfer von häuslicher Gewalt. Dennoch ging die Zahl der Frauen, die im Hanauer Frauenhaus Zuflucht suchten, leicht zurück, wie Elena Möller-Botzum, Mitarbeiterin des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der Trägerverein des Frauenhauses ist, berichtet. Doch woran liegt das?

„Wenn die Frauen, bedingt durch die Kontaktbeschränkungen, keine Möglichkeit haben, ihrem Partner zu entkommen, dann gehen auch bei uns weniger Anrufe von Frauen ein, die Hilfe benötigen“, sagt Möller-Botzum, „doch wir merken seit den Lockerungen, dass die Fallzahlen wieder ansteigen“. Schon mit Beginn der Corona-Pandemie und den einhergehenden Kontaktverboten hat der Verein allerdings vorsorglich reagiert und von der Baugesellschaft in Kooperation mit der Stadt Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis zwei zusätzliche Wohnungen bekommen, um bei einem Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt schnell reagieren zu können. Denn auch jetzt sind die Plätze im Frauenhaus fast immer besetzt. Grund dafür sind neben geringen Kapazitäten auch die schwierige Lage auf dem privaten Wohnungsmarkt, die es vielen Frauen erschwert, nach der Zeit im Frauenhaus in eine eigene Wohnung zu ziehen.

Hanau: Plätze im Frauenhaus fast immer besetzt

Zwar waren die zusätzlichen Wohnungen während des Höhepunkts der Pandemie nicht immer voll ausgelastet, wie Möller-Botzum berichtet, dennoch könnten die Wohnungen bald gebraucht werden: „Es ist zu vermuten, dass der Anstieg erst verzögert kommen wird“, sagt auch die Frauenbeauftragte der Stadt Hanau, Monika Kühn-Bousonville. Zu den zwei Wohnungen hat die Stadt kürzlich noch eine Ferien- und Monteurswohnung angemietet, um sie für von Gewalt betroffenen Frauen zur Verfügung zu stellen. „Hintergrund ist, dass aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen Frauen und ihre Kinder, die Unterkunft benötigen, zunächst eine zweiwöchige Quarantänezeit durchlaufen müssen, bevor sie ins Frauenhaus können“, erklärt die Frauenbeauftragte der Stadt, „die neu bereitgestellten Wohnungen decken derzeit den Bedarf; sollte sich eine Veränderung ergeben, ist die spontane Anmietung von weiteren Ferien- oder Monteurswohnungen jederzeit möglich.“

Ein weiterer Grund für die zurückgehenden Zahlen während der Corona-Zeit kann auch der verminderte Kontakt zu Freunden oder Nachbarn sein, die Polizei oder Hilfestellen auf die Gewalt aufmerksam machen könnten.

Häusliche Gewalt: Hilfe für Betroffene in Hanau und Region

Die Personen im Umfeld möchte das Frauenbüro der Stadt Hanau deshalb gezielt ansprechen und ihre Aufmerksamkeit schärfen. In Anlehnung an eine Aktion der Bundesregierung hat das Frauenbüro Plakate an Discounter und das Forum verteilt. Dort wird unter anderem auf die Internetadresse stärker-als-gewalt.de verwiesen, die Hilfe für Betroffene bietet, aber auch Unterstützung für Menschen, die Gewalt in ihrem näheren Umfeld vermuten.

„Wichtig ist, da sehr aufmerksam zu sein, denn nicht immer haben Betroffene äußerlich sichtbare Anzeichen einer Gewalteinwirkung“, sagt Möller-Botzum, „häufig äußert es sich im veränderten Verhalten von Frauen, dass ihr Partner sie bedroht, physisch oder psychische Gewalt ausübt; häusliche Gewalt hat viele Gesichter.“

Wer häusliche Gewalt erlebt oder im privaten Umfeld vermutet, wendet sich an das Hilfetelefon 08000 116 016. Bei akuten Situationen hilft der Anruf bei der Polizei, die bei häuslicher Gewalt häufig den Aggressor aus der Wohnung entfernt. (Von Lukas Reus)

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