Kicken gegen Vorurteile

Muslimisch-jüdischer Sporttag in Hanau will Ressentiments abbauen

+
3:1 endete das Spiel von Makkabi und der Ahmadiyya Gemeinde. Doch das Ergebnis war zweitrangig.

„Muslime und Juden zusammen, das funktioniert nicht“, lautet ein Ressentiment. Es funktioniert aber doch, wie eine Veranstaltung in Hanau symbolhaft unter Beweis stellte. Zumindest im Sport klappt es.

Hanau – 3:1 endete ein Fußballspiel zwischen dem jüdischen Verein Makkabi Frankfurt und einer Auswahl der muslimischen Hanauer Ahmadiyya Gemeinde auf dem Gelände des VfR Kesselstadt. Doch das Resultat war Nebensache. Vielmehr stand die Begegnung zwischen den Angehörigen der unterschiedlichen Religionsgruppen im Vordergrund.

„Sport vereint – gemeinsam gegen Rassismus“, lautete daher auch das Motto des Freundschaftsspiels. Für Mahmud Albrecht von der Ahmadiyya Gemeinde und Oliver Dainow, als Mitorganisator der jüdischen Gemeinde, ist das Sportevent eine großartige Gelegenheit Vorurteile abzubauen. Dainow weiß von einer ganzen Reihe von rassistischen Übergriffen zu berichten. „Beschimpfungen wie ,Scheiß Jude’ hört man immer öfter, immer lauter und immer ungenierter“, sagt er. „Vor allem auf Schulhöfen ist dies die meist gehörte Beleidigung.“ Erfahrungen, die auch die Spieler der Sportvereine bestätigen.

Dies gilt aber auch für die muslimischen Spieler, die ebenfalls Anfeindungen ausgesetzt sind, sagt Adnan Mustafa. Für Schiedsrichter Alexander Stoler, der mit einer DFB-Lizenz regelmäßig Fußballspiele pfeift, ein Phänomen, das besonders in den unteren Ligen um sich greife.

Die Begegnung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionsgruppen stand im Vordergrund der Veranstaltung der jüdischen Gemeinde Hanau und der örtlichen Ahmadiyya Gemeinde.

Großaufgebot der Polizei 

Zu einem Spiel von Makkabi gegen einen Verein in Frankfurt-Grießheim musste die Polizei mit einem Großaufgebot von neun Streifenwagen anrücken, um die Sicherheit wieder herzustellen, erinnert sich Dainow. Zwar werden verbale Entgleisungen unter den Spielern umgehend mit einer Roten Karte und einer möglichen Sperre des Spielers durch ein DFB-Schiedsgericht geahndet, doch stelle sich für den Schiedsrichter die Frage nach der alleinigen Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Seitens des DFB hat man daher den Julius-Hirsch-Preis ausgelobt, der jene Menschen und Vereine ehrt, die sich gegen Rassismus engagieren.

„Begegnungen zu stärken und zu fördern“, lautet daher auch für Oliver Dainow das Zauberwort, um Rassismus wirksam entgegenzutreten. „Wir gehören dazu, sind ein Teil der Gesellschaft und bringen uns ein“, erklärt Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Aus diesem Grund habe man den Verein auch für andere Religionsgruppen geöffnet. Heute spielen Christen, Muslime und Juden bei Makkabi in einer Mannschaft. Und der Verein bietet sogar Schwimmunterricht für muslimische Frauen an. Kennenlernen, aufeinander zugehen und dabei Vorurteile abbauen, das ist die Idee für ein besseres Miteinander. Für Leon Mitropolous, Spieler bei Makkabi, geht dieses Konzept auf. „Ich selbst bin griechisch-orthodoxen Glaubens und deshalb zu Makkabi gegangen. Denn das ist gelebte Integration.“

Nur ein Auftakt einer Reihe weiterer Begegnungen

Geht es nach dem Willen von Mahmud Albrecht und Oliver Dainow, dann war das jüdisch-muslimische Fußballspiel am Sonntag in Hanau nur der Auftakt einer Reihe weiterer Begegnungen zwischen unterschiedlichen Religionsgruppen. Denn von ein paar Verrückten wolle man sich nicht kaputtmachen lassen, was in den vergangenen Jahrzehnten Positives entstanden sei, so die Vertreter der beiden Gemeinden.

von Matthias Grünewald

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare