Einblick in das ganz private Paradies

Grüne Oasen und Rückzugsorte: Offene Gärten in Kesselstadt stoßen auf große Resonanz

+
Kleine Oasen mit Teichen und viel Grün sind die Privatgärten in Kesselstadt, die am Wochenende für Besucher öffentlich zugänglich waren.

Eine vor die Einfahrt gestellte Gießkanne mit kleinem Blumengesteck ist das verabredete Erkennungszeichen und weist den Besuchern den Weg. Der führt nicht ins heimische Wohnzimmer, sondern in den dahinter liegenden Garten.

Hanau – Zwölf Gartenbesitzer beteiligten sich beim diesjährigen Kesselstädter Gartenportal und öffneten ihre liebevoll gestalteten Grünflächen für Besucher.

Für Gartenfreunde sind die Kleinode ein großes Erlebnis, denn jeder Garten besticht durch seine einzigartige Gestaltung. Nutzgärten, in denen Fenchel und Himbeeren wachsen, gehören ebenso dazu wie parkähnliche Anlagen, Spieloasen oder japanisch inspirierte Grünflächen, die nach dem Prinzip des Feng Shui ausgerichtet sind. „Klarheit“ nennt Matthias Steier seine Landschaft mit japanischem Tzukobay, einem Wassergefäß mit Schöpfkelle als zentralem Gestaltungselement, das dem Besucher ein Willkommen signalisiert. Wie viele der Teilnehmer stand auch Steier der Idee, Fremde in den eigenen Garten einzuladen, anfangs skeptisch gegenüber. Doch die Resonanz war großartig. Viele Gespräche rund ums Grün, Pflanzenarten und Gartenidyll entstanden mit den Besuchern, die sich gerne Anregung für ihre eigenen Refugien holen.

Für die Initiatorin Stephanie Wölk ist das der Gedanke, der hinter dem Projekt „Kesselstädter Gartenportal“ steht. Die Gartenfreundin ist mit ihrem eigenen Garten dabei: Eine großzügige Grünlandschaft mit nachempfundenem Bachlauf, Teich, versteckten Ruhezonen und vielen Blütenpflanzen. Eines ist ihr besonders verhasst: Gärten, die zu Steinwüsten verkommen sind, weil sich die Eigentümer vor der Arbeit scheuen, die ein Garten nun mal bedeutet.

Ein Paradies für Hühner hält Familie Störkel bereit – vor allem für die kleinen Besucher eine Attraktion.

Viele der teilnehmenden Gärten sind auch ein Beispiel für ein wahres Insektenrefugium. Ursula Michel zeigt ihre im Garten heimischen Blumen und Bienenvölker, die mit ihrer Honigproduktion das Frühstück aufwerten.

Bei Familie Störkel heißt es „Welcome to Chicken’s Paradise“. Die Hühner sind Teil des Gestaltungskonzeptes. Sie laufen in der ehemaligen Hofreite frei herum und sind für die Kinder ein echter Blickfang. Im Gespräch mit den ortkundigen Besuchern ergibt sich auch manch kuriose Neuigkeit zur Historie des Geländes. „Wir haben so erfahren, dass die Hofreite einst dem Mann gehörte, der während des Krieges mit seinem Fuhrwerk die Toten im Ort aufsammelte“, erzählt die passionierte Gartenfreundin. An der ehemaligen Stallung hängt noch ein Schild mit dem Namen „Max“ und erinnert an das Pferd, das diesen Dienst versah.

Mancher Besucher nutzte die Ruhezonen auch für einen kleinen Mittagsschlaf bei bestem Sonnenwetter.

VON MATTHIAS GRÜNEWALD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare