Mit Waldi in einem Grab?

Diskussion über gemeinsame Mensch-Tier-Bestattungen

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Ein boomender Markt: Immer mehr Tierbesitzer lassen ihre Lieblinge einäschern. Allein die Auswahl der Urnen ist riesig. Aber immer häufiger gibt es auch den Wunsch nach gemeinsamen Mensch-Tier-Bestattungen.

In Essen und Braubach bei Koblenz gibt es das bereits: Friedhöfe, auf denen gemeinsame Urnenbestattungen von Mensch und Tier stattfinden. Ist das auch eine Option für Hanau? 

Hanau – Und nach Ansicht von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) wird das in absehbarer Zeit auch in Hessen möglich sein – vielleicht sogar auch Tierbestattungen auf Humanfriedhöfen. Dazu allerdings müssten in Hessen gesetzliche Bestimmungen geändert werden. Kaminsky äußerte sich am Donnerstagabend in illustrer Runde zu dem Thema als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, zu dem das City-Pastoral Hanau der Evangelischen Stadtkirchengemeinde in die Tierarztpraxis Hanau an der Brüder-Grimm-Straße eingeladen hatte.

Tierfriedhöfe oder Tierfriedwälder gibt es bereits seit Längeren in Deutschland. Doch offensichtlich gibt es einen immer häufiger geäußerten Wunsch von Tierbesitzern, über den Tod hinaus mit ihrem geliebten Tier verbunden zu bleiben. Das Unternehmen „Unser Hafen“ hat daraus das Angebot von gemeinsamen Mensch-Tier-Friedhöfen entwickelt, von denen es bislang zwei in Deutschland gibt.

Laut Richard Reiber, Tierbestatter aus Maintal, trifft dieses Angebot durchaus einen Nerv vieler Tierbesitzer. Auch er erlebt ebenso wie Tierärztin Dr. Ines Ott in seiner täglichen Arbeit häufig, welch außergewöhnliche Beziehungen zwischen Mensch und Tier entstehen können und wie der Tod eines Tieres als großer Verlust empfunden wird. In der Tierarztpraxis Hanau wurde fürs Abschiednehmen sogar eigens ein „Raum für Zeit“ eingerichtet, der genutzt wird, wenn ein Tier durch Einschläfern von seinen Qualen erlöst werden muss. „Ein Angebot, das bei Tierbesitzern auf sehr positive Resonanz stößt“, wie Dr. Ott aus vielen Gesprächen weiß.

Bestattung im Garten nur bei Kleintieren erlaubt

Die Bestattung eines Tieres im eigenen Garten ist im Prinzip nur bei Kleintieren erlaubt. Bei größeren Tieren nehmen mittlerweile viele Tierbesitzer die Dienstleistungen von Tierbestattern wie Richard Reiber in Anspruch, von denen es deutschlandweit rund 250 gibt. „Ein Markt, der boomt“, schätzt Reiber, dass mittlerweile 10 bis 15 Prozent der verstorbenen größeren Haustiere eingeäschert werden. Die Tierbestatter kooperieren dabei mit etwa 30 Tierkrematorien in Deutschland, in denen Haustiere verbrannt werden. Dann bekommen die Tierbesitzer die Asche ihrer Lieblinge entweder in einer Urne ausgehändigt oder diese wird beispielsweise in einem Tierfriedwald beigesetzt.

Diskutierten unter der Moderation von Pfarrer Stefan Axmann (r.): Tierärztin Dr. Ines Ott, Pfarrer Dr. Martin Abraham, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Tierbestatter Richard Reiber und Bestatter Thomas Herrmann.

Als Grabbeigabe, so informierte der Hanauer Bestatter Thomas Herrmann, sei es durchaus heute schon erlaubt, die aufbewahrte Asche eines Tieres dem verstorbenen Besitzer mit ins Grab zu legen. Eine nachträgliche Bestattung des Tieres im Grab des Besitzers sei indes nach geltendem Recht nicht möglich. Auf bestehenden Humanfriedhöfen hält Herrmann dies auch nur auf eigens dafür vorgesehenen und abgetrennten Grabfeldern für vorstellbar. Humanfriedhöfe generell auch für Tierbestattungen zu nutzen, gegenüber diesem Gedanke zeigte sich Herrmann ebenso skeptisch wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky: „Man sollte Respekt vor beiden Positionen haben: Der Wunsch nach gemeinsamen Tier-Mensch-Bestattungen ist ebenso zu respektieren wie die Position, dass dies nicht überall auf einem Humanfriedhof erlaubt sein sollte.“

Kirche will sich noch nicht festlegen

Die Evangelische Kirche habe zu diesem Thema noch keine eindeutige Position, verdeutlichte der Bruchköbler Pfarrer Dr. Martin Abraham. Klar sei, dass man Tieren als Teil der Schöpfung mit Respekt begegnen sollte. Tiere in eine Trauerrede für verstorbene Menschen einzubeziehen, habe er schon öfters getan, so Abraham. Aber eine Trauerrede für ein Tier zuhalten, das schließe er für sich als Geistlicher aus. Auch zeigte sich Pfarrer Abraham irritiert von Schilderungen des Tierbestatters Reiber, der davon berichtete, dass er schon Tierbeisetzungen erlebt habe „mit gebuchtem Trauerredner und 20 Menschen hinterm Sarg“. Abraham: „Und ich hab’ schon Bestattungen erlebt, da stand ich allein am Grab des Verstorbenen. Da frage ich mich schon, ob da nicht etwas schief läuft in unserer Gesellschaft ... ?“

Dirk Iding

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