Seit zehn Jahren

Für den Artenschutz: Przewalski-Pferde auf Militärgelände in Hanau

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Die Przewalski-Stuten Pepper und Priska wurden auf Campo Pond geboren. Sie werden auf ihre Auswilderung in der Inneren Mongolei vorbereitet.

Es handelt sich um das ungewöhnlichste Projekt im Zuge der Konversion ehemals militärisch genutzter Flächen in Hanau. Seit genau zehn Jahren weiden auf dem früheren Truppenübungsgelände Campo Pond in Wolfgang vom Aussterben bedrohte Przewalski-Wildpferde.

Großauheim - Ein Projekt, das sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Noch grasen Pepper und Priska, zwei in Großauheim geborene Przewalski-Stuten, auf einem Außengelände des Leipziger Zoos. Das ist aber nur die erste Station ihrer großen Reise in die Freiheit, die im Frühjahr 2019 auf Campo Pond im Hanauer Stadtteil Wolfgang begann. Denn Pepper und Priska sollen ausgewildert werden – dort, wo ihre Vorfahren herkommen: in den Steppen der inneren Mongolei. Es ist die bisherige Krönung eines ungewöhnlichen Artenschutzprojekts, das im Sommer 2009 seinen Anfang nahm.

Hanau: Przewalski-Pferde für Artenschutz auf Militärgelände

Wobei in diesem Fall der Begriff Artenschutz gleich doppelt zutrifft. Denn auf Campo Pond geht es nicht allein um den Erhalt der letzten vom Aussterben bedrohten Wildpferderasse unseres Planeten, es geht auch um den Schutz einer selten gewordenen Flora und Fauna, die sich auf dem Truppenübungsgelände Campo Pond über die Jahrzehnte entwickeln konnte und zu deren Erhalt nun die Przewalski-Pferde einen wichtigen Beitrag leisten. Würden sie das Areal nicht beweiden, würde es binnen Kurzem zuwuchern und eine einzigartige Pflanzengesellschaft ginge verloren.

Auch wenn es sich merkwürdig anhört: Die Przewalski-Pferde auf Campo Pond schützen nun das, was über Jahrzehnte durch Panzer und anderem schwerem Gerät geschaffen wurde. Verursacht durch die stete Befahrung des über 100 Hektar großen Areals ist auf Campo Pond ein einzigartiges Biotop entstanden. Unterschiedliche Lebensräume, wie Sand-Magerrasen, Steppenvegetation und nicht forstwirtschaftlich genutzte Wälder bieten Rehen, Kaninchen, Füchsen, Fledermäusen, vielen Insekten und diversen Amphibienarten ein Zuhause. Sogar Vertreter der seltenen Urzeitkrebse kommen auf dem Gelände vor.

Hanau: Przewalski-Pferde als Landschaftspfleger

Rund 70 Hektar des Geländes wurden vom Hessischen Naturschutz-Ministerium als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und sind somit durch EU-Verordnung als „Natura 2000-Gebiet“ geschützt. Um den FFH-Status zu erhalten, entstand die Idee, Przewalski-Pferde als „Landschaftspfleger“ anzusiedeln. Sie pflegen das Fauna-Flora-Habitat Campo Pond, indem sie neue Baumtriebe „verbeißen“ und so das Gelände von Unterholz freihalten. Das ist die Voraussetzung für den Erhalt des wertvollen Sand-Magerrasens.

Das Artenschutzprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Bundesforst als Flächeneigentümer und Tierhalter, der Stadt Hanau, die regelmäßig Führungen und Kurse auf dem Gelände anbietet und die Pferdebetreuung finanziert sowie dem Zoo Frankfurt, dessen Tierärztinnen bei Bedarf die medizinische Versorgung der Pferde übernehmen.

Hanau: Projekt im Dienst der Wissenschaft 

Rund um das Projekt gibt es einen ständigen Austausch von Zoologen, Tierärzten, Förstern, Vertretern von Umweltbehörden, Pferdebetreuern und nicht zuletzt der Leitung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), bei dem alle Fäden der Przewalski-Aufzucht zusammenlaufen. Bereits mehrfach war in den vergangenen Jahren Hanau Gastgeber von Fachtagungen rund um den Wildpferde-Schutz.

Los ging es im Sommer 2009 als der Bundesforst die erste rund 26 Hektar große Pferdekoppel auf Campo Pond einrichtete. Ein Jahr später folgte eine zweite, ebenso große Koppel. Die ersten fünf Przewalski-Stuten kamen im September 2009 nach Großauheim, weitere Stuten folgten in 2010.

Hanau: Fohlen kommen auf die Welt

Zunächst war nicht an eine Aufzucht gedacht, erst im Sommer 2013 kam mit Fury der erste Hengst ins Gehege – und der tat das, was man sich von ihm erhofft hatte. Resultat: Am 23. Juni 2014 kam mit Oleg das erste Fohlen auf Campo Pond zur Welt. Und Oleg blieb nicht das einzige Fohlen. 2015 sorgte Fury gleich dreimal für Nachwuchs: Die beiden Stuten Pepper und Priska sowie Hengst Pavel wurden geboren. Inzwischen wurde Fury in ein anderes Beweidungsprojekt nach Gießen umgesiedelt, wo der Gute ebenfalls für reichlich Nachwuchs gesorgt hat.

Aber es gab auch traurige Nachrichten aus Campo Pond: Im März diesen Jahres verstarb die fast 29-jährige ehemalige Leitstute Barioja, die von Beginn an auf Campo Pond lebte und die Herde über viele Jahre hinweg anführte.

Hanau: Drei Przewalski-Pferde auf Gelände

Aktuell leben nur die drei Stuten Ginger, Galinka und Jana sowie Hengst Pavel auf dem Gelände. Allerdings ist für die kommenden Monate eine Vergrößerung der Herde geplant. Auch über eine Rückkehr des Zuchthengstes Fury wird nachgedacht.

Rund um das Wildpferde-Projekt hat das Umweltzentrum Hanau ein Programm mit vielen Führungen und anderen Angeboten zur Umweltbildung „gestrickt“. Die regelmäßigen Wildpferde-Führungen können unter umweltzentrum@hanau.de oder telefonisch unter 06181 3049148 gebucht werden. Das Umweltzentrum bietet daneben aber auch themenspezifische Führungen etwa zu Kräutern und Fledermäusen, aber auch Familien-Entdeckungstouren oder Foto-Workshops auf Campo Pond an.

 Außerdem soll im kommenden Jahr das Projekt Nachwuchsforscher in die zweite Runde gehen, das von der Stiftung Flughafen Rhein- Main und der Stiftung ProRegion der Fraport AG gefördert wird. Das Projekt richtet sich an Schulklassen. Auch wurde auf Campo Pond ein Pirschpfad errichtet, der Groß und Klein zum Entdecken der unterschiedlichen Bewohner des Naturschutzgebiets einlädt.

VON DIRK IDING

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