Auf Votum verzichtet

Parlamentsausschuss diskutiert über Schlossplatz-Bebauung in Hanau

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Der Hanauer Schlossplatz aus der Vogelperspektive: Als letzter der fünf Hanauer Plätze soll er umgestaltet werden. Darum wird nun im Stadtparlament gerungen.

Der Hanauer Schlossplatz soll als letzter der fünf Hanauer Plätze umgestaltet werden. Darum wird nun im Stadtparlament gerungen.

Hanau – Am Ende der fast dreistündigen Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses stand keine Entscheidung. Die meisten der Ausschussmitglieder sahen sich am späten Donnerstagabend im Brüder-Grimm-Saal des Congress Parks nicht in der Lage, eine Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung zur künftigen Schlossplatzbebauung abzugeben. Deshalb wurde auf eine formale Abstimmung verzichtet.

Dabei hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zum Auftakt ausführlich für die Empfehlung des Magistrats geworben, der sich für das von der Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag eingereichte Konzept ausgesprochen hatte (wir berichteten). Der Magistrat folgte damit der Empfehlung eines Expertengremiums, das die drei im Zuge des Konzeptvergabeverfahrens eingereichten Entwürfe anhand einer Bewertungsmatrix beurteilt hatte. Das Ergebnis dieser „Fachjury“ erläuterten Hanaus Stadtentwickler Martin Biebeler, Rechtsanwalt Dr. Olaf Otting und der Hanauer Architekt Rainer Krebs ausführlich.

Auf großes Interesse stieß die Struktur- und Umweltausschuss-Sitzung zur Schlossplatz-Bebauung. Drei Konzepte liegen dafür vor.

Zumindest nach Ansicht von OB Kaminsky stehen die Stadtverordneten „eigentlich vor einer einfachen Entscheidung“. Denn aus seiner Sicht ist das Konzept von Baugesellschaft/Terramag den Entwürfen von KCI, das eine historisierende Bebauung mit einem Mix aus Hotel, Gastronomie, Eventräumen und Wohnen plant, und von 3w, das vor allem ein Hotel sowie Wohnen am Schlossplatz errichten will, deutlich überlegen.

Gleichzeitig kritisierte Kaminsky den Verein Stadtbild Deutschland scharf, der sich für eine historisierende Bebauung des Schossplatzes stark macht. Der Verein hatte nicht nur das architektonische Konzept von Baugesellschaft/Terramag bemängelt, sondern unter anderem auch Zweifel an der Bonität der Tanzschule Berné geäußert, die als künftige Mieterin in den geplanten Neubau einziehen möchte. Der Verein beschädige mit solchen unhaltbaren Äußerungen den Ruf eines Unternehmens, das sich seit drei Generationen in der Brüder-Grimm-Stadt erfolgreich behaupte und ein „starkes Stück Hanau“ sei, so Kaminsky. Die Ansiedlung einer Tanzschule am Schossplatz mit wöchentlich mehr als 600 Besucherinnen und Besuchern aller Altersgruppen werde ganz sicher zu einer Belebung der Altstadt beitragen, erklärte der OB. Ob ähnliches auch mit einem Brauerei-Gasthof gelänge, sei fraglich. „Montags, dienstags, mittwochs darbt die Altstadt, da haben auch die bereits hier ansässigen Gastronomen zu kämpfen“, erklärte Kaminsky.

Gleichzeitig kritisierte der OB, dass KCI für die von ihnen vorgeschlagenen Nutzungen (Hotel, Brauerei-Gasthof, Café) bislang lediglich Interessensbekundungen möglicher Betreiber beibringen konnte, aber keine belastbaren Absichtserklärungen („Letter of Intent“). Die Tanzschule Berné habe eine solche Absichtserklärung unterzeichnet und mit dem Engagement von Terramag, das seinen neuen Stammsitz an den Schlossplatz verlagern will, sei auch eine langfristige Nutzung des Kanzleigebäudes gesichert.

Allein die Sanierung des Kanzleigebäudes werde laut Kaminsky rund drei Millionen Euro kosten. „Um das zu refinanzieren, erscheint eine Büronutzung wirtschaftlich vertretbarer als die Vermietung von Eventräumen, wie es KCI in der Kanzlei plant“, glaubt Kaminsky.

Der Entwurf von Baugesellschaft/Terramag wird vom Hanauer Magistrat favorisiert.

Zweifel äußerte der OB auch daran, dass ein von KCI und 3w am Schlossplatz vorgeschlagenes Hotel entscheidend zu einer besseren Auslastung des benachbarten Congress Parks Hanau beitragen könne. Zum einen seien Mehrtageskonferenzen inzwischen ohnehin nicht mehr so gefragt wie früher, zum anderen gebe es laut CPH lediglich fünf bis sechs Anfragen jährlich, die dann unter Verweis auf fehlende Hotelkapazitäten in der Nachbarschaft wieder zurückgezogen würden. Allerdings zeigte sich Kaminsky dafür offen, auch Hotelüberlegungen in die weitere Bearbeitung der Pläne noch einmal einfließen zu lassen.

Die CDU hatte sich, wie berichtet, bereits im Vorfeld der Struktur- und Umweltausschusssitzung für das Konzept von KCI ausgesprochen. Im Ausschuss warb Fraktionsvorsitzende Isabelle Hemsley dafür, den „Wunsch vieler Bürger, einen identitätsstiftenden Platz zu schaffen und historisierende Elemente aufzunehmen“ bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen. Auch sollte die Ansiedlung eines Hotels an dieser Stelle noch einmal intensiv geprüft werden.

Auf ein ausdrückliches Votum gegen den Entwurf von Baugesellschaft/Terramag verzichteten die Christdemokraten, auch weil, wie Hemsley betonte, „wir manche Information, insbesondere zur Wirtschaftlichkeit der vorgeschlagenen Konzepte, erst heute bekommen haben.“ Das wolle man in die weitere Entscheidungsfindung einfließen lassen.

Während sich SPD- und BfH-Vertreter im Ausschuss klar zur Empfehlung des Magistrats bekannten, konnten sich FDP und Grüne ebenfalls noch nicht zu einer Entscheidung durchringen. Beide Parteien, die der in Hanau regierenden Kleeblatt-Koalition angehören, halten am Schlossplatz ebenfalls ein Hotel für wünschenswert. Aus Sicht des Grünen-Stadtverordneten Christian Theobald ist zudem das Architekturkonzept von Baugesellschaft/Terramag „noch nicht voll überzeugend“.

Am Montag, 23. September, wird sich die Hanauer Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema beschäftigen. Dass dann bereits eine abschließende Entscheidung über die Vergabe des Projekts an Baugesellschaft/Terramag fällt, darf trotz des Nichtvotums des Ausschusses als wahrscheinlich angesehen werden.

Dirk Iding

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