Kein Lokal, langer Leerstand

Jagdhaus am Wildpark wird endlich saniert

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Die Sanierung des denkmalgeschützten Jagdhauses am Klein-Auheimer Wildpark ist angelaufen. Im nächsten Jahr soll dort wieder ein Gasthaus eröffnet werden.

Seit Ende 2015 steht das Jagdhaus am Wildpark leer, ist die Gastronomie zu. Die Sanierung geriet zur Hängepartie, weil Geld fehlte. Dass es am Wildpark, der jährlich von 210.000 Besuchern frequentiert wird, kein Lokal mehr gibt, sorgte für Kritik. Jetzt läuft die Sanierung endlich an.

Klein-Auheim – „Hier zeigt sich die Inkompetenz der letzten Jahrzehnte“, sagt Günter Hunold und deutet beim Baustellen-Rundgang auf eine Fachwerk-Wand, bei der die Gefache mit Betonsteinen gefüllt und kurzerhand mit Bauschaum ausgespritzt wurden. Es ist nur eines von unzähligen Beispielen dafür, wie lange Zeit mit dem über 300 Jahre alten, denkmalgeschützten Jagdhaus unterhalb des Klein-Auheimer Wildparks Alte Fasanerie umgegangen wurde: reichlich rücksichtslos. Unmengen von Material, das in solch einem historischen Gebäude eigentlich nichts zu suchen hat, kam seit Ende vorigen Jahres raus: von abgehängten Decken mit Styroporteilen bis zu Wandverkleidungen aus Gipskarton - „und 60 Tonnen Sand aus dem ersten Stock“, berichtet Architekt Christian Bernard. Mit dem Sand wurde in längst vergangenen Zeiten eine gehörige Absenkung des Fußbodens ausgeglichen. Allein schon aus statischen Gründen ein bedenkliches Unterfangen, sagen die Fachleute. Bernard: „Auch damals hat man schon gepfuscht.“

Gut einen halben Meter hat sich die Balkenkonstruktion an einer Stelle abgesenkt. Das ist die größte Herausforderung für den Architekten bei der nun anlaufenden Sanierung. Bei Bodensondierungen kam heraus, dass das Jagdhaus an einer Stelle einst im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut wurde. Erst in einer Tiefe von 4,50 Metern kommt eine tragfähige Bodenschicht.

Im Innenhof könnte eine Außenbewirtung stattfinden, zeigt Forstamtsleiter Christian Schaefer.

Um eine weitere Absenkung zu verhindern, will man im betroffenen Bereich sogenannte Kleinbohrpfähle in den Boden treiben – zehn bis zwanzig Stück. Sie werden dann mit Spezialbeton verfüllt, um eine sichere Gründung zu bekommen.

Nicht nur diese Maßnahme kostet eine Menge Geld. Zwar sind die Holzbalken fast alle „in einem guten Zustand“, sagt der Architekt. Ansonsten muss aber fast alles erneuert werden: von den Böden bis zu Elektroinstallationen und Heizung.

Für die Sanierung des Jagdhauses hat das Land Hessen als Eigentümer 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das wird voraussichtlich nur reichen, um das Erdgeschoss für eine Gastronomie herzurichten sowie den Innenhof und ein früher als Kuhstall genutztes Nebengebäude, das zum Toiletten- und Techniktrakt umgebaut werden soll. Der Hof und der Außenbereich sind für eine Freiluftbewirtung vorgesehen.

Beton und Bauschaum kamen in der Vergangenheit beim Fachwerk zum Einsatz.

„Es war lange nicht genug Geld da, um das Objekt in einen zeitgemäßen Zustand zu bringen“, sagt Christian Schaefer, Leiter des Forstamts Hanau-Wolfgang. Nachdem die letzten Pächter nach allerlei Problemen Ende 2015 rausgingen, war die Zukunft des historischen Gebäudes lange ungewiss. Gutachten verzögerten sich. Dann kam heraus: Eine Komplettsanierung des Jagdhauses samt Nebengebäuden und Außenanlage würde vier Millionen Euro kosten. Nicht finanzierbar, entscheid das Land. Nun kommt im ersten Schritt zunächst eine kleinere Lösung. Das Erdgeschoss wird saniert für ein Lokal mit 100 Quadratmetern Bewirtungsfläche. Dazu kommen Innenhof- und Außenbereich. Im Obergeschoss kann voraussichtlich mit dem Budget nur das Nötigste gemacht werden. Die dortigen größeren Räume werden daher zunächst nicht für das neue Lokal zur Verfügung stehen. Die jetzige Sanierung sei aber „endlich ein wesentlicher Schritt nach vorn“, sagt der Forstamts-Chef.

Startschuss für Sanierung des Jagdhauses am Wildpark in Hanau: Bilder

In den letzten Jahren war immer wieder Kritik laut geworden, dass es am Wildpark kein Lokal mehr gibt. Die drei Kioske im Tierpark selbst „reichen den Leuten nicht aus“, hat Schaefer festgestellt, dessen Forstamt auch für den Wildpark zuständig ist. Nach der Sanierung wolle man mit einem „erfahrenen Betrieb“ wieder „eine stabile Gastronomie“ etablieren. „Wir haben schon viele Anfragen von Interessenten“, sagt Schaefer. Die Suche soll jetzt offiziell beginnen.

Dass der lange Leerstand Kritik hervorgerufen hat, wusste auch der ehrenamtliche Stadtrat Günther Jochem beim Ortstermin zu berichten. Er begrüßt im Namen der Stadt, dass sich das in absehbarer Zeit wohl ändern wird. Schließlich sei der Wildpark „ein Leuchtturm“ mit Ausstrahlung in die gesamte Region. 210 000 Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt. Das Jagdhaus sei für das Freizeitangebot „ein wichtiges Objekt.“ Nach derzeitigen Plänen soll das Lokal 2020 eröffnet werden.

Von Christian Spindler

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