Whiskey für den „Dichter-König“

„Best oft Hanau Poetry Slam“ bereichert Hanauer Kultoursommer

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Fairer Applaus für den Sieger: Poetry Slammer Jule Weber und Philipp Herold spendeten dem Frankfurter Jan König Beifall, der beim „Best of Hanau Poetry Slam 2019“ die Dichter-Krone errang.

Knapp 300 Freunde zeitgemäßer Dichtkunst waren am Mittwochabend der Einladung des städtischen Veranstaltungsbüros zum „Best of Hanau Poetry Slam“ vor die Bühne am Comoedienhaus gefolgt.

Hanau – Nach knapp drei Stunden mit Texten und Musik hatte sich der Frankfurter Slammer Jan König die Krone im kollegialen Wettstreit verdient.

Und immer noch gewinnt der Dichterwettstreit, der in Hanau bereits zum 69. Mal ausgetragen wurde, neue Liebhaber. Viele Gäste nahmen zum ersten Mal an einer derartigen Veranstaltung teil, wie Moderatorin Dominique Macri eingangs in einer Umfrage ermittelte. Und für die gab es dann auch die kurze Einführung ins Prozedere: Jeder der acht Poeten hat fünf Minuten Zeit, seinen Text vorzutragen. Requisiten sind nicht erlaubt, der Text muss aus der eigenen Feder stammen, per Applausfrequenz werden die Poeten ermittelt, die den Schritt ins Finale schaffen.

Diese Entscheidung war nicht einfach bei der hochkarätigen Besetzung auf der Bühne, denn dort gaben sich Hessenmeister, deutsche Vizemeister und bei anderen Wettbewerben bereits preisgekrönte Poetry Slammer ein für das Publikum durchweg anregendes Stelldichein, nachdem die Darmstädter Geigerin und Singer-Songwriterin Lucie Paradis den Abend musikalisch eingeleitet hatte.

Es gab Ernstes zu hören zum Thema Beziehung, Zweisamkeit und Einsamkeit. Anna Teufel aus Karlsruhe skizzierte die Zweifel daran, ob die Verbindung stimmig ist, für Jule Weber aus Bochum waren die dabei auftretenden menschlichen Unzulänglichkeiten „Fehler im System.“ Luka Swieter aus Aachen gab tiefe humoristische Einblicke in die Gründe für die Entscheidung, wo und in welcher Stadt man leben möchte. Wichtig ist, dass ein Bahnhof in der Nähe ist – als Garant für eine schnelle Flucht.

Das Aufeinandertreffen unvereinbarer Weltbilder in einer Beziehung war Thema im Text von „Gax“ Axel Gundlach aus Frankfurt. Philipp Herold befasste sich eingehend mit Überlegungen zur männlichen Rolle und riet zum Mut, dem Klischee zu entfliehen, die Zwischentöne aufzunehmen und zu leben.

Viele Lacher erntete Clemse Lebemann aus Frankfurt für seine Geschichte, die vorwiegend mit dem Einsatz von Biermarken-Namen erzählt wurde. „Wach sein, weg sein“ war Thema des Beitrags der Dichterin Pauline Füg aus Fürth. Scheitern kann lustvoll sein, zumindest wenn es von Jan König aus Frankfurt in einen schrägen Text gepackt wird. König überzeugte das Publikum sowohl in der Eingangsrunde, als auch im Finale, in dem er mit Jule Weber und Philipp Herold dichterisch um die Krone eiferte. Sein liebevoll satirischer Blick auf die leicht verwirrten und sehr eigenen Großeltern bescherte ihm schließlich die Trophäe: die obligatorische Flasche Whiskey.

Mit der „Wilden Nacht der Wirtshausmusik“ geht der 33. Hanauer Kultoursommer heute, 19.30 Uhr, in die nächste Runde. Das Duo „Tom & Basti,“ „Schleudergang,“ und die „Gruambuam“ stehen auf der Bühne und bieten stimmungsvolle bayerische Wirtshausmusik.

VON DIETER KÖGEL

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