Kiefern unter Winterstress

Wie die Stadt Hanau auf das große Baumsterben reagiert

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Viele Bäume in Hanau, wie diese Zeder auf dem Alten Friedhof in Großauheim, sind im Stadtgebiet abgestorben. Ein Konzept soll zukünftige Schäden minimieren.

Nach dem großen Baumsterben haben die Stadt Hanau und Hessen-Forst nun Konzepte vorgestellt, wie sie den Wald auf den Klimawandel vorbereiten wollen.

Hanau – Durch die Hitzesommer der letzten beiden Jahre haben nicht nur viele Bäume im Stadtgebiet von Hanau nicht überlebt (wir berichteten), sondern auch viele Bäume im städtischen Wald. 

Die genaue Zahl der abgestorbenen Bäume und welche Konzepte der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service und Hessen-Forst haben, um den Wald für den klimatischen Wandel der nächsten Jahre vorzubereiten, wurden nun vorgestellt.

Stadt Hanau will Wald auf den Klimawandel vorbereiten

In 2018/19 sind im Stadtgebiet von Hanau 505 Bäume abgestorben. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2010 bis 2017 waren es insgesamt 415, dies ist eine nahezu Versechsfachung im jährlichen Durchschnitt.

Der Verlust beträgt somit rund 1,5 Prozent der insgesamt 33. 700 Bäume im Stadtgebiet. Für den städtischen Wald sehen die Zahlen ähnlich dramatisch aus: rund 8 300, der geschätzt 600.000 bis 700.000 Bäume haben die extremen Wetterereignisse der letzten zwei Jahre nicht überlebt. Darunter sind vor allem Buchen und Kiefern. Letzteren machen zudem Schädlinge, Pilze und die milden Winter zu schaffen, wie der Leiter des Staatlichen Forstamts in Wolfgang, Christian Schaefer berichtet: „Kiefern sind eigentlich darauf angewiesen im Winter Ruhe zu haben. Durch die steigenden und fallenden Temperaturen wird die Baumart nun auch im Winter unter zusätzlichen Stress gesetzt.“ 

Hanau: Externe Firmen machen Wege im Wald sicher

Damit die Wege im Stadtwald von Hanau weiterhin sicher sind, werden jetzt auch externe Firmen eingesetzt, damit die Fällungen an Wegesränder zeitnah erfolgen können. Dies schlägt mit bis zu 50.000 Euro zusätzlichen Kosten zu Buche.

Einen konkreten Plan für die Aufforstungen im Stadtwald gebe es nicht, da man sich für das System Wald noch nicht auf verlässliche wissenschaftliche Zahlen stützen könne, so Schaefer. „Hier gilt es auszuprobieren. Generell verfolgen wir aber ein Mischbestandskonzept, aus Nadel- und Laubbäumen.“

Fürs Stadtgebiet gibt es aber bereits konkrete Pläne, die die Bäume an Straßenrändern, auf Friedhöfen und in Parks gesund halten sollen, da man hier eine intensivere Einzelbetreuung der Bäume vornehmen kann.

Hanau: Bäume im Wald sollen mit Weißanstrich vor Überhitzung geschützt werden

Die bestehenden Bäume sollen beispielsweise mit einem Weißanstrich vor einer Überhitzung des Stammes im Sommer geschützt werden. Zudem werden die Bäume ganzjährig bewässert, da auch die Niederschlagsmengen im Winter nicht mehr ausreichen, so HIS-Betriebsleiter Markus Henrich.

Bei den Neupflanzungen werden nun auch andere Wege gegangen: Hier kommen neue Baumarten wie der Feldahorn oder Linden aus dem türkischen Raum zum Einsatz, die sowohl extreme Dürre, als auch kalte Winter überdauern können. Des Weiteren werden die sogenannten Baumquartiere, der Erdbereich, in dem die Bäume ihre Wurzeln schlagen können, im Volumen vervierfacht. 

Beim Einpflanzen wird zudem ein spezielles Bodensubstrat, der sogenannte Geohumus, eingesetzt, der dazu beiträgt, dass das Wasser im Erdreich nicht sofort versickert. Auch Zisternen, die mit Regenwasser ein unterirdisches Bewässerungssystem speisen, werden bei einer Neugestaltung eines Platzes mitunter eingebaut. Eingesetzt wurde dieses System bereits auf dem neuen Platz vor der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

VON LUKAS REUS

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