Spendenkampagne gestartet

Ausfälle kaum zu kompensieren: Hospiz droht der Kollaps

Leiterin Jeanette Marquardt (links) macht sich Sorgen um die finanzielle Ausstattung der Einrichtung, in welcher der Vater von Gabriele Kolinko betreut wird.
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Leiterin Jeanette Marquardt (links) macht sich Sorgen um die finanzielle Ausstattung der Einrichtung, in welcher der Vater von Gabriele Kolinko betreut wird.

Das Hospiz Louise de Marillac in Hanau ist bekannt für seine gefühlvolle Begleitung in den letzten Stunden. Nun kämpft das Haus selbst gegen den schleichenden Tod.

Hanau - „Wenn ich hier zur Tür hereinkomme, dann fühle ich mich fast wie zu Hause. Nachdem meine Mutter vor drei Jahren ihre letzten Tage im Hospiz Louise de Marillac verbracht hat, ist derzeit mein Vater Gast in der Einrichtung“, stellt Gabriele Kolinko aus Mühlheim fest.

Obwohl das Hospiz und die Mitarbeiter von allen Seiten großes Lob und Anerkennung erfahren, machen sich Sorgenfalten bei der Leiterin des Hospizes, Jeannette Marquardt, breit: „Wir müssen fünf Prozent unseres Budgets jährlich über Spenden generieren – wir sprechen hier von 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr. Und die fallen derzeit größtenteils weg. Hinzu kommt, dass wir nicht ausgelastet sind, das reißt ein weiteres Loch in die Kalkulation.“

Hospiz Louise de Marillac in Hanau: „Eine schützende Glocke über schwerkranken Menschen“

Vor drei Jahren haben die MitarbeiterInnen und Mitarbeiter des Hospizes Louise de Marillac die Mutter von Gabriele Kolinko, die über eine Bekannte von der Einrichtung am Frankfurter Tor erfahren hatte, auf ihren letzten Tagen begleitet. Als nun die Krebserkrankung ihres Vaters voranschritt, war dessen größter Wunsch, ebenfalls in die Einrichtung gebracht zu werden. „Ich hatte vor der schweren Erkrankung meiner Mutter keine Ahnung von Hospizarbeit. Inzwischen weiß ich, mit wie viel Liebe und Hingabe die todkranken Menschen betreut werden. Es ist eine Welt für sich, die wie eine schützende Glocke über den schwerkranken Menschen schwebt“, beschreibt Kolinko ihre Eindrücke.

„Die Gäste werden hingebungsvoll gepflegt und die Angehörigen in ihrem Leid aufgefangen. Da meine Eltern gläubig sind, hebt die Arbeit der Schwestern Elisabeth und Franziska, letztere ist immerhin schon 90 Jahre alt, das Hospiz Louise de Marillac sich von anderen Einrichtungen ab“, stellt Gabriele Kolinko fest. „Ich arbeite seit 2008 in der Einrichtung und habe in dieser langen Zeit noch nie erlebt, dass Gästezimmer nicht belegt waren. Früher gab es teilweise eine lange Warteliste. Seit Beginn der Pandemie hat sich das geändert“, gibt Jeannette Marquardt zu Protokoll. Das vergangene Jahr hätte die Einrichtung noch finanziell unbeschadet über die Runden gebracht, jetzt habe sich die Lage verschärft.

Hospiz Louise de Marillac in Hanau: Betrieb nur durch Spenden aufrecht zu erhalten

„Schon mit der zweiten Welle haben wir eine deutliche Zurückhaltung gespürt, jetzt scheuen sich immer mehr Angehörige, ihre Schwerkranken im Hospiz anzumelden, weil sie beispielsweise Angst vor Besuchsverboten haben“, benennt die Einrichtungsleiterin die Hauptursache für die leer stehenden Zimmer. „Anders als in Krankenhäusern sind bei uns Besuche weiterhin möglich. Jeder Gast kann einen Besucher empfangen. Sollte sich das Krankheitsbild aber negativ verändern, reagieren wir sofort und lassen so viele Besucher wie machbar zu. Wir handeln da sehr dynamisch und flexibel“, betont Jeanette Marquardt. Sie lobt, dass sich die Besucher „sehr diszipliniert“ im Haus verhalten und fügt hinzu, dass „95 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits zweimal geimpft sind“.

Um eine drohende finanzielle Schieflage des „Hospizes, das zu Hanau und Umgebung gehört“, zu vermeiden, hat der Träger eine Informationsoffensive gestartet. Christoph Helfenbein berichtet, dass zum einen die Homepage des Hospizes neu und übersichtlich gestaltet worden sei. Dort finde man alle wichtigen Informationen, zum Beispiel auch zu der flexiblen Besucherregelung. Zudem habe man eine Facebook-Seite aufgesetzt und plane weitere Aktivitäten in den sozialen Medien. Um Einnahmeausfälle durch Spenden zu kompensieren, könnten jetzt Unterstützer der Hospizarbeit ganz einfach über ein Online-Spendenformular auf der Homepage die Einrichtung finanziell unterstützen.

Hospiz Louise de Marillac in Hanau: Finanzielle Unterstützung durch Corona eingebrochen

„Wir hatten in der Vergangenheit so viel Unterstützung durch Spenden und Aktionen für das Hospiz, dass eine Gefährdung der Einrichtung nie im Raum stand. Aber die Pandemie hat in dieser Hinsicht sehr viel ausgebremst. Es gibt weiterhin genügend Ideen, um das Hospiz finanziell zu unterstützen, aber die Infektionslage lässt die Umsetzung der Projekte derzeit nicht zu. Und wie lange die Einschränkungen noch aufrecht erhalten werden müssen, wissen wir nicht“, beschreibt Jeanette Marquardt die ungewisse Lage.

„Deshalb sind wir auch sehr froh, dass Geschäfte in Hanau und Umgebung uns die Möglichkeit geben, demnächst mit Plakaten in den Schaufenstern auf die Einrichtung und die Spendenmöglichkeit per QR-Code hinweisen zu dürfen“, freut sich die Pflegedienstleiterin über jegliche Unterstützung in schwierigen Zeiten.

Aktuelles zum Hospiz und der Spendenkampagne finden sich unter hospiz-louise-hanau.de. (Thomas Seifert)

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