Das Lernen lernen

Offene Lernwerkstatt im Kulturforum Hanau erweist sich als Renner

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Freuen sich über den Erfolg der Lernwerkstatt: Erika Scheider, Stefan Konrad, Thomas Weber und die ehrenamtlichen Lernbegleiter Klaus Dorn und Natalja Hergert.

„Vom Analphabeten bis zum angehenden Abiturienten – wir hatten schon alle hier“, sagt Stefan Konrad, stellvertretender Leiter der städtischen Volkshochschule Hanau. 

Hanau – Mit „hier“ meint er die offene Lernwerkstatt im Kulturforum Hanau – ein Angebot, das sich seit Herbst auch ohne große Öffentlichkeitsarbeit zu einem Renner in der Hanauer Bildungslandschaft entwickelt.

Schon mehr als 200 Menschen, junge und ältere, besuchten seit Oktober regelmäßig die Lernwerkstatt. Bis zu 30 Besucherinnen und Besucher pro Öffnungstag wurden gezählt. Sie alle kommen, „um das Lernen zu lernen“. So beschreibt Erika Scheider von der Volkshochschule Hanau das Prinzip der Lernwerkstatt: „Die Leute kommen mit ihren eigenen Ideen zu uns, sagen, was sie machen wollen, und wir bringen sie auf den Weg ihres Lernprozesses.“

Scheider, selbst Kursleiterin an der VHS und darüber hinaus in der Ausbildung von Kursleitern mit den Schwerpunkten Methodik und Didaktik tätig, war gemeinsam mit Stefan Konrad maßgeblich an der Konzeption des neuen Bildungsangebots beteiligt. Dies hat zum Ziel, Menschen, die etwas lernen möchten, dazu zu befähigen, dies möglichst selbstständig umzusetzen, indem ihnen Lern- und Arbeitstechniken vermittelt werden. Stefan Konrad: „In der Lernwerkstatt wird keine klassische Nachhilfe gegeben. Wir leiten unsere Klienten dazu an, sich selbst Wissen und Fähigkeiten zu erschließen, zeigen ihnen Wege auf, die sie dann aber selbst gehen müssen.“

Das Besondere an dem Konzept: Auch ehrenamtliche „Lernbegleiter“ wirken in der Lernwerkstatt mit – zur Zeit sind es rund ein halbes Dutzend, weitere Ehrenamtliche sind ob der großen Resonanz auf dieses Angebot gerne gesehen.

Einer der freiwilligen „Lernbegleiter“ ist Klaus Dorn, der sich seit 2016 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert und darüber auch zur Lernwerkstatt gekommen ist: „Ich habe gemerkt, dass bei Geflüchteten über die normalen Kurse hinaus ein großer Bedarf an Unterrichtsergänzung vorhanden ist. Dieser Bedarf kann hier befriedigt werden.“

Doch nicht nur bei Geflüchteten kommt das offene Angebot im Kulturforum gut an. Schneider und Konrad berichten von Frauen und Männern, die kaum oder gar nicht lesen, schreiben oder rechnen konnten und die über das niedrigschwellige Angebot der Lernwerkstatt nun einen Einstieg gefunden haben. In einer kleinen Gruppe trifft man sich jetzt regelmäßig, um gemeinsam zu lernen. Oder von der Frau, die kein Wort Deutsch sprach und die nun regelmäßig in die Lernwerkstatt kommt, um sich dort unter anderem mit Hilfe von Bildkarten die für sie fremde Sprache Schritt für Schritt zu erschließen. Aber auch Haupt- und Realschüler bis hin zu Gymnasiasten, die vor wichtigen Prüfungen standen, haben die Lernwerkstatt bereits besucht, um sich dort das notwendige Rüstzeug zu verschaffen.

Dabei sei natürlich die unmittelbare Nähe zur Hanauer Stadtbibliothek mit ihrem umfassenden Medienbestand zu fast allen Wissensgebieten ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Lernwerkstatt, weiß Stefan Konrad. Er lobt die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Team der Stadtbibliothek.

VON DIRK IDING

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