Einsatz im Hadriansee

Nutrias ärgern Angler: Jetzt müssen die Taucher ran

Gut 90 Minuten dauerte der Einsatz, ehe Bozkurt das erfolgreiche Ende der Arbeiten signalisierte.
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Gut 90 Minuten dauerte der Einsatz, ehe Bozkurt das erfolgreiche Ende der Arbeiten signalisierte.

Nutrias haben den Gummi von Stromkabeln offenbar zum Fressen gern – sehr zum Leidwesen der Steinheimer Angler. Jetzt müssen die Taucher am Hadriansee in Hanau ran.

Steinheim – Denn die pelzigen Nager haben am Hadriansee zum wiederholten Mal die Stromversorgung für den Teichbelüfter des Gewässers „gekappt“. Deshalb kamen dort nun Taucher zum Einsatz, die ein „nutriasicheres“ Kabel durch den See verlegten.

„Wir benötigen den Teichlüfter, um die Fische in heißen Sommern mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen und ein Kippen des Sees zu verhindern“, erläutert Kai Heckele, Vorsitzender des ASV Steinheim. Nachdem erneut ein an dem See lebendes Nutria die Ummantelung des Elektrokabels angenagt hatte, flog die FI-Sicherung des Lüfters raus und nichts ging mehr. Das war vor drei Jahren schon einmal passiert.

Tauchereinsatz am Hadriansee in Hanau: Angler gehen auf Nummer Sicher

Nun wollen die Angler in Hanau auf Nummer Sicher gehen und haben das im See liegende Kabel mithilfe von professionellen Tauchern komplett ausgetauscht, es mit einem besonderen Schutz versehen und auf dem Grund des Sees verankern lassen. Dabei kam eine im Hanauer Hafen ansässige Tauchfirma zum Einsatz.

Das neue, 100 Meter lange 400-Volt-Elektrokabel erhielt einen zusätzlichen Schutzschlauch aus dem Hause des Steinheimer Unternehmens Flexa. Der Tauchmeisterbetrieb Kerlen Taucher GmbH war gleich mit vier Tauchern angerückt. Freilich musste nur einer der Männer tatsächlich in den See hinabtauchen. Seine drei Kollegen sicherten ihn von Ufer und Boot aus.

Tauchereinsatz am Hadriansee in Hanau: 30 Bodenanker

Der Chef höchstpersönlich, Karl Kerlen, kommunizierte während des Einsatzes über eine Kabel-Sprachverbindung mit dem unter der Wasserlinie arbeitenden Taucher und hatte dabei die an der Uferböschung liegenden Pressluftflaschen stets im Auge. Zwei weitere Mitarbeiter assistierten von einem Boot aus.

Von Land und Boot aus wurde der Taucher gesichert.

Auf Taucher Burak Bozkurt wartete die schwierigste Aufgabe. Er musste an die 30 Bodenanker ins Sediment des Hadriansees treiben, die das neue Elektrokabel nun am Grund halten.

Tauchereinsatz am Hadriansee in Hanau: Mühsamer Weg durch Teichrosen

Zunächst hatte die Tauchcrew den Schutzschlauch samt Elektrokabel auf Schwimmkörpern befestigt und diese auf dem See in die richtige Richtung gezogen. Auf Kommando ließ man dann das Kabel hinab sinken und Taucher Bozkurt konnte damit beginnen, die ersten Anker ins Sedimemt zu drücken. Dabei musste er sich auch mühsam durch Teichrosen arbeiten.

Für den Steinheimer Angelsportverein bedeutet der Einsatz des Tauchmeisterbetriebs sowie die Anschaffung des neuen Elektrokabels und der Steuerungseinheit eine mehrere tausend Euro teure Investition. „Wir haben die Wochenzeitschaltuhr neu eingestellt – mit Rücksicht auf die Anwohner. Montags bis freitags läuft der Teichbelüfter nun von 8 bis 18 Uhr, am Wochenende erst ab 10 und bis 18 Uhr“, erläutert der stellvertretende ASV-Vorsitzende Christian Feik.

Tauchereinsatz am Hadriansee in Hanau: 90 Minuten dauerte der Tauchgang von Burak Bozkurt

Gut 90 Minuten dauerte der Tauchgang von Burak Bozkurt in dem bis zu 4,50 Meter tiefen Gewässer. „Unter Wasser hatte ich eine Sichtweite von nur 20 Zentimetern, und wenn dann auch noch Schlamm vom Grund aufgewühlt wird, siehst du gar nichts mehr“, berichtete der Taucher, nachdem er wieder an Land war.

Über die an Land liegende Druckluftflasche wurde Taucher Burak Bozkurt während seines Einsatzes im Hadriansee mit Sauerstoff versorgt.

Die Kerlen Taucher GmbH ist nicht nur bei Einsätzen in Deutschland gefragt, aus ganz Europa kämen Aufträge und sogar schon aus Malaysia, berichtet Geschäftsführer Karl Kerlen, der eine über 25-jährige Erfahrung als Berufstaucher hat. Das Einsatzgebiet der Taucher aus Hanau ist vielfältig. Sie sind bei der Gewässerunterhaltung oder der Renaturierung von Gewässern ebenso im Einsatz wie bei technischen Arbeiten in Kläranlagen, Hafenbecken, Schleusen oder Baugruben.

VON HOLGER HACKENDAHL

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