Entscheidung fällt im Sommer

So sehen die drei Entwürfe für den Schlossplatz aus

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KCI-Entwurf: Das dominierende Schlossplatz-Gebäude orientiert sich in Größe und Gliederung am historischen Vorbild. Vorgesehen ist dort eine Brauhaus-Gastronomie. 

Was soll’s denn sein? Ein sachlich-schlichter Baustil oder eine historisierende Architektur? Allein die gestalterische Bandbreite der drei Investoren-Entwürfe für den Schlossplatz ist groß. Bis zum Sommer soll entschieden werden, welcher Plan realisiert wird.

Hanau – Bei aller Unterschiedlichkeit in Gestaltungsfragen, bei Größe und Höhe der Neubauten und bei Nutzungsschwerpunkten – eines haben die im Zuge des Konzeptvergabe-Verfahrens eingereichten Entwürfe der Investoren Baugesellschaft/Terramag (Hanau), 3w Immobilien (Wiesbaden) und KCI (Frankfurt) gemein: Beim Kanzleigebäude bleiben alle mehr oder weniger vage. Von Eventräumen, Veranstaltungssälen, Büronutzung, eventuell einem Cafe ist die Rede. Mehr nicht. „Hier muss noch nachgearbeitet werden“, meint ein Insider aus dem Rathaus, bevor in Kürze die parlamentarischen Beratungen über das Schlossplatz-Projekt beginnen. Die Zurückhaltung in Sachen Kanzleigebäude scheint verständlich: Ein Umbau werde mit enormen Kosten verbunden sein, sagt ein Baufachmann.

Der Schlossplatz ist der letzte der fünf Plätze, die im Zuge des seit 2013 laufenden Innenstadt-Umbaus umgestaltet wurden bzw. werden. Der Fokus liegt auf den Neubauten, die laut Ausschreibung einen Mix aus Wohnen und öffentlicher Nutzung bieten müssen. Die Gebäude ragen nach dem vorgesehenen Abriss des früheren Hauses des Handwerks ein gutes Stück in den künftig autofreien Platz hinein. Weitere neue Häuser sind am rückwärtigen Rand des Fronhofs vorgesehen. Der Hof selbst soll weiter für Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Die drei Planungen, zu denen jeweils eine Tiefgarage gehört, in der Übersicht:

Baugesellschaft/Terramag

Baugesellschaft/Terramag-Entwurf: Der gestalterisch massiv wirkende Neubau wurde von Architekt Stefan Forster entworfen. Neben einem Lokal könnte dort auch eine Tanzschule einziehen.

Der Entwurf, den das städtische Wohnungsunternehmen und der Baugebietsentwickler eingereicht haben, stammt vom Architekten Stefan Forster (Frankfurt), der in Hanau bereits das Ostkarree an der Französischen Allee gebaut hat. Die Formensprache am Schlossplatz ist dem ähnlich. Die Neubauten sollen „eine zurückhaltende Eleganz“ ausstrahlen, heißt es in der Beschreibung. Oberhalb von massiven Sockelausbildungen aus Naturstein sind für die einzelnen Gebäude unterschiedliche Fassaden vorgesehen.

Zum Nutzungskonzept gehören eine Gastronomie mit Außenbewirtung, ferner eine Tanzschule mit drei Sälen – ein Betreiber sei bereits gefunden, heißt es – sowie im nördlichen Gebäuderiegel ein Club.

Zu den geplanten gut 60 Wohneinheiten im Ensemble zählen nicht nur klassische Wohnungen, sondern auch „Junges Wohnen“, also kleine Wohneinheiten für Studenten oder Azubis.

3w Immobilien

3w-Entwurf: Ein „Design Hotel“ gehört zu den Elementen dieses Konzepts. Man verhandle derzeit mit einem potenziellen Betreiber, heißt es vom Investor.

Die Projektentwicklungsgesellschaft aus Wiesbaden kennt Hanau gut. Sie war für den Investor ING Real Estate Den Haag bereits am Wettbewerblichen Dialog zum Innenstadt-Umbau beteiligt und kam bis in die Endrunde. Mit dem Schlossplatz-Konzept soll eine Kombination aus Gastronomie, Veranstaltungsräumen und „neuem Wohnen“ realisiert werden. Eines der 3w-Elemente ist ein „Design Hotel“. Damit greift der Investor Schlossplatz-Pläne aus Zeiten des Congress-Park-Baus wieder auf, die später ad acta gelegt wurden. „Wir verhandeln aktuell mit einem potenziellen Hotelbetreiber“, so 3w-Geschäftsführer Friedrich Doré gegenüber unserer Zeitung.

Der architektonische Entwurf soll zwar die historische Architektur des Kanzleigebäudes respektieren, heißt es in der Beschreibung von Valentiny Architects, aber „ein eigenständiges, zeitgenössisches Statement zur Stadtentwicklung abgeben.“ Die Neubauten sollen mit dem Kanzleigebäude „ein homogenes, einheitliches und sehr ruhiges Ensemble“ bilden.

KCI Frankfurt

KCI-Entwurf: Das dominierende Schlossplatz-Gebäude orientiert sich in Größe und Gliederung am historischen Vorbild. Vorgesehen ist dort eine Brauhaus-Gastronomie. 

KCI und das Architekturbüro Gerstner/Kaluza haben Ideen des Vereins Stadtbild um den Hanauer Steuerberater Reinhard Hühn aufgegriffen und wollen in abgeänderter Form die Konzeption des Frankfurter Altstadt-Wiederaufbaus nach Hanau transferieren.

Die Neubauten ragen weiter in den Schlossplatz hinein als bei den anderen beiden Entwürfen. Das orientiert sich aber an den historischen Baulinien. Auch vor der Zerstörung im Krieg standen Häuser an der damaligen Erbsengasse. Das dominante Schlossplatz-Gebäude nimmt in Größe und Gliederung sowie bei den Fassaden-Elementen historische Vorbilder auf, interpretiert sie aber neu, heißt es in der Konzeptpräsentation.

Neben Wohnen gehören Geweberäume und ein Café zu den Plänen und als besondere Attraktion eine Brauhaus-Gastronomie.

Von Christian Spindler

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