Spuren in den Herzen hinterlassen

Dieter Stegmann, langjähriger Leiter der Brüder-Grimm-Festspiele, ist mit 76 Jahren verstorben

Motor und Gesicht der Hanauer Festspiele: Dieter Stegmann, aufgenommen 2012.
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Motor und Gesicht der Hanauer Festspiele: Dieter Stegmann, aufgenommen 2012.

Der ehemalige Leiter der Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau ist tot. Dieter Stegmann, viele Jahre Motor und Gesicht des Festivals in der Geburtsstadt der Brüder-Grimm, verstarb am Montag im Alter von 76 Jahren in seiner Wahlheimat Büdingen.

Hanau – „Dieter Stegmann hat Spuren hinterlassen - in unserer Stadt und in unseren Herzen. Sein endgültiger Abschied von der Bühne des Lebens hinterlässt eine Lücke, die uns immer an ihn erinnern wird“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck zum Tod Stegmanns.

Dieter Stegmann war 21 Jahre lang für die Festspiele tätig. „Sein Einsatz und Engagement haben das Fundament dafür gelegt, dass die Open-Air-Reihe zu einer weit über die Stadtgrenzen hinaus wirkenden Kulturveranstaltung geworden ist“, würdigt Kaminsky in seinem Kondolenzschreiben an die Ehefrau Ulla Röhrs, die langjährige Kostümbildnerin der Festspiele, die Bedeutung Stegmanns für die Hanauer Kulturlandschaft. „Seine konstruktiv-kritische, manchmal auch streitbare Haltung bei allem, was ihm am Herzen lag“, sei stets „mit großer Liebenswürdigkeit gepaart“ gewesen

Stegmann wurde 1942 in Köln geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Theatermaler an den dortigen Städtischen Bühnen. Anschließend studierte er Design. An den Städtischen Bühnen war er als Theatermaler, zeitweise auch als Regieassistent tätig. Es folgten weitere Anstellungen als Bühnenbildner in Ingolstadt, Wilhelmshaven und Bielefeld.

Als Bühnenbilder kam er 1985 auch nach Hanau, auf Initiative seines Freundes Henrik Helge, erster Leiter der in diesem Jahr aus Anlass des 200. Geburtstages von Jacob Grimm ins Leben gerufenen Festspiele. In der Premierensaison gab es 18 Vorstellungen und 8500 Besucher bei den Aufführungen, die damals im Schlosspark stattfanden. Als Stegmanns Engagement 2006 endete – 1992 war ihm die Festspielleitung übertragen worden – waren es knapp 100 Aufführungen und 82300 Besucher.

Schon in den ersten Jahren in Hanau schrieb und inszenierte Stegmann jeweils ein Stück für die Festspiele und erstellte auch das Bühnenbild. Nachdem er die Nachfolge von Henrik Helge als Festspielleiter antrat, weitete er den Spielplan aus und sorgte für eine wachsende Professionalisierung. Unter anderem führte er das Musical ein, seither jeweils ein Highlight im alljährlichen Spielplan.

Ein großer Schritt war der Umzug des Festivals ins für die Landesgartenschau 2002 erbaute Amphitheater; auch für Stegmann, der stets auch den familiären Charakter des Festivals bewahren wollte, eine bedeutende Neuerung.

31 Geschichten aus der 1812 erstmals erschienenen Sammlung der insgesamt 200 Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm hat Stegmann in 38 Produktionen auf die Bühne gebracht. Das ist rund die Hälfte aller Festspiel-Inszenierungen während seines 21-jährigen Engagements in Hanau.

Dabei stand für Stegmann stets das Publikum im Mittelpunkt, wie er in einem seiner Interviews mit unserer Zeitung betonte. Er wollte mit den Stücken Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen. Und er bemühte sich darum, die Grimmschen Märchen nicht nur zu dramatisieren, sondern auch zu aktualisieren und sozialkritische Elemente einzubauen.

Mit dem Ende seiner Intendanz 2006 wurde Stegmann für seine Verdienste um die Festspiele mit der August-Gaul-Plakette geehrt, der höchsten kulturellen Auszeichnung der Stadt Hanau.

Auch nach seinem Abschied von den Festspielen trat Stegmann in Hanau nochmals mit einem prominenten Projekt auf: 2012 als Regisseur der historischen Collage über „Die Freiheitskämpfer von Hanau“. Aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Turngemeinde Hanau wurde darin die Bedeutung der Turnerbewegung thematisiert.

In einem Nachruf würdigt auch der seit 2013 amtierende Intendant Frank-Lorenz Engel die Bedeutung Stegmanns für die Festspiele. Stegmanns Pioniergeist und Begeisterung wirkten in den Köpfen und Herzen der Menschen bis heute nach.

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