Jetzt fallen die Temperaturen

Seit Monaten schläft eine Frau auf dem Friedhof - jetzt wächst die Sorge um sie

All ihre Habseligkeiten verwahrt die wohnsitzlose Frau in ein Paar Einkaufstüten.

Bereits seit dem Sommer übernachtet eine obdachlose Frau in einem ungenutzten Geräteschuppen auf dem Steinheimer Süd-Friedhof. 

Hanau-Steinheim - Mit den sinkenden Temperaturen wächst nun die Sorge um die Mitte 60-Jährige, die ihre gesamten Habseligkeiten in rund einem Dutzend Einkaufstüten aufbewahrt. Es gab bereits erste Hilfsangebote, die von der Frau allerdings nur zögerlich angenommen werden.

Eine, die helfen möchte, ist Sabine Assmann von der ehrenamtlichen Obdachlosen-Hilfsorganisation „Straßenengel“. Bereits mehrfach hatte sie vergeblich versucht, Kontakt zu der Frau aufzunehmen, die sich tagsüber meist in Steinheim aufhält und in der Regel irgendwann nachts zu ihrer Schlafstätte auf dem Friedhof zurückkehrt. Mehrfach fuhr Assmann mit dem Kältebus der „Straßenengel“ zum Steinheimer Süd-Friedhof hinaus, ohne die Obdachlose dort anzutreffen.

Hanau: Frau übernachtet seit Sommer auf Friedhof

Nun hat sie die Frau dieser Tage doch noch in einem Steinheimer Café getroffen und angesprochen. Assmann wollte die Wohnsitzlose davon überzeugen, das Angebot der Notschlafstelle „Schneckenhaus“ des Hanauer Franziskus-Hauses in der Matthias-Daßbach-Straße zu nutzen. Seit 2. Dezember ist die Notschlafstelle wieder geöffnet. Dort finden Wohnsitzlose kurzfristig eine Übernachtungsgelegenheit und danach weitere umfassende Hilfen. Das Franziskus-Haus ist eine Einrichtung der Ökumenischen Wohnungslosenhilfe in Trägerschaft des Caritasverbandes für den Main-Kinzig-Kreis.

Hanau: Frau schläft auf Friedhof - jetzt fallen die Temperaturen

Auch Steinheims Pfarrer Lukasz Szafera kümmert sich um mögliche Hilfen, seit er von dem Schicksal der Obdachlosen erfuhr: „Ich kenne Frau H., sie kommt regelmäßig in die Kirche. Mir war sehr wichtig, dass wir eine Lösung finden. Die Frau nimmt Hilfe zuweilen auch an, ist aber oft nicht anzutreffen. Es gab sogar schon ein Wohnungsangebot für die Frau.“ Auch Pfarrer Szafera fürchtet um die Gesundheit der Mitte 60-Jährigen, sollte sie weiterhin auf dem Friedhof übernachten.

„Bei Minusgraden sollten Wohnsitzlose im Warmen untergebracht werden, um sie zu schützen. Es gibt entsprechende Angebote. Die Obdachlosen müssen allerdings freiwillig mitkommen, wir können sie nicht zwingen“, weiß Sabine Assmann, die sich mit ihrem Verein „Straßenengel“ seit Jahren um Obdachlose und von Altersarmut betroffene Menschen in Hanau kümmert und eine Tagesstätte für diese Klientel am Nordbahnhof betreibt. Nachts bietet die Notschlafstelle „Schneckenhaus“ des Franziskus-Hauses Schutz. Darüber hinaus gibt es Notquartiere im Männerwohnheim in der Steinheimer Ludwigstraße und ein Zimmer für Frauen in der Hanauer Limesstraße.

Hanau: Sorge um obdachlose Frau

„Tagsüber ist von Montag bis Freitag die Obdachlosenbehörde oder das Ordnungsamt Ansprechpartner für Wohnsitzlose, nachts und an den Wochenenden ist die Polizei für sie zuständig,“ appelliert Assmann an die Ordnungshüter, sich bei Minusgraden um die im Freien übernachtenden Menschen zu kümmern. „Denn in Deutschland darf kein Mensch erfrieren.“ Auch die „Straßenengel“ wollen in Hanau regelmäßig nachts mit ihrem Kältebus unterwegs sein, um Obdachlosen Hilfen anzubieten. Allerdings fehlt es an ehrenamtlichen Fahrern, sodass der Bus bislang nur sporadisch zum Einsatz kommen kann.   Von Holger Hackendahl

Viele Menschen wollen Obdachlosen helfen. Dazu zählt auch Julia Schmidt, die Menschen ohne Bleibe  in Frankfurt über den Winter hilft. *

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare