Hobby zum Beruf gemacht

Bier aus Hanau - Gerald Kathan knüpft an „Staanemer Braukunst“ an

Brauer Gerald Kathan hat in seine kleine Brauerei an der August-Fecher-Straße viel Zeit und Geld investiert. Nun hofft er, dass seine dort hergestellten Biere auf den Geschmack der Kundschaft treffen.
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Brauer Gerald Kathan hat in seine kleine Brauerei an der August-Fecher-Straße viel Zeit und Geld investiert. Nun hofft er, dass seine dort hergestellten Biere auf den Geschmack der Kundschaft treffen.

Er macht das, wovon viele träumen: Sein Hobby zum Beruf. Auch, wenn dies zunächst so nicht geplant war. Und ganz nebenbei knüpft er damit an eine fast schon vergessene Steinheimer Geschichte an.

Steinheim – Gerald Kathan lässt die Steinheimer Tradition des Bierbrauens wieder aufleben - 98 Jahre nachdem die letzte Brauerei im Stadtteil ihr Handwerk einstellte.

1921 war im Hofbrauhaus letztmals Bier gebraut worden, danach hat die letzte Steinheimer Brauerei dicht gemacht. Mit einem Brauerei-Eröffnungsfest im „Hexehäuschen“ an der Darmstädter Straße und Besichtigungsmöglichkeit seiner um die Ecke liegenden Brauerei werden am Samstag, 23. November, die neuen Steinheimer Biere unter dem Label „Staanemer Braukunst“ erstmals öffentlich ausgeschenkt. Gerald Kathan, den seine Freunde nur „Garry“ nennen, ist gespannt, wie seine Biere ankommen.

Hanau: Bier brauen als Hobby

Der 54-jährige Steinheimer braut nach deutschem Reinheitsgebot Pils, Hefeweizen und Helles. Dabei setzt er auf die klassische Braukunst. Seine Biere seien unfiltriert und nicht ultrahocherhitzt - und chemische Zusätze seien für ihn ohnehin tabu. „Der reine ursprüngliche Geschmack soll ja erhalten bleiben“, unterstreicht Kathan.

Bei einer Geschäftsreise nach Colorado (USA) kam der Steinheimer in einem Pub mit Brauerei das erste Mal mit dem Bierbrauen in Kontakt. „Das hat mich beeindruckt“, erinnert sich „Garry“ Kathan. Zuhause habe er es dann selbst mal versucht und sein erstes Bier in einem 20-Liter-Kocher gebraut. Fortan sei er vom „Bierbrauvirus“ gepackt gewesen.

Hanau: Brauer aus Leidenschaft

„Staanemer Braukunst“ heißt das neue Label.

Das geht dann zuweilen soweit, dass er sogar seine Urlaubspläne nach seinem Hobby ausrichtet. „Im Urlaub mit meiner Frau Andrea muss immer irgendwo auch eine Brauerei in der Nähe sein, die ich besichtigen kann. Meine Frau meint, ich sei ein Naturtalent, denn das Brauen von Bier hat von Anfang an gut geklappt.“

Im Laufe der Jahre entwickelte Hobbybrauer Kathan verschiedene Bierrezepte und schrieb das Mischungsverhältnis aus den Grundbestandteilen Malz, Hopfen und Hefe grammgenau nieder.

„Alle meine Zutaten kommen aus Deutschland. Der Hopfen etwa kommt aus der Hallertau und ich verwende nur deutsche Hefestämme von Weihenstephan“, erläutert Kathan.

Der Vater von zwei Söhnen war 19 Jahre lang im Management eines Konzerns für Flugzubehör tätig. „Das war ein echt stressiger Job. Als die Niederlassung in Kelsterbach geschlossen wurde, habe ich mich gefragt: Und was machste jetzt?“


Aber da war ja noch sein Bierbrau-Talent. In einem Nebengebäude in der August-Fecher-Straße 4 fand der Steinheimer ideale Räume für die Einrichtung einer Brauerei. Seit April war er damit beschäftigt, die Räume herzurichten, ein neuer Industrieboden und Sanitärräume mussten her, Kühl- und Lagerstätten gebaut, eine entsprechende Elektroinstallation verlegt werden. Zudem musste sich Gerald Kathan um die nicht wenigen behördlichen Auflagen kümmern.

Mehr als 50.000 Euro investiert

Investitionen jenseits der 50 000 Euro habe er bisher getätigt. Unter anderem kaufte er drei Maischebehältern mit Rührwerk für das Sudhaus, eine Malzmühle sowie drei Gärbehälter mit einer Kapazität von je 625 Liter.

In den Stahlbehältern findet unter Druck die Vergärung des zuvor gekochten Biersuds bei konstanten Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad statt. „Das dauert fünf Tage in der Haupt- und weitere fünf Tage in der Nebenvergärung“, erzählt Kathan. Danach muss das Pils noch einige Zeit in Fässern lagern, bis es auch so richtig schmeckt.

Für das Brauereifest in drei Wochen werden in den Behältern im untergärigen Brauvorgang jeweils 500 Liter Pilsbier gebraut. „Und in einer kleineren Brauanlage braue ich derzeit noch Hefeweizen - obergärig bei 20 bis 24 Grad“, erzählt Kathan.

Zu den Anschaffungen gehören natürlich auch Bierfässer und viele hundert sogenannte „Longneck“-Flaschen mit Bügelverschluss zum Abfüllen seiner „Staanemer Braukunst“. Nur Hefeweizen gibt es vorerst nur in Fassabfüllungen.

Das Label „Staanemer Braukunst“ mit der Ansicht von Schloss und Schlossturm sowie das Etikett für seine Bierspezialitäten hat der Braumeister gemeinsam mit Freunden entwickelt. Über seine Rezepte und Mischungen führt der Braumeister grammgenau Buch, das sei etwa wegen der Malzchargen behördlich auch so gefordert, erzählt „Garry“ Kathan.

„Wenn meine Biere gut angenommen werden, könnte ich mich hier auch noch erweitern“, ist Kathan beim Blick in seine Brauerei optimistisch. „Ohne meine Freunde, die mir bei der Renovierung der Räume und der Einrichtung des Brauhauses wirklich sehr geholfen haben, hätte ich das aber alles nicht geschafft“, freut sich Kathan nun auf das Brauerei-Eröffnungsfest, das am 23. November ab 13 Uhr im „Hexehäuschen“ groß gefeiert wird. 
VON HOLGER HACKENDAHL

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