„Mit Geld nicht zu bezahlen“

Museumseisenbahner und TÜV nehmen „Stadt Hanau“ unter die Lupe

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1750 PS stark und 136 Tonnen schwer ist die Dampflokomotive „Stadt Hanau“, die derzeit von den Museumseisenbahnern und dem TÜV auf Herz und Nieren geprüft wird. Erst danach darf sie wieder zurück auf die Schiene.

Auf Herz und Nieren prüfen die Spezialisten des Vereins Museumseisenbahn Hanau derzeit im Bahnbetriebswerk Hanau in den Heideäckern die vereinseigene Dampflok 503552.

Hanau – Sie ist auch unter dem Namen „Stadt Hanau“ bekannt, auf den das 1760 PS starke und 136 Tonnen schwere Schienenfahrzeug aus dem Jahr 1942 nach der Übernahme durch den Verein im Jahr 2005 getauft wurde.
Schon etliche Samstage sind für die technisch versierten Vereinsmitglieder ins Land gegangen, um eine eingehende Bestandsaufnahme des technischen Zustandes der Lokomotive zu machen und die Reparaturen, die selbst gemacht werden können, auszuführen. Denn alle sechs Jahre muss das Fahrzeug zur technischen Prüfung, um die nötige Genehmigung zur Fahrt auf öffentlichen Schienenstrecken zu behalten. Und das muss auch bei der „Stadt Hanau“ so sein, denn die Lokomotive zieht die Personenwaggons für die zahlreichen Ausflüge und Sonderfahrten im Jahr, mit denen der Verein auch das Geld einspielt, das für Pflege, Wartung, Unterhalt und Reparaturen nötig ist.

Das Führerhaus der Lokomotive, die nach einem Austausch des Kessels im Jahr 1959 noch lange Güter- und Personenwagen in der ehemaligen DDR gezogen hat, wirkt wie eine Baustelle. Die Klappe zur Brennkammer ist ausgebaut, durch die Öffnung schlängelt sich ein Vereinsmitglied, um den Zustand der Kammer in Augenschein zu nehmen.

Kosten: Zwischen 400.000 Euro und 800.000 Euro

Auch im Kessel rumort es. Dort hat sich Alexander Körner, der für den TÜV Süd vor Ort ist, umgeschaut. „Im Großen und Ganzen sieht alles ganz o. k. aus,“ urteilt er, als er nach seinem Einsatz im Inneren des Dampflokbauches wieder auftaucht. Sven Gutmann vom Verein der Museumseisenbahn hört das mit einer gewissen Beruhigung.

Denn die Kosten, um die technische Prüfung erfolgreich durchzustehen, sind enorm für einen Verein. Zwischen 400.000 Euro und 800.000 Euro werden locker erreicht, wenn nicht alles was geht in Selbsthilfe geleistet wird. Mit ihrem Know How und dem technischen Sachverstand in Bezug auf Dampflokomotiven ist bei den Vereinsmitgliedern in den Heideäckern allerdings viel möglich. Auch die eigene Werkstatt, in der sogar Ersatzteile selbst geschmiedet werden können, ist jetzt Gold wert.

Bilder: Dampflok in Hanau

Für Matthias Kopitzki, der die Dampfrösser des Vereins nicht nur wartet und pflegt, sondern als Lokführer auch über das Schienennetz rollen lässt, geht es bei seinem Hobby auch um den Transfer von Wissen, das im Bereich der freien Wirtschaft und anderer Technologien heute nicht mehr nachgefragt werde und im Aussterben begriffen sei. Dieses Wissen, das „mit Geld nicht zu bezahlen ist,“ werde im Verein weitergegeben – auch an jüngere Menschen, die sich zur Freude der älteren Vereinsmitglieder sehr im Verein engagieren.

Wie lange die Arbeiten am „Zugpferd“ des Vereins noch in Anspruch nehmen, das ist nicht absehbar. Sven Gutmann hofft, dass die Herkulesaufgabe bis Ende des Jahres gestemmt ist. Doch „wenn´s länger dauert, dann dauert es eben länger.“ Immerhin stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich die Lok 503552 beim alljährlichen Lokschuppenfest am 4. und 5. Mai auf dem Gelände unter Dampf präsentieren kann. Und für die Ausflugsfahrten am 27. April zum Bahnhofsfest nach Stockheim und am 28. April zur Bundesgartenschau nach Heilbronn lässt sich die Lokomotive einfach von einer Kollegin vertreten. Bei den Ausflügen kommt die Schnellzugdampflok 01 150 des DB Museums zum Einsatz, die in Hanau stationiert ist und auch von den Museumseisenbahnern auf Mietbasis benutzt werden darf. VON DIETER KÖGEL

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