Banner bremst die Zeiger

Kirchweih-Jubiläum läuft die Turmuhr wieder

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Das große Banner, das auf das Kirchenweih-Jubiläum hinwies, hatte den Zeiger blockiert. Fotos: Hackendahl

Steinheim –Ausgerechnet ein Banner, mit dem beim Altstadtfest auf den 570. Weihetag der Alten Pfarrkirche von St. Johann Baptist hingewiesen wurde, war in die Zeiger geraten und hatte die markante Turmuhr am Kardinal-Volk-Platz ausgebremst. Nichts ging mehr.

Um 11 Minuten nach 15 Uhr blieben die Zeiger stehen. Pünktlich zum Kirchweih-Jubiläum, das am morgigen Sonntag gefeiert wird, tickt die Uhr aber wieder richtig.

Michael Schneider, Firmenchef des 1877 gegründeten Flörsheimer Unternehmens Jakob Höckel-Schneider Turmuhren und Glockentechnik GmbH, brachte den Antrieb am einstigen Wehrturm wieder in Gang.

Gemeinsam mit Reimund Frickel, für die Pfarrei St. Johann Baptist unter anderem für die Unterhaltung der Kirchtürme zuständig, ging es die Holztreppen im 29 Meter hohen Turm hinauf. Auf der dritten Holzplattform gelangte Schneider mithilfe einer Metallleiter an die technische Einheit, die an der Innenseite der 1,40 Meter dicken Basalt-Turmwand angebracht ist.

Um 15.11 Uhr blieben die Zeiger stehen.

„Die Stirnlampe leistet mir gute Dienste. Ich habe beide Hände frei, kann mich festhalten und mit dem Werkzeug hantieren“, sagt Schneider, während er das Gehäuse vorsichtig öffnet. Das Banner hatte sich vor etlichen Wochen im Zeiger verheddert und ihn am Drehen gehindert. „Der Zeiger will durch die Antriebsmotoren aber weiterdrehen ebenso wie die Zahnräder“, erklärt der Turmuhren-Fachmann, während er das Bauteil genau untersucht. „Durch die Blockierung kam Druck auf die Achse, das Bauteil gab nach.“ Der Schaden entpuppt sich schnell als nicht so schwerwiegend wie befürchtet. „Ich muss die Achse nicht austauschen“, gibt der 40-Jährige bald Entwarnung. „Ich kann sie wieder richten.“

Zum Glück. Denn ansonsten wäre der Aufwand groß gewesen. Mit einem Hubsteiger hätte Schneider von außen an die einen Meter bzw. 70 Zentimeter langen Zeiger rangemusst, um sie abzunehmen.

Der gelernte Kaufmann Michael Schneider führt gemeinsam mit seinem Bruder Markus, einem Betriebsschlosser, das Flörsheimer Unternehmen. Schwester Angelika ist die „helfende Hand“ und wird von der Mutter im Büro unterstützt. Auch der Schwager hilft ab und an.

Turmuhren-Fachmann Michael Schneider nimmt die Antriebseinheit in Augenschein.

Vater Edgar Schneider stammt aus dem Schwarzwald, reparierte dort Kuckucks-, aber auch Turmuhren. 1960 stieß er zum Flörsheimer Unternehmen, das er im gleichen Jahr vom damaligen Eigentümer Jakob Höckel übernahm.

Die Turmuhren-Spezialisten benötigen Kenntnisse aus vielen Berufen, erklärt Schneider: vom Schlosser über Elektriker und Zimmermann bis zum Vergolden von Zifferblättern. „Aus allen Bereichen braucht man ein bisschen was“, berichtete Schneider beim Ortstermin in Steinheim. Mehr als 1000 Objekte betreut seine Fachfirma, darunter nahezu alle Kirchtürme im Rhein-Main-Gebiet, aber auch Turmuhren etwa an alten Rathäusern oder Schulen.

VON HOLGER HACKENDAHL

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