OB kritisiert Verein Stadtbild heftig

Schlossplatz Hanau: Klares Votum gegen historisierende Bebauung

Soll noch „veredelt“ werden: Der Konzeptentwurf von Terramag/Baugesellschaft soll nach dem Willen des Magistrats die Grundlage für die künftige Schlossplatzbebauung ein.

Der Magistrat von Hanau hat sich gegen eine historisierende Bebauung am Schlossplatz ausgesprochen. Der Oberbürgermeister kritisiert den Verein Stadtbild heftig.

Hanau – Der Magistrat der Stadt Hanau empfiehlt die Schlossplatzbebauung auf Grundlage des von der Projektgemeinschaft Terramag/Baugesellschaft eingereichten Entwurfs. Damit hat sich das Gremium gegen eine historisierende Bebauung des Areals ausgesprochen.

„Wir haben einen Partner gesucht, der mit gutem Gespür für diesen bedeutsamen Standort einen überzeugenden Gestaltungs- und Nutzungsvorschlag unterbreitet“, begründete OB Claus Kaminsky die Magistratsentscheidung. Mit der Bietergemeinschaft Terramag/Baugesellschaft Hanau habe man einen solchen Partner gefunden. Das Votum des Magistrats sei „klar“ ausgefallen.

Grundstück am Schlossplatz von Hanau nicht mit maximalem Gewinn verkaufen

Kaminsky erinnerte daran, dass es der Stadt am Schlossplatz nie darum gegangen sei, ein Grundstück mit maximalem Gewinn zu veräußern, sondern stets ein attraktiver Nutzungsmix im Fokus gestanden habe. Deshalb habe man sich am Schlossplatz für den Weg einer Konzeptvergabe entschieden. Dies sei aber kein Ideen- oder Architektenwettbewerb, stellte Kaminsky klar. 

Daraus lasse sich auch die hohe Bedeutung des Nutzungskonzepts (30 Prozent) und der Vertragsstruktur (15 Prozent) in der Bewertungsmatrix ableiten. „Wir wollen nicht nur planen und diskutieren, sondern eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Konzeption sowohl für den Neubau als auch für das zu sanierende Kanzleigebäude“, so Kaminsky.

Hanau: „Moderne Weiterentwicklung“ am Schlossplatz

In seinem Votum schloss sich der Magistrat der Argumentation an, dass für die Beurteilung des Schlossplatzes die Zäsur der Kriegszerstörung 1945 entscheidend sei und nicht der städtebauliche und architektonische Zustand zuvor. Mittlerweile sei die Hanauer Altstadt als Ensemble denkmalgeschützt. Mit dem 2003 eröffneten Congress Park Hanau habe sich der östliche Schlossplatz „modern weiterentwickelt“, nun gehe es auf der Westseite entsprechend weiter.

Eine klare Absage erteilt der OB daher einer historisierenden Bebauung, wie sie der Entwurf des Projektentwicklers KCI vorsieht und für den der Sprecher des Vereins Stadtbild Deutschland, Reinhard Hühn, öffentlich eintritt. „Auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass die von dem Architekten Olaf Gerstner entwickelten Bilder unseren Wunsch nach der vermeintlich guten alten Zeit bedienen, wird es mit mir keinen Nachbau der Vergangenheit und aufgekleisterte Fassaden für unsere Stadt geben,“ findet Kaminsky deutliche Worte. Kaminsky dankt dem Investor und dem Architekten ausdrücklich für die Impulse, die deren Entwurf gegeben habe, denn das habe den Blick dafür geschärft, „was wir haben wollen und was wir nicht wollen.“

Kritisch sieht Kaminsky den öffentlichen Umgang des Vereins Stadtbild mit dem Sieger-Entwurf und den Versuch, durch polemisierende Attacken die Mitbewerber zu diskreditieren. Zum einen stellt Kaminsky die grundsätzliche Frage, ob es wirklich im Interesse der Hanauer sei, wenn sich hinter dem Etikett „Verein Stadtbild - Ortsverband Hanau“ in Wahrheit auch Offenbacher und Frankfurter Mitglieder verbergen, um dem demokratisch gewählten Souverän der Stadt Hanau „eine Meinung zu diktieren“.

Hanau: Tanzschule am Schlossplatz als „Magnet für alle Altersgruppen“

Dass der Verein aber auch noch versuche, ein traditionsreiches, in Hanau seit Jahrzehnten verwurzeltes Unternehmen in Misskredit zu bringen, habe nichts mehr mit konstruktiver Kritik zu tun. „Wir im Magistrat sehen in der Ansiedlung der Tanzschule Berné, die für uns mit ihrem wirtschaftlichen Konzept über jeden Zweifel erhaben ist, ein höchst attraktives Element zur Belebung des Schlossplatzes und des Quartiers. Der Standort und die gesamte Altstadt werden davon profitieren“, erinnert der OB daran, dass die Besitzerin der Tanzschule, Ute Berné, seit vielen Jahren an einem weitaus schwierigeren Standort überaus erfolgreich ihr Institut führt und ausgebaut hat. 

„Die Tanzschule ist ein Magnet für Menschen aller Altersgruppen.“ Der Verein Stadtbild hatte in Äußerungen den Eindruck erweckt, die Tanzschule Berné könne nicht die an diesem Standort zu erwartenden hohen Mieten aufbringen, sodass der Betrieb am Ende vom Hanauer Steuerzahler quersubventioniert werden müsse.

Jetzt erst beginnt die Arbeit am Schlossplatz von Hanau

Laut Kaminsky beginnt nun erst die Arbeit. Sollte das Baugesellschaft/Terramag-Konzept am 23. September im Stadtparlament eine Mehrheit finden, werde an den Entwürfen gearbeitet – und dabei seien auch noch Veränderungen möglich, erinnerte Kaminsky ans Vorgehen beim Forum Hanau. 

„Erst im öffentlichen Diskurs ist aus den damaligen HBB-Entwürfen das geworden, was heute sicht- und erlebbar ist“, so der Rathauschef. Aktive Bürgerbeteiligung habe dazu beitragen, dass das Gesamtpaket damals deutlich verbessert wurde. Einen solchen „Veredelungsprozess“ werde es auch am Schlossplatz auf Grundlage des vom Magistrat empfohlenen Konzepts geben.

Von Dirk Iding

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