Initiativgruppe will Bürgerbegehren auf den Weg bringen

Wird Großkrotzenburg in die Stadt Hanau eingemeindet? 

+
Kritisieren ein Denkverbot hinsichtlich einer möglichen Eingemeindung Großkrotzenburgs nach Hanau: Ulrich Fischer (links) und Aloys Lenz. 

Eine Machbarkeitsstudie zur möglichen Eingemeindung von Großkrotzenburg in die Stadt Hanau will eine Initiativgruppe um den früheren Landtagsabgeordneten Aloys Lenz (CDU) mit einem Bürgerbegehren durchsetzen.

Großkrotzenburg – Voraussichtlich ab Herbst wollen die 20 Aktivisten Unterschriften sammeln, kündigten Lenz und sein Mitstreiter Ulrich Fischer gestern an.

Die Bürger sollten aufgrund von Zahlen und Fakten entscheiden können, ob eine Eingemeindung nach Hanau, das 2021 kreisfrei werden möchte, sinnvoll sei, so Lenz und Fischer. Der Großkrotzenburger Kommunalpolitik warfen beide vor, diese Diskussion nicht führen zu wollen. Bei einer Gesprächsrunde im Mai hätten sich Fraktionsvertreter und Bürgermeister Thorsten Bauroth lediglich bereit erklärt, interkommunale Zusammenarbeit mit Hanau auf einzelnen Gebieten zu prüfen. Solche Kooperationen stünden aber oft nur auf dem Papier, so Fischer.

Die Großkrotzenburger Bürger sind laut Lenz im Gegensatz zu ihren Vertretern im Ortsparlament für das Thema Eingemeindung durchaus offen, wünschten sich aber Zahlen und belastbare Fakten. Eben diese solle die Machbarkeitsstudie liefern, erläuterte Lenz und verwies auf das Beispiel von Neuberg und Erlensee. Dort werde ein Zusammenschluss offen diskutiert, bei Zustimmung beider Gemeindeparlamente komme das Land mit 50000 Euro für die Kosten der Studie auf.

Ein ähnliches Vorgehen im Fall Hanau und Großkrotzenburg komme nur in Betracht, wenn die Initiative von der Gemeinde ausgehe, so Lenz und Fischer: Von sich aus stoße die Landesregierung keine Gebietsreformen an. Den einstimmigen Appell der Großkrotzenburger Gemeindevertretung im Sommer 2018, hinsichtlich einer Loslösung Hanaus aus dem Main-Kinzig-Kreis jegliche Überlegungen zur Eingemeindung Großkrotzenburgs zu unterlassen, bezeichnete Lenz als „Denkverbot“. In Hanau sieht er dagegen keine unüberwindlichen Hindernisse. Erste Sondierungen bei den Stadtverordnetenfraktionen hätten positive Signale erbracht.

In Großkrotzenburg müssen die Bürger aus Sicht von Lenz und Fischer die Initiative übernehmen, weil die Politik den Anforderungen nicht gewachsen sei und seit Jahren im „Stillstand“ verharre. Ohne den Großsteuerzahler Staudinger und ohne realistische Ansiedlungsmöglichkeiten für zusätzliches Gewerbe habe die Gemeinde keine finanzielle Perspektive mehr. Langfristig sei auch nicht klar, wie die Ortspolitik Probleme wie die Kita-Versorgung oder die Zukunft des Bürgerhauses meistern solle.

Lenz präsentierte überdies eine Berechnung auf der Basis von Zahlen des Landesrechnungshofs. Demnach muss eine Modellfamilie mit zwei Kindern und Einfamilienhaus in Hanau jährlich rund 600 Euro weniger für kommunale Gebühren und Abgaben aufbringen als in Großkrotzenburg.

Dass es beim Bürgerbegehren nicht etwa um eine Eingemeindung nach Hanau, sondern lediglich um die Machbarkeitsstudie gehe, dürften den Großkrotzenburgern nach Einschätzung der Aktivisten nicht leicht zu vermitteln sein. Nach der Sommerpause wollen sie zunächst mit einer Flugblattaktion alle Haushalte informieren und dann Unterschriften sammeln. Unterstützen mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten - rund 440 Großkrotzenburger - das Bürgerbegehren, soll es noch in diesem Jahr eingereicht werden. Dann könnte ein Bürgerentscheid folgen, bei dem die Großkrotzenburger dann abstimmen, ob eine Studie in Auftrag gegeben wird.

Von Oliver Klemt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare