Zahlreiche Aufräumarbeiten

Nach den Sturmböen hat Hanau viel zu tun

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Dieser mächtige Fallkran kam zur Beseitigung von Sturmschäden im Wildpark zum Einsatz. Mit ihm ist es möglich, in einer Höhe von bis zu 24 Metern Baumkronen zu kappen und sicher zur Erde zu bringen.

Es sind stürmische Zeiten - und die hinterlassen auch in den Waldbeständen im Bereich des Forstamtes Hanau-Wolfgang ihre Spuren. Besonders sensibel ist der Wildpark „Alte Fasanerie“ mit seinen vielen Besuchern. Nicht nur dort kommt modernes Gerät zum Einsatz, um Baumschäden zu beseitigen und Risiken zu minimieren.

Klein-Auheim – Günter Hunold, technischer Leiter des Wildparks, geht derzeit mit besonders wachsamen Auge durch die „Alte Fasanerie“. Seine Sorge gilt dem riesigen Baumbestand, der den Stürmen trotzen muss. „Allein bei dem Sturm am Rosenmontag ist es im Wildpark zu 25 Stamm- und Kronenbrüchen gekommen“, berichtet Hunold. Unter anderem mit Hilfe eines speziellen Fällkrans werden die Schäden beseitigt und gefährdete Bäume notfalls gekappt.

Mit hilfe der mehr als 300.000 Euro teuren Spezialmaschine wurden in den vergangenen Tagen Bäume entnommen, deren Krone oder Stamm durch die heftigen Windböen gebrochen waren. „Mit dem Fällkran kann man punktgenau fällen. Auch da, wo nicht viel Platz ist. Etwa in der Nähe von Zäunen und Gehegegattern“, erklärt Hunold. So werden Fällkräne eigentlich vornehmlich in urbanen Bereichen eingesetzt, im Bereich von Straßen, Häusern oder Stromleitungen.

Aber auch im Wildpark gibt es Bereiche, wo es eng wird und wo besondere Sicherungsmaßnahmen erforderlich sind – etwa dort, wo der Waldkindergarten sein Domizil hat. Dort hat Marco Kirst, der Fahrer der Spezialmaschine, mit dem Greifer und der hydraulischen Sägevorrichtung an dem langen Arbeitsarm seines Krans acht Buchen gekappt.

„Der Kran hat eine maximale Greifhöhe von 24 Metern. Mit dem Greifer an der Spitze des Greifarms kann der Fällkran die Baumkrone packen, festhalten und Stämme bis zu einem Durchmesser von 70 Zentimetern absägen,“ erläutert Hunold. Ganze Baumkronen bis zu einer Traglast von zwei Tonnen können so sicher mit dem Greifer zum Waldboden manövriert werden.

In der extra gesicherten Fahrerkabine bekommt Geräteführer Marco Kirst die Stammlast elektronisch angezeigt. Und nur wenn diese unter zwei Tonnen liegt, legt die hydraulische Säge los – ansonsten ertönt ein Warnton.

„Der Fällkran arbeitet wegen seines kleineren Arbeitsradius wesentlich schneller und gezielter. Es ist zudem viel sicherer, als wenn Waldarbeiter mit einem Hubsteiger in die Baumkronen gehoben werden müssen, um die Kronen per Kettensäge zu stutzen“, weiß Hunold.

Ähnlich wie ein Autokran stützt sich der Fällkran mit vier hydraulischen Zylindern, unter die Betonplatten gelegt werden, auf dem Waldboden ab. Um Risiken zu minimieren, beseitigte der Fällkran im Wildpark nicht nur Schadholz, sondern entnahm an Bäumen auch so genanntes Dürrholz oder von Schädlingen befallenes Holz, das bei weiteren Stürmen leicht abbrechen kann.

Wenn Bäume gekappt werden, heißt das im Fachjargon „gestummelt“. „Dabei bleibt nur der untere Bereich des Stamms stehen,“ erläutert Hunold. Und der dient zukünftig als Lebensraum unter anderem für Insekten, Pilze und Spechte. „Buchenholz zum Beispiel fault relativ schnell, deswegen werden diese Stämme in drei bis fünf Jahren aus Sicherheitsgründen schließlich ganz herausgenommen“, sagt Hunold.

"Dragi", "Eberhard", "Franz": Ein Sturmtief jagt das nächste

Fällkranführer Marco Kirst ist selbstständiger Baum- und Landschaftspfleger. Er wird bei seinen Arbeiten von Forstwirt Timo Zehner unterstützt. Beide kommunizieren per Funk. Zehner unterstützt Kirst von außen bei der Ausrichtung und Stellung des Fällgreifers und sichert das Umfeld vor allzu neugierigen Zuschauern.

„In den Gehegen, wo für die Besucher keine Gefahr besteht, bleiben die durch Sturm geschädigten Bäume als so genanntes Totholz stehen“, erklärt Hunold. Das „Totholz“ wird bald schon von unzähligen Kleinstorganismen besiedelt. „Da entsteht innerhalb kurzer Zeitein kleiner Mikrokosmos mit ungeheurer Lebensfülle. Deswegen ist der Begriff „Totholz“ eigentlich irreführend“, meint Hunold.

Von Holger Hackendahl

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