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Stadt Hanau startet neues Portal für Online-Dienstleistungen

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Übersichtlich und einfach zu bedienen ist das neue Portal hanau://digital.

Von Facebook bis WhatsApp – viele Menschen kommunizieren längst digital, tätigen Einkäufe online oder buchen so ihren Urlaub. Jetzt weiten auch die Stadt und ihre Eigenbetriebe ihre Online-Dienstleistungen aus. VON CHRISTIAN SPINDLER

Hanau – „Wir sind dabei nachzuziehen“, sagt Stadtrat Thomas Morlock. Mit hanau://digital ist ab sofort eine neue Online-Plattform geschaltet, die gestern öffentlich vorgestellt wurde.

17 Dienstleistungen sind im ersten Schritt nutzbar. Manches, wie die Möglichkeit, online Anwohnerparkausweise zu beantragen oder zu verlängern, gibt es bereits seit Monaten. 16 Prozent der Parkausweis-Anträge werden aktuell via Internet gestellt. Auch die seit Langem bestehende Online-Terminvereinbarung im Stadtladen wurde quasi ins neue Portal gehievt.

Neu ist die Möglichkeit, die in Hanau kostenlose Sperrmüllabholung nun auch online beim Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) über das Portal zu bestellen oder etwa Geburts- und Sterbe- und Lebenspartnerschaftsurkunden auf diesem Weg zu beantragen.

Zudem kann man sich über das Portal unter anderem bei der Stadtbibliothek anmelden, Strafzettel online prüfen und gegebenenfalls Widerspruch einlegen oder defekte Ampeln und Straßenlampen melden sowie eine Feedback zu den Hanauer Schwimmbädern geben.

Im Vergleich zu anderen Städten ist die Hanauer Verwaltung in Sachen Digitalisierung nicht unbedingt innovativ. Das räumt die Rathausspitze unumwunden ein. „Wir sehen uns nicht in der Rolle eines Entwicklungslabors“, sagt Stadtrat Thomas Morlock (FDP). Man strebe in Sachen Digitalisierung einen „soliden Platz im vorderen Mittelfeld an“, formuliert Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Denn andernorts, ob in Verwaltung oder auch Wirtschaft, sei in diesem Bereich „viel Geld verbrannt worden“. Und auch wenn im Rathaus laut Kaminsky „fast täglich Prospekte ins Haus flattern“ von Firmen, die der öffentlichen Verwaltung bei der Digitalisierung helfen und damit Geld verdienen wollen, setze man darauf, so Morlock, Konzeption, Umsetzung der Strukturen und den technischen Bereich mit dem städtischen IT-Servicecenter „hausintern zu bewältigen“. Kaminsky: „Alles andere würde zu viel Geld kosten.“

Zudem wolle man abwarten, ob man etwa für die nächste Ausbaustufe, wenn Bürger auf Wunsch einen persönlichen Bereich in dem Portal einrichten können und die Identifikation über eine Online-Ausweisfunktion läuft, auf Landes- oder Bundesstandards zurückgreifen kann.

Mit dem Aufbau des bisherigen Portals waren im vergangenen dreiviertel Jahr drei bis vier städtische Experten befasst, berichtet Janko Schiebeck, der das 50-köpfige IT-Service-Center der Stadt leitet. Technisch haben die städtischen IT-Experten für den Aufbau des Bürgerportals auf die für Büroanwendungen bundesweit vielfach genutzte Software „Service now“ zurückgegriffen, die laut Schiebeck in Hanau erstmals im kommunalen Bereich eingesetzt wird.

Über das Portal hanau://digital, das über einen Button auf den Internetseite hanau.de erreichbar ist, kann man die Dienstleistungen unkompliziert finden und bearbeiten. Dabei habe man sich vom Grundsatz „so einfach wie möglich leiten lassen“, sagt Schiebeck.

Die laufende Digitalisierung der Verwaltung umfasst freilich nicht nur das Serviceportal, damit geht auch die gestartete Umstellung auf E-Akten und papierlose Abläufe in den Büros einher. Es gehe darum, „eine weitgehend analoge Verwaltung in die digitale Zeit überzuführen“, sagt der Rathauschef. Das soll die städtischen Mitarbeiter auch entlasten. Und der erzielte Produktivitätsfortschritt , so Kaminsky, soll so groß sein, dass die durch Hanaus Wachstum mehr anfallenden Aufgaben ohne zusätzliche Stellen bewältigt werden können.

Die Online-Dienstleistungen für die Bürger will man nach dem Start des Serviceportals schrittweise ausbauen. Zuletzt hatten Bund, Länder und Kommunen vereinbart, dass bis zum Jahr 2022 Dienstleistungen digital angeboten und verknüpft werden müssen. Allein im kommunalen Bereich gibt es freilich mehr als 500 Verwaltungsleistungen, dazu kommen in Hanau die der städtischen Betriebe sowie freiwillige Leistungen. In Zukunft soll es laut Stadtrat Morlock möglich sein, dass Bürger komplette Verwaltungsvorgänge online rund um die Uhr erledigen können – von der Antragsstellung über die Bezahlung bis zur Zustellung von Bescheiden per E-Mail. In Hanau könnten als nächster Schritt Personalausweis- oder Passangelegenheiten digitalisiert werden, heißt es.

Aller Digitalisierung zum Trotz – man werde die städtischen Dienstleistungen aber auch weiterhin in der bisherigen Form anbieten, unterstreicht OB Kaminsky, damit auch die Bürger klar kommen, die keinen PC und kein Smartphone nutzen können oder wollen. Kaminsky: „Denn es gibt auch ein Recht auf Analogität.“

VON CHRISTIAN SPINDLER

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