Auftakt bei Evonik in Wolfgang

Bei Tagen der Industriekultur vorgestellt: Beton, der sich selbst heilt

Eines der ältesten Gebäude im Industriepark Wolfgang beherbergt heute die Poststelle.

Zum Auftakt der Tage der Industriekultur in der Region Rhein-Main waren am Samstag rund 30 Gäste zum Industriepark Wolfgang gekommen, um einen Blick auf das Gelände und vor allem in die Forschung der Unternehmen zu werfen.

Hanau – Baukunst und Baukultur stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Veranstaltung. Zu beiden Themen hat der Industriepark etwas zu bieten.

Das wurde schnell deutlich, nachdem Silke Wodarczak und Julia Rattke von der Evonik-Standortkommunikation die Gäste über das Gelände führten. Unweit des aus rotem Stein und mit viel Glas versehenen, 2010 errichteten Evonik-Neubaus an der Pforte steht ein unscheinbares kleines Bauwerk: Das „Schilderhaus“ der Königlich Preußischen Pulverfabrik, die dort von 1876 bis 1918 ihrem gefährlichen Gewerbe nachgegangen ist. Der kleine Bau wirkt wie aus der Zeit gefallen, ist aber bei Weitem nicht der einzige im Industriepark, das weit über 100 Jahre auf dem Buckel hat. Die Gruppe hält vor einem Backsteinbau, der heute die Poststation im Industriepark beherbergt - „das wohl älteste Gebäude auf dem Gelände“, sagt Wodarczak. Und die Historie des Unternehmens Degussa, sie lagert in einem anderen Backsteingebäude, das als Archiv dient. Rund vier Kilometer Akten werden dort verwahrt, und die enthalten auch das große Kapital der Firmen: die Patente.

Einen innovativen Dämmstoff stellte Bauingenieurin Gabriele Gärtner den Besuchern bei Führungen zum Auftakt der Tage der Industriekultur vor. Fotos: Kögel

Für die ist intensive Forschung nötig. Und die wird bei Evonik betrieben. Ein Blick in die Forschungsabteilung beweist es. Sarah Hintermayer und ihr Kollege Jan Hellriegel begrüßen vor einem unscheinbaren Funktionsgebäude. Drinnen wird auf modernste Weise geforscht. Hintermayer und Hellriegel arbeiten an einem Projekt, das zukunftsweisend sein könnte. Sie haben herausgefunden, dass die Beimengung von geeigneten Mikroorganismen im Beton dazu führen, dass sich der Beton selbst wieder repariert, wenn beispielsweise durch das Eindringen von Feuchtigkeit Risse entstehen. Die Feuchtigkeit sei es, die die verkapselten Organismen aktiviere und zur Arbeit anrege. Für die Laien drücken es die beiden jungen Forscher so aus: „Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Korallenriff.“ 

Entwickeln sich selbst heilenden Beton: Die Forscher Jan Hellriegel und Sarah Hintermayer.

Alles klar. Es ist also der Stoffwechsel der Mikroorganismen, der heilend im Beton wirkt – und zwar stabil, wie die herumgereichten „geheilten“ Blöcke beweisen. Die Forschungsabteilung als kleines Fenster in die Zukunft. Die hat beim auch vorgestellten Dämmstoff „Calostat“ einige Gebäude weiter bereits begonnen. Mehrfach wurde er für seine Eigenschaften ausgezeichnet, sagt Bauingenieurin Gabriele Gärtner. Als hochgradig dämmend, hitzebeständig, feuchtigkeitsabweisend und voll recycelbar, ja sogar als upcycelbar für neue, hochwertige Produkte und Wertstoffe habe sich das Material erwiesen, das seinen Einsatz derzeit vornehmlich im komplizierten Sanierungsbereich finde. Er sei ein Stück Zukunft auf dem Markt der Baumaterialien, heißt es, wo gerade auch im Bereich der Dämmung die Zeit im Industriepark nicht still steht, damit auch künftige Bauten überdauern und bei späteren Tagen der Industriekultur als Beispiele dienen mögen.

VON DIETER KÖGEL

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