Kommunalwahl 2021

Hanau in die Zukunft führen: Digitale Diskussionsrunde mit den Kandidaten im Vorfeld der OB-Wahl

Weitestgehend waren sich die Hanauer OB-Kandidaten einig: Hanau voranzubringen, das muss das Ziel sein. Das steckt hinter der Motivation zur Kandidatur für die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl am Sonntag – auch wenn jeder unterschiedliche Schwerpunkte setzt.

Hanau – Diese wurden bei der virtuellen Podiumsdiskussion des HANAUER ANZEIGER am Dienstagabend deutlich. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das bewährte Format ins Netz verlagert. Jens Böhringer (CDU), Jochen Dohn (Die Linke), Claus Kaminsky (SPD), Gerhard Stehlik (parteilos) und Anja Zeller (Grüne) diskutierten vom heimischen Schreibtisch aus über die Themen, die für Hanau zukunftsweisend sind. Der für die AfD ins Rennen gehende Meysam Ehtemai sowie der parteilose Sven Zinserling nahmen nicht an der Runde teil.

Moderiert von Redaktionsleiterin Yvonne Backhaus-Arnold und Redakteur Holger Weber-Stoppacher widmete sich die rund zweistündige Gesprächsrunde den Themen Corona, sozialer Wohnungsbau und Vielfalt der Stadtgesellschaft. Dabei konnten die Kandidaten ihre Positionen in einer Redezeit von anderthalb Minuten darlegen. Wer zu lange sprach, wurde stummgeschaltet.

Kaminsky und Zeller wollen keine tote Innenstadt in Hanau

„In die Innenstadt nur mit negativem Coronatest?“, lautete eine der ersten Fragen an die Kandidaten. Dass das kein geeignetes Modell sei, darüber waren sich alle einig. Alleingänge einzelner Städte, wie in Tübingen, seien nicht zielführend, meinte Dohn. Böhringer, mit 35 Jahren der Youngster im Bewerberteam, bewertete die bisherigen Coronamaßnahmen in der Grimmstadt als richtig. Kommunikation sei vor allem in der Krise wichtig. „Wir müssen da hinkommen, dass jeder informiert ist und dadurch das, was beschlossen wurde, umgesetzt werden kann“, so der CDU-Kandidat.

Eine tote Hanauer Innenstadt könne aus Sicht von Amtsinhaber Kaminsky nur mithilfe der Bürger verhindert werden: „Wir alle müssen dem örtlichen Einzelhandel eine Chance geben.“ Dazu rief auch Zeller auf. „Unterstützt die Geschäfte und die Lokale vor Ort“, appellierte sie und zeigte sich guten Mutes, „wenn nur alle zusammenhalten.“

Zuschauer konnten Fragen an die OB-Kandidaten aus Hanau stellen

Böhringer warf ein, die zukünftige Innenstadt neu denken zu müssen, mit mehr Events, mehr Kultur, mit einem Erlebnischarakter, der einen City-Besuch noch attraktiver mache. Zudem dürften die Entwicklungsprozesse in den Stadtteilen nicht vernachlässigt werden. „Hier gibt es noch großes Potenzial“, so Böhringer. Stehlik verwies auf den Tourismus, durch den zusätzliche Besucher in die Innenstadt geholt werden könnten. „Hier müsste viel mehr getan werden“, so der Parteilose.

Die HA-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl fand coronabedingt digital statt. Die fünf teilnehmenden Kandidaten und zwei HA-Moderatoren diskutierten die wichtigsten Themen in der Grimmstadt.

Auch die Facebook-Zuschauer hatten Gelegenheit, sich und ihre Fragen über die Kommentarfunktion einzubringen und machten davon rege Gebrauch. Unter anderem wurde OB Kaminsky nach den zusätzlichen Belastungen der Bürger durch die Kreisfreiheit gefragt. Damit sei nicht zu rechnen, so der OB. Er verwies darauf, dass man bereits jetzt die Vorteile einer Kreisfreiheit beim Bürgerservice und der Berufsfeuerwehr sehen könne.

Böhringer und Kaminsky punkten bei den Auflockerungsrunden

Ein weiterer Zuschauer fragte die Runde nach Möglichkeiten, die durch Corona entstandenen Lernrückstände der Schüler aufzuholen. Stehlik: „Den schwächeren Schülern muss besonders intensiv geholfen werden, darum muss sich die Schulgemeinde kümmern.“ Dohn stimmte zu, dass vor allem den sozial Schwachen geholfen werden müsse. „Das Kultusministerium hat den vergangenen Sommer verschlafen“, sagte der Kandidat der Linken und schlug vor, dass die Stadt zusätzliche Räumlichkeiten zum Unterrichten zur Verfügung stellen könnte.

Doch es wurde nicht nur über harte Fakten diskutiert. In einer Auflockerungsrunde konnten die OB-Kandidaten ihre Märchenkenntnisse unter Beweis stellen. Dabei galt es, nur durch den Anfangssatz zu erkennen, welches Grimmsche Märchen sich hinter den ersten Worten verbarg. Bremer Stadtmusikanten, Froschkönig – Gänsemagd. Böhringer und Kaminsky bewiesen sich hier als absolute Experten.

Dohn kritisierte Pioneer

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum herrschte weit weniger Einigkeit: Dohn forderte eine Quote für öffentlich geförderten Wohnungsbau, schlug vor, dass die Baugesellschaft neu in sozialen Wohnungsbau investiert und städtische Grundstücke in Erbpacht abgegeben werden. „So wie auf Pioneer darf es auf keinen Fall mehr werden“, sagte Dohn an Kaminsky adressiert. Der OB wusste sich zu verteidigen: „Eine Stadt lebt auch davon, dass die Normalverdiener ein attraktives Wohnraumangebot haben, und dafür haben wir mit Pioneer und anderen Projekten viel getan.“ Böhringer warf ein, dass es doch nicht sein könne, dass Hanauer Familien aus der Grimmstadt wegziehen müssen, weil sie sich in Hanau keine Immobilie/Wohnung leisten können. „Wir brauchen eine gesunde Mischung aus teurem und günstigem Wohnraum“, forderte er.

Zeller hingegen visionierte einen Leerstandsmanager, einen Wohnraummanager um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was vorhanden ist, was leer steht und einer Umnutzung zugeführt werden kann. Zeller: „Nur neu bauen kann nicht die Lösung sein.“

Böhringer will Multikultigesellschaft an die Kinder weitergeben

Welcher Kandidat sich wen als OB wünschen würde, würde er selbst nicht gewählt, war die Frage einer weiteren Auflockerungsrunde. Das Ergebnis: Böhringer und Kaminsky konnten die meisten Stimmen auf sich vereinen, woraufhin Moderator Weber-Stoppacher schmunzelnd schloss: „Es bahnt sich also eine Große Koalition an.“

Zum Themenpunkt Vielfalt stellte der OB fest, wie stolz er darauf ist, dass sich Hanau auf so vielfältige Weise zu Offenheit und gegen Rassismus bekennt. Zeller: „Das Miteinander ist auf jeden Fall der richtige Weg, das muss noch mehr gefördert werden.“ Böhringer machte deutlich, wie wichtig es ist, Alltagsrassismus mit aller Entschlossenheit entgegenzutreten, gerade in Hanau mit seiner Multikultigesellschaft. „Es ist unser Auftrag, das an unsere Kinder weiterzugeben.“ (Von Kerstin Biehl)

Rubriklistenbild: © Hanauer Anzeiger (Screenshot)

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