Stadt will ehemaliges Kasernen-Areal kaufen

Einkaufszentrum auf Sportsfield?

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Während ein Teil von Sportsfield Housing (obere Hälfte) weiter als kommunale Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, gibt das Land den anderen Teil nun frei.

Seit gestern ist es offiziell: Das Hessische Ministerium für Finanzen teilte der Stadt mit, dass es den Standort Sportsfield Housing an der Aschaffenburger Straße gegenüber der Pioneer-Kaserne in Wolfgang nicht mehr als Erstaufnahmeeinrichtung für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt.

Hanau – Die Einrichtung, die im Sommer 2018 „passiv gestellt wurde“ und seither leer steht, könne somit einer neuen Nutzung zugeführt werden, heißt es in dem Schreiben an Oberbürgermeister Claus Kaminsky.
„Das sind gute Nachrichten“, freute sich Kaminsky. Zum einen sei dies ein weiterer Beleg für die rückläufigen Flüchtlingszahlen, „zum anderen heißt es, dass wir die Weiterentwicklung der ehemaligen US-Kaserne Sportsfield Housing früher angehen können als erwartet“, so Kaminsky. Insbesondere in Verbindung mit dem derzeit entstehenden Wohngebiet auf dem Areal der gegenüberliegenden Pioneer-Kaserne, fördere das die Dynamik der Entwicklung in Wolfgang.

„Wie im Fall der Pioneer-Kaserne planen wir als Stadt unser Erstzugriffrecht wahrzunehmen und die Liegenschaft von der Eigentümerin Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu erwerben“, erläutert Kaminsky. Zwar sei das Areal, wie berichtet, als dauerhaftes Wohnareal aufgrund der Nähe zu Industrie und Bahngleisen nicht geeignet, doch sei ein Gewerbegebiet dort sehr gut denkbar. Dort könnte beispielsweise ein Nahversorgungszentrum mit Einkaufsmöglichkeiten für die bis zu 5000 Menschen im künftigen Wohngebiet entstehen, heißt es.

Auf dem Sportsfield-Gelände befindet sich derzeit noch die kommunale Gemeinschaftsunterkunft der Stadt Hanau, in der momentan 850 Flüchtlinge untergebracht sind. „Der Betrieb dieser Einrichtung wird aufrechterhalten, so lange es nötig ist“, bestätigt Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. Die zehn Gebäude und das umliegende Gelände seien für einen Zeitraum von zehn Jahren von der BImA angemietet. „Aber natürlich ziehen wir diesen kommunalen Teil des Geländes in unsere Überlegungen für die weitere Entwicklung der Sportsfield-Kaserne ein“, so Kaminsky.

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Die Stadt hofft, bis Ende des Jahres Verfügungszugriff auf das frei werdende Kasernengelände zu haben, das bisher vom Land genutzt wurde. Kaminsky: „Dann werden wir mit der Verwertung loslegen, und dabei, wie beim Erfolgsmodell Pioneer-Park, auch private Investoren und Entwickler einbeziehen.“

Bereits im Sommer 2015 hatte die Stadt Hanau begonnen, zwei Wohnblocks auf dem Sportsfield-Gelände zu renovieren, um Platz für Flüchtlinge zu schaffen, die zunehmend ins Land kamen und auf die Kommunen verteilt wurden. Als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im September 2015 praktisch über Nacht fast 1000 Flüchtlinge nach Hanau geschickt wurden, die eine Unterkunft benötigten, wurde mit vereinten Kräften von Stadt und Main-Kinzig-Kreis sowie vielen freiwilligen Helfern die August-Schärttner-Halle als Notunterkunft hergerichtet. Dann sorgte die städtische Bauprojekt Hanau GmbH dafür, dass im Schnellverfahren zehn Wohnblocks auf Sportsfield Housing renoviert und mit Mobiliar ausgestattet wurde. So wurde dort innerhalb kürzester Zeit eine kommunale Gemeinschaftsunterkunft für rund 1500 Flüchtlinge geschaffen.

Pioneer-Kaserne: Blick hinter die Zäune

Auch das Land Hessen meldete kurz darauf Bedarf für eine eigene Erstaufnahmeeinrichtung an, und die Stadt Hanau veranlasste die Herrichtung von neun weiteren Blocks auf der anderen Seite des Sportsfield-Geländes. Diese wurden von der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes im Oktober 2015 bezogen. Die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort übernahm die Johanniter-Unfall-Hilfe Hanau und Main-Kinzig. Zeitweise lebten insgesamt 1500 Flüchtlinge in den beiden Einrichtungen auf Sportsfield Housing, bevor die Flüchtlingszahlen nach und nach zurückgingen.

„Durch die ausgezeichnete Kooperation von Stadt, Bund, Land, Kreis und Institutionen sowie das große Engagement vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer konnten wir damals eine humanitäre Krisensituation in vorbildlicher Weise bewältigen“, erinnern sich Kaminsky und Weiss-Thiel. Nun sei es an der Zeit, die Zukunft der Sportsfield-Kaserne in den Fokus zu nehmen und „eine Entwicklung anzustoßen, von der nicht nur der Stadtteil, sondern ganz Hanau und vielleicht die ganze Region profitieren werden“. (cs)

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