9,2 Millionen Euro Kosten

Rathaus hinter Gittern: Gebäudesanierung in Hanau läuft an

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Weitgehend eingerüstet präsentiert sich die Fassade des Neustädter Rathauses. Mit der Sanierung des Uhrentürmchen beginnen die umfangreichen Bauarbeiten.

Die derzeit wohl größte Gebäudesanierung in Hanau läuft an. Für 9,2 Millionen Euro wird das Neustädter Rathaus komplett saniert und umgebaut. Seit mehr als fünf Jahren ist der Barockbau weitgehend gesperrt.

Hanau – Bis über die Dachkante umschließt ein riesiges Baugerüst die Fassade des Neustädter Rathauses. In wenige Tagen soll auch der acht Meter hohe Uhrenturm eingerüstet sein. An dem markanten Türmchen beginnt die Sanierung des prominentesten Gebäudes in der Hanauer Innenstadt. Wenn die neue Schiefereindeckung erfolgt ist, Schallschutzfenstern eingebaut sind und der goldene Schwan auf der Spitze renoviert wurde, starten die eigentlichen Rohbauarbeiten in den drei Stockwerken und im Gewölbekeller des historischen Rathauses.

Die Innenräume sind in den vergangenen Monaten entkernt worden. Dabei musste auch gesundheitsschädliche Mineralwolle, die als Dämmstoff verwendet worden ist, mit großem Aufwand von den Wänden entfernt worden. Vom Sanierungsstand machte sich jetzt der parlamentarische Bauausschuss vor Ort ein Bild, begleitet von Hiltrud Herbst, Chefin des städtischen Eigenbetrieb Hanau Immobilien- und Baumanagement (IBM).

Rathaus Hanau: Natursteinboden in Parterre bleibt erhalten

Wenn der Uhrenturm, in dem sich das Glockenspiel befindet, erneuert ist, wird im Juni eine große Öffnung im Dach des Neustädter Rathauses geschaffen, durch die das benötigte Baummaterial rein- und rausbefördert wird. Wie berichtet, entsteht im Zuge des Umbaus im Erdgeschoss ein Veranstaltungsbereich, der mit flexiblen Wänden geteilt werden kann. Der Natursteinboden in Parterre bleibe erhalten. erläuterte Herbst. Die ausladend große Treppe, die viel Platz verschlungen hat, wird abgerissen. Stattdessen baut man im rückwärtigen Bereich ein neues Treppenhaus. Aus Brandschutzgründen sei das ein „technisch anspruchsvolles“ Gewerk, so Herbst. Es erhält eine Drucklüftung, sodass im Brandfall auch die oberen Stockwerke erreicht werden können.

Gähnende Leere herrscht im Plenarsaal, wo ab 2021 wieder die Stadtverordneten tagen sollen.

Die Treppen und ein Aufzug, der eingebaut wird, führen auch in den Gewölbekeller, den die Ausschussmitglieder beim Rundgang erstmals in Augenschein nehmen konnten. Dort sollen neben Lagerräumen auch Sanitäranlagen unterkommen. Seit mehr als fünf Jahren ist das Neustädter Rathaus unter anderem wegen Brandschutzmängeln gesperrt. Das Stadtparlament tagt deswegen meist im Congress Park. Auch die Fraktionsbüros wurden ausgelagert.

Kosten von 9,2 Millionen Euro

Die Sanierung des ursprünglich ab 1723 errichteten und nach der Kriegszerstörung wieder aufgebauten Rathauses war zunächst mit 5,5 Millionen Euro kalkuliert worden. Dann kam heraus, dass auch die Decken nicht mehr statischen und brandschutztechnischen Anforderungen genügen. Auch das Treppenhaus musste umgeplant werden. Alles Kostentreiber. Nun sind, wie berichtet, 9,2 Millionen Euro veranschlagt -- zuzüglich 250.000 Euro für neues Inventar.

Unter anderem mit einer 28 Zentimeter starke Brettsperrholz-Stapeldecke soll die Tragfähigkeit der vorhandenen Betondecken erhöht werden, berichtete Herbst. Diese Variante sei wirtschaftlicher als die Betondecken zusätzlich mit Brandschutz-Spritzputz zu versehen.

Mitglieder des Bauausschusses besichtigten auch das Dachgeschoss im entkernten Gebäude.

Im ersten Stock entsteht ein neuer, klimatisierter Sitzungssaal für die Stadtverordneten. Die bisherige Anordnung der Plätze wird um 180 Grad gedreht. Der Saal soll auch für andere Veranstaltungen nutzbar sein. Das Neustädter Rathaus bekommt außerdem neue Sprossenfenster, die nach dem barocken Vorbild angefertigt werden. Zudem wird die Fassade erneuert. Und auch der kleine Balkon wird saniert – äußerlich. Aus statischen Gründen darf er aber auch künftig nur von Einzelpersonen betreten werden.

Für die zunächst veranschlagten 5,5 Millionen Euro Sanierungskosten hat die Stadt ein günstiges Darlehen vom Land Hessen bekommen. Für die restlichen 3,7 Millionen ist ein weiteres beantragt. Voraussichtlich bis Frühjahr 2021 soll der Rathaus-Umbau dauern.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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